Ein Oberstaatsanwalt geht in den Ruhestand

Von: Franz Sistemich
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Robert Deller, der Pressesprecher der Aachener Staatsanwaltschaft, geht in den Ruhestand. Foto: Franz Sistemich

Düren. Robert Deller aus Frauwüllesheim hat Wirtschaftskriminelle vor den Richter gebracht. Er hat Kapitalverbrecher angeklagt. Seit 1979 setzte er sich als Staatsanwalt für Recht und Ordnung ein. Ende des Monats hängt Deller die Robe an den Nagel. Der Oberstaatsanwalt geht nach 34 Jahren in den Ruhestand. „Ich sehe meinem nächsten Lebensabschnitt ganz entspannt entgegen“, sagt der Frauwüllesheimer und lächelt.

Eher ernst haben ihn die Menschen kennengelernt, die Robert Deller in den vergangenen Jahren im Fernsehen gesehen haben. Denn der 65-Jährige war das öffentliche Gesicht der Aachener Staatsanwaltschaft. Er trat seit Ende der 90er Jahre vor die Kameras, wenn Mord, Totschlag und andere aufsehenerregende Verbrechen in der Region die Menschen schockierten.

Der Berufswunsch

Gedrängt auf diesen Presse-Posten hat es ihn nicht, aber schon früh war dem Jura-Studenten Deller bewusst, dass er nicht Rechtsanwalt oder Richter, sondern Staatsanwalt werden wollte. Ein Jahr nach seinem Dienstantritt wechselte Deller in die Abteilung, die sich um Wirtschaftskriminalität kümmerte, später gehörten fast fünf Jahre Kapitalverbrechen zu seinem Alltag, ehe er Abteilungsleiter für Wirtschaftsstrafverfahren wurde und auch das Amt des Pressesprechers übernahm.

Das Dürener Land war in all diesen Jahren natürlich keine Insel der Glückseligkeit. „Die Kriminalität lag aber auch nicht über oder unter dem Durchschnitt vergleichbaren Regionen.“ Nur einmal schlug die Kurve nach oben aus: In puncto Drogenkriminalität war Düren einige Zeit „Spitze“. Aber allein der Durchschnitt an Verbrechen reicht aus, um Deller so manchen Fall, der sich in oder um die Kreisstadt abspielte, in Erinnerung zu rufen.

Stichwort Wirtschaftskriminalität: Robert Deller schmunzelt. „Einige besser betuchte Bürger Dürens hatten mit Hilfe von Banken Gelder ins Ausland transferiert“, erinnert sich Deller. Die Staatsanwaltschaft kam ihnen auf die Spur, ermittelte akribisch und brachte die Steuersünder vors Gericht. Steuerstrafverfahren und Verurteilungen waren die Folge.

In den 90er Jahren ermittelten Deller und seine Kollegen gegen Beamte der Dürener Stadtverwaltung. Korruption stand im Raum. Bestimmte Unternehmen waren bei Aufträgen bevorzugt worden. Und die, die die Aufträge erteilt hatten, sollten mit Vorteilen bedacht worden sein. Ungewöhnlich viele Polizeibeamte und Sachverständige waren während der zwei Jahre im Einsatz. Deller gehörte zu den ersten Staatsanwälten, die sich mit dem Thema Korruption beschäftigen mussten: „Damals spielten derartige Delikte in der Bundesrepublik kaum eine Rolle.“

In Erinnerung geblieben sind Robert Deller aber auch blutige Kapitalverbrechen, die in sein Aufgabengebiet fielen. In Düren stach ein junger Mann einem anderen ein Messer in den Oberkörper. Das Opfer verblutete innerhalb von zwei Minuten. Ein Neffe schlug seine Tante tot. Ein Feuerwehrmann steckte in Jülich ein Haus in Brand. Mehrere Mitglieder einer ausländischen Familie starben. „Ich erinnere mich an das riesige Medieninteresse, gab in Düren eine Pressekonferenz.“ Später stellte sich dann auch noch heraus, dass der Feuermann beim Löschen noch geholfen hatte.

Deller erinnert sich aber auch an einen Fall, der bei aller Tragik ohne Todesfall ausging: In Nörvenich verschwand an einem Frühjahrstag ein Mädchen. Viele Menschen halfen bei den Suchaktionen. Das Mädchen, von einem Pädophilen missbraucht, wurde am nächsten Tag lebend gefunden. Die kalte Frühjahrsnacht hatte es überlebt, weil es fieberte.

Auch diese Tat gehört zu den Verbrechen, die keinen Staatsanwalt kalt lassen. Auch einen erfahrenen Juristen nicht: „Aber man baut Schutzmechanismen auf, die einem helfen, derartige Erfahrungen nicht mit in das Privatleben zu nehmen und sich und seine Angehörigen zu belasten.“

Robert Deller beendet keinen Tag früher, aber auch keinen Tag später als möglich sein Arbeitsleben. Der Beruf hat ihm in all‘ den Jahrzehnten – salopp formuliert – Spaß gemacht: „Ich würde den Beruf Staatsanwalt auch heute wieder ergreifen.“ Aber jetzt ruft der Ruhestand. In ihm will sich Deller seinem Hobby Fotografie wieder mehr widmen. Langeweile wird jedenfalls nicht aufkommen. Schließlich ist Deller seit vielen Jahr in verschiedenen Gremien der Gerichtsbarkeit des Fußballs aktiv.

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