Ein Sandteppich mit Fotos als Kunstprojekt

Von: Jana Peterhoff
Letzte Aktualisierung:
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Auf Holzpaletten liegen die Sand-Porträts im Berufskolleg Kaufmännische Schule in Düren aus. Die Aufnahme machte eine professionelle Agentur-Fotografin. Foto: Peterhoff
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Fotos auf Sand: Die Kaufmännischen Schulen bestreiten ein nachdenklich machendes Kunstprojekt, das dennoch einen hohen Spaßfaktor hatte. Foto: Peterhoff

Düren. Kiloweise gepresstes, weißes Tonmehl in mehr als 100 Pizzakartons, ein Meer von Holzpaletten, einige Dutzend Gläser mit Farbpigmenten, Kisten mit Pinseln, Sieben, Scheren, Schäufelchen und jede Menge Papier.

 Das Schild „Vorsicht, Kunstprojekt“ verrät, dass hier etwas los ist. Dass sogar jede Menge los ist, ist auch ohne Schild zu sehen. Auch einzelne „Täter“ werden langsam gesichtet, nachdem sich die ersten Staubwolken und der ursprüngliche Farbrausch an den Tischen, an den Klamotten und am Boden absetzen.

Der Tatort: das Berufskolleg Kaufmännische Schulen des Kreises Düren an der Euskirchener Straße in Düren. Die Täter: Die Schülerinnen und Schüler der internationalen Klassen und der Kunstklassen der 11., 12. und 13. Klasse des Wirtschaftsgymnasiums. Mitten drin der Künstler Ira Marom, der vormacht, erklärt, die Gruppe zum Staunen und Lachen bringt und Sätze wie den folgenden sagt: „Das sind die Farben aus der Fabrik. Wir wollen nicht diese Fabrikpigmente, wir wollen eure eigenen Farben sehen.“ Und noch etwas sagt der Künstler: „Diese Fläche ist deine Welt. Gestalte sie!“

Andere Reihenfolge

Die zu gestaltende Fläche ist eine viereckige Träger-Platte, auf der gepresster Sand liegt. Anschließend wird der Sand mit Farbpigmenten gestaltet. Wenn der Hintergrund fertig ist, kommen die Fotografien darauf. Einige Schüler wagten eine andere Reihenfolge. Zunächst das Foto, später der Hintergrund.

Die Idee hinter dem Sandfotos-Verfahren von Ira Marom faszinierte sofort den Kunstlehrer am Berufskolleg Kaufmännische Schulen, Manfred Petersheim. Die in Sand gedruckten, digitalen Porträts der menschlichen Zerbrechlichkeit und Vergänglichkeit wollte er unbedingt an seine Schule holen. Durch das Zusammenfügen der Fotos zu einem großen Patchwork-Teppich aus verschiedenen Gesichtern wird die Verbundenheit und die Zusammengehörigkeit sichtbar. Sandkörnchen statt Pixel. „Beweg dich in einen Farbrausch!“ „Welche Musik hörst du gerne? Mal sie!“, muntert der begeisterte Projektleiter Petersheim einige Unentschlossene auf. Neugierige Schüler und Lehrer schauen vorbei und lassen sich immer wieder erklären, welche magischen Tricks dahinter stecken.

Ein Monat vor dem Projekt standen die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler vor der Kamera der dpa-Fotografin Christina Sabrowsky. Ira Marom druckt die damals entstandenen Porträts an einem speziellen Oxiddrucker mit metallischen Pigmenten aus. Die negativ geladenen Fotos geben ihre Farbpigmente an den positiv geladenen Mineralstoff, den Sand, ab. Wenn man auf die Rückseite des auf dem Sand liegenden Fotos leicht streicht oder rubbelt, landen die Pigmente auf der Sandoberfläche. Reine Wissenschaft, kein Hokuspokus.

Die menschlichen Grundgefühle Freude, Trauer, Wut und Angst sind frei von Ideologie, Religions- und Rassenzugehörigkeit, meinen Petersheim und Marom. Sie sind das, was uns miteinander verbindet.

Hunderte Gesichter, lachende und traurige, ängstliche und fröhliche bilden einen bunten Teppich. Einen Sandteppich. Die Installation ist jetzt Teil des Schulgeschehens. Die Schülerinnen und Schüler des Berufskollegs Kaufmännische Schulen haben sich an die auf Paletten liegende Ausstellung gewöhnt. Auch die Botschaft des Gleichseins und des Gleichfühlens dürfte angekommen. Laut Ausstellungsmachern geht es darum: „Egal ob Christ oder Moslem, wir fühlen alle gleich. Denn wenn etwas weh tut, sind wir traurig. Wenn etwas gut tut, freuen wir uns.“ Einheimische und Flüchtlinge staunen gemeinsam vor ihren eigenen Porträts, die nebeneinander auf dem Teppich des Lebens liegen. Das Projekt wird durch das Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes NRW im Rahmen des Landesprogramms „Kulturrucksack“ gefördert.

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