Niederzier - Ein Stück Niederzierer Schützengeschichte ist wieder da

Ein Stück Niederzierer Schützengeschichte ist wieder da

Von: Jörg Abels
Letzte Aktualisierung:
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Stolz präsentierte Alt-Brudermeister Willi Schmitz (r.) dem amtierenden Vorstand der St.-Nikolaus-Schützen mit Willi Hambloch, Mario Herzogenrath und Norbert Bongartz im Beisein von Bürgermeister Hermann Heuser (l.) die zehn historischen Königsplaketten.

Niederzier. Diesen Anruf aus der Geschäftsstelle des Bundes der historischen deutschen Schützenbruderschaften wird Willi Schmitz wohl so schnell nicht vergessen. Mitte Dezember bekam der Alt-Brudermeister und Historiker der Niederzier St.-Nikolaus-Schützen vom Bundesgeschäftsführer Ralf Heinrichs den Hinweis, dass ein Niederländer im Internet alte Niederzierer Königsplaketten zum Kauf anbot.

Sollte es sich dabei etwa um Teile der im Zweiten Weltkrieg im Zuge der Evakuierung Niederziers verloren gegangenen alten Bruderkönigskette handeln?

Willi Schmitz, Schützenbruder durch und durch, bekam weiche Knie. Dass die Kette nicht, wie lange im Dorf vermutet, 1944 als „Kriegsbeute” über den großen Teich Richtung Amerika gewandert war, steht für Willi Schmitz spätestens seit dem Tag fest, an dem vor Jahren eines der insgesamt 72 verschollenen Königsschilder in einem Garten in Pier gefunden wurde. Drei weitere stöberten Niederzierer später auf Flohmärkten auf, Schmitz kaufte sie umgehend an. Der Großteil aber blieb verschollen. Bis vor wenigen Tagen.

Schnell war die Adresse des Niederländers Mathias Smeets ausfindig gemacht. Noch am selben Tag setzte sich Willi Schmitz mit ihm in Verbindung und vereinbarte ein Treffen. Mit reichlich Adrenalin im Blut fuhr er in den Selfkant, Richtung Tüddern, wo der Niederländer ein Bauernhaus gekauft hat.

Dort haben die Plaketten offenbar die vergangenen Jahre versteckt in einer Scheune gelegen. Smeets fand sie beim Aufräumen unter einem Holzstapel in einen schwarzen Lappen eingewickelt: Zehn silberfarbene Bleche mit Namen früherer Bruderkönige der 1621 gegründeten Niederzier Schützengesellschaft. Das älteste datiert aus dem Jahr 1708 und erinnert an den König „Henrikuvs Scumacher avs Niederzier”, das jüngste stammt aus dem Jahr 1891 und trägt den Namen Josef Bendel.

An der Authentizität der Schilder, die zuvor bereits dem Rheinischen Schützenmuseum in Neuss angeboten worden waren, hatte Schmitz auf Anhieb keinen Zweifel, und kaufte die Silberlinge auch mit Unterstützung von Bürgermeister Hermann Heuser an, der sich mit dem Alt-Brudermeister freut, dass „ein Stück Niederzierer Geschichte zurückgekehrt ist”.

„Wenn ich überlege, wer unserer Vorfahren diese Schilder mit der Königskette einst voller Stolz getragen hat, läuft es mir kalt die Schulter herunter”, erklärte Willi Schmitz bei der Übergabe des historischen Kulturgutes an den amtierenden Vorstand der Gesellschaft. Eines der Schilder belegt zum Beispiel, dass anno 1771 ein „Gungesell” die Bruderkönigskette trug. Sein Name: Rutgerus Koch.

„Wir planen jetzt eine kleine Ausstellung im Vorfeld des kommenden Schützenfestes”, kündigte der amtierende Brudermeister Mario Herzogenrath an, in der Hoffnung, dass die wiedergefundenen Plaketten vielleicht dazu beitragen, dass die eine oder andere Familie noch alte Dokumente aus der Geschichte der Bruderschaft beisteuert und auf diese Art dazu beiträgt, dass die Geschichte der Gesellschaft weiter erforscht werden kann. „Die wenigsten Schützenbruderschaften dürften noch eine Königsplakette aus dem Jahr 1708 besitzen”, freut sich Willi Schmitz über den gelungenen Coup, der ihn zuversichtlich stimmt, dass vielleicht noch weitere Plaketten aus der guten alten Zeit auftauchen werden.

Als kleines Dankeschön wollen die Niederzierer Schützen den Niederländer jetzt zu einem ihrer nächsten Feste einladen.
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