Heimbach/Obermaubach - Ein praller Riesling und mickrige Trauben

Ein praller Riesling und mickrige Trauben

Von: Sarah Maria Berners und Carsten Rose
Letzte Aktualisierung:
17373951.jpg
In Heimbach wächst der Riesling (großes Bild) so gut wie nie zuvor. In Obermaubach haben Hitze und Trockenheit an manchen Stöcken dafür gesorgt, dass die Trauben verkümmern oder erst gar nicht wachsen.
17373964.jpg
In Heimbach wächst der Riesling (großes Bild) so gut wie nie zuvor. In Obermaubach haben Hitze und Trockenheit an manchen Stöcken dafür gesorgt, dass die Trauben verkümmern oder erst gar nicht wachsen.

Heimbach/Obermaubach. An der Mosel hat die Lese der Trauben für Federweißen wegen der langen Hitzephase schon begonnen – zwei bis drei Wochen früher als üblich. Währen Landwirte mit Trockenheit zu kämpfen haben, gedeiht der Wein gut. Auch dem Heimbacher Weinberg hat die Sonne bislang gutgetan.

Der Riesling hat dicke, schöne Weintrauben. „Er ist eine Pracht. Der Riesling wird in der Eifel immer nur schwer reif, weil am Ende die Sonne fehlt“, erklärt Marita Jaeger, die Vorsitzende der IG Weinanbau in Heimbach. Sie hofft, dass die Traubensorte in diesem Jahr Süße annimmt und für den Cuvée, also das gemeinsame Keltern aller Weinsorten aus Heimbach, gut brauchbar ist.

Noch keine Schäden

Normalerweise dauert es noch sechs Wochen bis zur Lese, aber es könnte gut sein, dass die Trauben nach dem sonnig-heißen Sommer früher zu dem Moselbauern gebracht werden, der den Wein für die Heimbacher „ausbaut“, wie es unter Fachleuten heißt. Ob es ein gutes Weinjahr wird oder nicht, lasse sich erst am Tag der Lese sagen. Bis dahin gibt es wetterbedingt zu viele Unwägbarkeiten. „Bisher war unser Wein immer etwas besonders, aber lecker“, sagt Jaeger.

Ein bisschen Regen über mehrere Tage verteilt und weiter viel Sonnenschein – das wünschen sich die Weinfreunde. Trockenheitsschäden haben die Heimbacher aber noch nicht festgestellt. Bewässert wird der kleine Hang, auf dem zwölf Sorten gedeihen, nicht. „Die Rebstöcke wurzeln offenbar tief“, erklärt Jaeger, die das Projekt Weinanbau in Heimbach 1995 initiiert hat. Bis ins 19. Jahrhundert gab es dort bereits Weinanbau.

Weil die lokalen Winzer zwar viele Sorten anbauen, es aber bei keiner für eine separate Abfüllung reicht, werden die Trauben verschnitten. „Bei der Lese reizen wir die zuerst reifende Sorte voll aus. Wenn der Dornfelder schon sehr reif ist, ist die letzte Sorte gerade reif genug“, erklärt die Weinkennerin Marita Jaeger. Mit 250 bis 300 Litern rechnet sie in diesem Jahr. Gedacht sind sie aber ausschließlich für den Bedarf der IG.

Rund 20 Kilometer nördlich in Obermaubach hängen in einem Weinberg an den unteren Stöcken schöne pralle Trauben, an den oberen mickrige – oder gar keine. „Selbst Regen kann die Situation für die schlechten Reben nicht umkehren. Die Pflanzen haben Stress und keine kühlen Tage zum „Ausruhen“. Da können wir nichts machen“, sagt Hobby-Winzer Hartmut Schlepütz von der Arbeitsgemeinschaft Obermaubach; wie in Heimbach werden die Weinstöcke nicht bewässert.

Mehr als die Hälfte der Lese verloren

„Andere Trauben haben dagegen seit sieben bis neun Wochen den Zustand, den sie normal jetzt erst erreicht hätten.“ Das ist nicht per se eine gute Nachricht, denn Schlepütz und sein Winzer-Partner Ludwig Schnitzler befürchten, dass alle Früchte noch vertrocknen könnten. Ihre 140 Stöcke liefern im Schnitt sonst 260 Liter Wein. „Wir haben sicher schon mehr als die Hälfte der üblichen Lese verloren“, sagt Ludwig Schnitzler – und die Wespen kommen auch noch Mitte des Monats. Vergangenes Jahr habe die AG ihre komplette Lese verloren und deswegen Netze als Schutz vor den Insekten angeschafft. „Die Wespen werden dieses Jahr anscheinend in Massen kommen“, befürchtet Schnitzler.

Die Weinlese beginnt in der Regel Ende September oder Anfang Oktober – dieses Jahr, wenn überhaupt, dann spätestens Mitte September. Einen Vergleich zum Jahrhundertsommer 2003, in dem ähnliche Temperaturen wie in diesem gemessen worden sind, können die Hobby-Winzer nicht ziehen, da sie den Weinberg die ersten 15 Jahre seit 1991 nicht so intensiv wie heute bewirtschaftet haben.

Das Weinfest in Obermaubach ist am Samstag, 8. September. In Heimbach kosten die Weinfreunde ihre Lese im Mai kommenden Jahres beim Rebschnitt.

 

Die Homepage wurde aktualisiert