Ein neues Schaufelrad für Bagger 290

Von: Jörg Abels
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MIt zunächst zwei, später drei großen Autokränen wurde das 130 Tonenn schwere Schaufelrad aus seiner Halterung gehoben, um es am Boden in Einzelstücke zerlegen zu können. Foto: Jörg Abels

Niederzier. „Ein perfekter Tag.” Projektleiter Dr. Christopher Lüßgen strahlt bereits, während sein Kollege, Fahrsteiger Karl Widding, noch die letzten Kommandos per Funk an die Fahrer der drei riesiegen Autokräne gibt, die Bagger 290 in Millimeterarbeit von seinem in die Jahre gekommenen Gebiss befreit haben. Kaum liegt das 130 Tonnen schwere Schaufelrad vor dem Koloss auf Holzbohlen, weicht die Anspannung aus dem Gesicht des Projektleiters.

Der erste Teil der Operation des stählernen Riesen ist abgeschlossen. Jetzt kann das ausgediente Rad zerlegt werden. „Teile sind für das künftige Ausstellungszentrum Terra Nova im Erftkreis bestimmt”, erklärt Lüßgens.

Zum zweiten Mal nach 2009 steht bei einem Koloss der 240.000-Kubikmeter-Klasse im Tagebau Hambach in diesen Wochen ein Schaufelradwechsel an. In 33 Jahren hat der stählerne Gigant Millionen Kubikmeter Abraum bewegt, damit seine Kollegen tief unten im Tagebau Braunkohle fördern können. Jetzt ist der Stahl müde geworden. Die 18 Schaufeln, die sich mit 100 Tonnen Zugkraft in die Erde bohren, haben sich im schweren Kies aufgerieben.

Rost hat die Konstruktion an vielen Stellen angegriffen. „Ein sicherer Betrieb wäre auf Dauer nicht mehr gewährleistet gewesen”, erklärt Christopher Lüßgen. Deshalb hat sich Tagebaubetreiber RWE Power entschlossen, auch bei Bagger 290 das Schaufelrad zu wechseln, schließlich soll sich der Gigant noch mindestens drei Jahrzehnte durch das Erdreich im Tagebau Hambach fressen.

Weitere Komponenten

Billig ist die dreimonatige Operation nicht. Rund elf Millionen Euro kostet die Grundinstandsetzung, bei der wie schon bei Bagger 287 vor drei Jahren auch weitere Komponenten ausgetauscht werden; diesmal beispielsweise die Stahlseile, die Ausleger und Schaufelrad in Bewegung halten, das Schaufelradgetriebe und verschiedene Zahnkränze. Neue Elektronik wird eingebaut und der Schallschutz für den Einsatz des Giganten auf den oberen Tagebausohlen wird optimiert. „Eine spürbare Entlastung für die Anwohner im Umfeld”, versichert Christopher Lüßgen.

60 bis 70 Mitarbeiter sind rund um die Uhr am Montageplatz im Tagebau Hambach auf Höhe von Morschenich im Einsatz, damit Bagger 290 wie geplant Mitte August wieder seine Arbeit aufnehmen kann.

Als nächster Höhepunkt steht jetzt der Einbau des neuen Schaufelrades an, das seit Januar direkt neben dem Bagger zusammengebaut wird. Wie schon bei früheren Schaufelradwechseln wurden die einzelnen Komponenten im Technikzentrum von RWE Power in Frechen-Grefrath gefertigt, ehe sie nach einer letzten Laservermessung per Schwertransport zur Endmontage in den Tagebau Hambach gebracht wurden.

Keine Komplikation

Vorausgesetzt das Wetter spielt wie am Freitag beim Ausbau des alten Schaufelrades mit und in den kommenden Tagen treten keine unerwarteten Komplikationen mehr auf, soll das neue Gebiss am Mittwoch, 30. Mai, montiert werden.

Der Wechsel des Schaufelrades ist bereits der vierte bei Baggern in den rheinischen Tagebauen. Von Routine aber will Projektleiter Lüßgen nichts wissen. Auch wenn Teile der technischen Unterlagen übernommen werden konnte, liegen mehr als zweieinhalb Jahre Vorbereitung hinter ihm und seinem Planungsteam. „Dass wir schon einmal erfolgreich waren, ist natürlich von großem Vorteil”, berichtet der Projektleiter. „Die ganze Mannschaft ist wesentlich gelassener als bei der Premiere vor drei Jahren.”

Trotzdem: Ein Rest Anspannung bleibt. Das war schon am vergangenen Freitag zu spüren und wird auch beim Einbau des neuen Schaufelrades nicht anders sein.
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