Ein Stück Schottland in der Eifel

Von: Stephan Johnen
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Dr. Ulrich Rohs (l.) traf in Heimbach die Komponistin Helen Grime. Wilfried Nachtigall gehört zum Festival-Organisationsteam. Foto: Johnen

Heimbach. Ohne Dr. Ulrich Rohs wäre das Kammermusikfestival „Spannungen“ weniger spannend. Der 79-Jährige stiftet seit dem zweiten Jahr die Auftragskomposition und gehört als Privatperson zu den größten Sponsoren der renommierten Reihe. „Artist in residence“ ist die schottische Oboistin und Komponistin Helen Grime.

Anfang des Jahres hat sie den Auftrag erhalten, eine Oboen-Sonate zu komponieren. Die Zuhörer dürfen gespannt sein, was sie am Freitagabend bei der Uraufführung erwartet. Auf den britischen Inseln hat sich die 35-Jährige einen Namen gemacht, in Deutschland ist sie (noch) ein Geheimtipp.

Wurde die junge Schottin deswegen mit einer Auftragskomposition betraut, Herr Rohs?

„Ich kenne die Künstlerin nicht“, sagt der Stifter schmunzelnd. „Ich habe volles Vertrauen in Lars Vogt“, fügt er hinzu. Der Pianist, Dirigent und Leiter des Festivals sei es, der Vorschläge macht, welcher Komponist mit einer Auftragsarbeit bedacht werden könnte. Im Prinzip wählt Lars Vogt die Kandidaten auch aus. „Ich überlasse dies alles ihm“, erklärt Rohs. Salopp formuliert stellt der Dürener die Mittel zur Verfügung, um eine musikalische Wundertüte öffnen zu können.

Musikliebhaber

„Nur ein Mal hat es mir nicht gefallen. Das Stück war schrecklich, es liegt aber schon einige Jahre zurück“, erinnert sich Ulrich Rohs an eine ganz bestimmte Uraufführung in Heimbach. „Genau dieses Werk erwies sich laut Komponist als sehr erfolgreich, wurde 80 Mal aufgeführt“, sagt Rohs. Über Geschmack lasse sich aber nicht streiten. „Mir ist es wichtig, dieses Festival und die Künstler zu unterstützen“, erklärt er seine Motivation. Aufgewachsen in einer Familie von Musikliebhabern habe er diese Begeisterung geerbt. Sein Vater gehörte zu den Begründern der Dürener Industriekonzerte. „Ich betrachte meinen Anteil als Fortsetzung dieser Aufgabe“, sagt er.

Helen Grime freut sich, dass die Wahl auf sie fiel. Seit 2013 habe sie ab und zu mit Lars Vogt darüber geredet, ihr Ehemann, der Pianist Huw Watkins, war schon als Musiker zu Gast in Heimbach. „Five North Eastern Scenes“ ist ihre Komposition überschrieben, inspiriert von Gemälden der Künstlerin Joan Eardley, die die raue Schönheit Nordost-Schottlands eingefangen hat. So viel sei verraten: Es gibt melancholische Passagen ebenso wie tosende Naturgewalten und Augenblicke der absoluten Stille. Das Werk sei an das Spiel des Oboisten Lucas Marcias Navorro und ihres Ehemanns Huw Watkins angepasst. „Ich hatte sehr genau vor Augen, wie es zu den beiden passt“, sagt sie. Sie habe auch versucht, die Größe der Turbinenhalle und den besonderen Klangraum zu berücksichtigen.

„Viele Auftragskompositionen werden nur einmal gespielt“, weiß die junge Schottin. In ihrem Fall sei eine zweite Aufführung der Sonate in der „Wigmore Hall“ in London bereits fest geplant. Es sei wichtig, dass sich die Musiker mit dem Stück identifizieren, es sich musikalisch zu eigen machen. Eine Auftragskomposition für das Heimbacher Festival sei zugleich auch eine prestigeträchtige Sache. „Spannungen“ habe in der Musikwelt einen guten Namen. „Ich wollte selbst einmal erleben, wie es hier ist“, erklärt die 35-Jährige. Während ihr Mann arbeiten musste, habe es sich für sie bislang wie Urlaub angefühlt. Spannend wird es nun am Freitagabend. Zur Uraufführung ist ihre ganze Familie in die Eifel gekommen.

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