Ein neuer Busbahnhof für Düren und das Tüpfelchen auf dem i

Von: Burkhard Giesen
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Die bestehende Busspur gegenüber dem alten ZOB ... Foto: B. Giesen
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... soll ausgebaut und von den Stadtlinien angefahren werden. Foto: B. Giesen
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Der Bahnhofsvorplatz soll komplett neugestaltet und einen barrierefreien Mittelsteig erhalten. Foto: B. Giesen

Düren. Knapp 5,5 Millionen Euro will die Stadt Düren im Rahmen des Masterplans in die Hand nehmen, um den Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) komplett neuzugestalten. Genau betrachtet ist es sogar ein Schritt zurück in die Vergangenheit, denn der ZOB soll da angesiedelt werden, wo er sich früher schon befand: auf dem Bahnhofsvorplatz.

„Der Bahnhofsvorplatz ist in seiner Funktion entwertet und hat letztlich auch zu dem nicht positiven Bild der Josef-Schregel-Straße geführt“, erklärt Stadtplaner Dr. Harald Heinz. Mit der Rückverlegung verspreche man sich deshalb auch „eine Aufwertung des gesamten Bahnhofbereiches“. Komplett neugestaltet soll der Bahnhofsvorplatz künftig eine überdachte Mittelinsel erhalten, von der aus die Busse barrierefrei erreichbar sein werden.

Die Parkplätze werden entfallen und durch sogenannte Kiss & Ride-Parkplätze ersetzt – also Kurzzeitparkplätze für ÖPNV-Kunden, die mit dem Auto zum ZOB oder Bahnhof gebracht werden. Parallel dazu soll gegenüber dem bisherigen ZOB auf der Josef-Schregelstraße ein Bussteig für die Stadtlinien entstehen. Beide Bussteige sollen durch einen Fußweg miteinander verbunden werde. Die entsprechende Planung sieht einen Beipass durch den Damm vor. So könnte, glaubt Stadtpalner Heinz, der Bahnhofsvorplatz etwas geöffnet werden.

„Natürlich ist das ein schwieriger Ort. Man kann den Platz schöner machen, das hilft aber nur begrenzt. Man muss ihn beleben“, erklärt Heinz zur Planung. In die Kategorie „schöner machen“ zählen Ideen wie die Beleuchtung der Brücken, ein Lichtkonzept für den gesamten Vorplatz und die Überlegung, vielleicht mit Projektion die Mauern links und rechts der Auffahrt aufzuwerten.

Der alte ZOB selbst stünde dann wie geplant für eine Bebauung zur Verfügung. Ein Investor plant hier den Bau eines größeren Lebensmittelmarktes. Im Anschluss soll ein Parkdeck entstehen, das über die Eisenbahnstraße angesteuert werden kann. 2018 soll die Planung umgesetzt werden, mit der Fertigstellung ist nicht vor 2019 zu rechnen. Von den geschätzten Kosten von 5,5 Millionen Euro müsste die Stadt selbst rund 860 000 Euro tragen.

Berücksichtigt ist bei der Neuplanung des ZOB auch schon der inzwischen abgestimmte Trassenverlauf für die Nordumgehung B 399n, die von der Fritz-Erler-Straße über die neu geführte Eisenbahnstraße vierspurig zur B 56 hochführen soll. Hier soll entlang der Wohnbebauung ein neuer Grünzug entstehen. Der Plan, für eine zusätzliche Wohnbebauung entlang der Trasse zu sorgen, wurde fallen gelassen, weil die neue Trasse nicht weit genug an die Schienen heranreicht.

Dürens Baudezernent Paul Zündorf geht allerdings davon aus, dass es sich bei der Nordumgehung um ein langfristiges Ziel handelt. Zwar ist die Trasse nach vielen Jahren der Verhandlungen mit der Bahn endlich abgestimmt, aber: „Es wird mindestens noch fünf Jahre bis zum Baubeginn dauern. Zuvor müssen noch Immissionsschutz-, Artenschutz- und Bodengutachten erstellt werden.“ Der gleiche Investor, der in den Neubau am alten ZOB investieren will, steht auch bereit, um die Flächen im südlichen Bereich an der Lagerstraße einer neuen Nutzung zuzuführen. Paul Zündorf: „Wir wollen hier eine gemischte Wohn- und Geschäftsbebauung mit kleinteiligem Handel und Gewerbe und ein Gründerzentrum realisieren.“

„Fünf Jahre zu spät“

Das „Tüpfelchen auf dem i“ könnte aus Sicht von Zündorf noch eine Überlegung sein, die Landrat Wolfgang Spelthahn vor vielen Jahren schon mal angestoßen hatte, die aber nie realisiert werden konnte. Wer rund um den Bahnhof mittels Masterplan eine Umfeldverbesserung plant, kann nur schwerlich das Bahnhofsgebäude selbst ausklammern. „Bis vor einem dreiviertel Jahr hat die Deutsche Bahn eine Veräußerung des Bahnhofgebäudes kategorisch abgelehnt. Im Herbst 2016 wurde uns das Gebäude dann plötzlich angeboten. Das kommt aber eigentlich fünf Jahre zu spät“, sagt Zündorf.

Trotzdem verhandelt die Stadt mit der Bahnflächenentwicklungsgesellschaft. Zündorf: „Wir können nicht sagen, wie die Bausubstanz des Gebäudes ist, wir kennen noch keine Preisvorstellung und wir wissen nicht, wie groß der Sanierungsaufwand ist.“ All das will die Stadt nun in Gesprächen herausfinden, „um zu klären, ob ein Erwerb für die Stadt oder einen Investor Sinn machen könnte“, betont Zündorf.

„Natürlich wäre das eine sehr gute Ergänzung der jetzt im Umfeld geplanten Maßnahmen“, sagt Zündorf weiter, zumal das Gebäude „einen besonderen Charme“ habe. Zündorf kann sich vorstellen, dass die Verkaufsflächen im Bahnhof weiter bedarfsgerecht ausgebaut werden und das Obergeschoss zu Büroflächen umgebaut würde.

„Co-working-space“ nennt er da als ein Stichwort. Das in Zeiten, in denen viele Menschen zur Arbeit pendeln, der Arbeitsplatz direkt im Bahnhof interessant sein kann, davon ist Zündorf fest überzeugt. Dieses Projekt ist allerdings noch fernere Zukunftsmusik.

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