Düren - „Ein Schuss in den Ofen, der der ganzen Region schadet“

„Ein Schuss in den Ofen, der der ganzen Region schadet“

Von: Jörg Abels
Letzte Aktualisierung:

Düren. Das Langerweher „Nein“ zu einem interkommunalen Gewerbegebiet zwischen Autobahn 4 und Bundesstraße 264 hat die Verantwortlichen der Stadt Düren getroffen. Mehr noch aber sind sie irritiert von den Gründen, die aus der Töpfergemeinde angeführt wurden.

Bürgermeister Paul Larue (CDU) spricht von einer ungerechten Argumentation auf Kosten der Stadt, denn die Erträge aus dem Gewerbegebiet, das größtenteils auf Langerweher Terrain liegt und von der Dürener Wirtschaftsförderung WIN.DN vermarktet werden sollte, wären im Verhältnis 60:40 zugunsten des kleinen Partners verteilt worden, nicht umgekehrt wie sein Langerweher Kollege Heinrich Göbbels (CDU) für die Grundsteuer B behauptet hatte.

Überhaupt hätten die Langerweher, denen der Kooperationsvertrag seit Dezember vorlag, in sechs Monaten keine grundlegenden Bedenken geäußert; ein Vertrag im Übrigen, der auf der Zusammenarbeit der Stadt mit Kreuzau (Automeile) basiere. Erst vor zwei Wochen seien offene, aber lösbare Probleme ans Tageslicht gekommen, erklärt der Dürener Wirtschaftsförderer Heinz Mannheims.

Zwei Jahre lang habe man das Projekt gemeinsam vorangetrieben, zuletzt im Mai mit einer Fahrt zur Bezirksregierung Köln und wenig später mit einem Schreiben an Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, um mit Blick auf den Strukturwandel mehr als die von Köln bis dato zugestandenen 55 des 110 Hektar großen Plangebietes genehmigt zu bekommen.

Auch das Problem der Langerweher Windkraftkonzentrationszone im Bereich des Planungsgebietes hätte problemlos auf Dürener Gebiet gelöst werden können, sind die Dürener überzeugt, nur eben nicht von heute auf morgen.

Mannheims spricht von einem Vertrauensverlust auf allen Ebenen, bei den Genehmigungsbehörden auch bei den ansiedlungswilligen Unternehmen, mit denen natürlich längst zahlreiche Gespräche geführt worden seien. Dass die Stadt nun andere Optionen prüfen und in Konkurrenz zu Langerwehe treten werde, sieht Mannheims sportlich: „Der Bessere gewinnt.“

Viele offene Fragen

Henner Schmidt, Aufsichtsratschef der WIN.DN und SPD-Fraktionschef, kommentiert den Langerweher Rückzieher als „Schuss in den Ofen, der der ganzen Region schaden wird“. Bis zu 4200 neue Arbeitsplätze hätten entstehen können. „Es ist fraglich, ob Langerwehe das alleine wird stemmen können.“

Für Larue, Schmidt und Thomas Floßdorf (Vorsitzender des Stadtentwicklungsausschusses, CDU) steht fest, dass die Gemeinde allein nie und nimmer den Nachweis für den Bedarf eines so großen Gewerbegebietes wird erbringen können. Dies sei nur mit der Stadt Düren möglich, weil Faktoren wie die Einwohnerzahl und die Arbeitslosigkeit maßgeblich seien.

Und vor allem fragen sich die Dürener, woher Langerwehe – selbst mit neuen Partnern aus dem Bereich der Indelandkommunen – die für die Ausweisung eines neuen Gewerbegebietes zwingend benötigten Ausgleichsflächen nehmen will. Düren hätte mehr als 45 Hektar einbringen können, betonen die Verantwortlichen, Langerwehe selbst habe nur derer acht.

Spekulieren, was wirklich hinter der Langerweher Absage steckt, wollen weder Larue noch Schmidt oder Floßdorf. Ihre Enttäuschung über die verpasste Chance einer weiteren interkommunalen Zusammenarbeit aber können sie nicht verbergen.

„Wir haben einen Plan B“, versichert Schmidt, ohne auf Einzelheiten eingehen zu wollen. Auch Larue und Mannheims hüllen sich weitgehend in Schweigen, betonen aber, dass die Stadt weiterhin Alternativen habe. Im Raum steht zum Beispiel eine Ausdehnung des gerade erst beschlossenen Gewerbegebiets an der Kölner Landstraße/Ostumgehung Düren. Aber auch der interkommunale Ansatz, bei dem die Stadt bislang mit Niederzier und Kreuzau beste Erfahrungen gemacht habe, soll weiterverfolgt werden, auch mit neuen Partnern.

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