Ein Mast für Licht, Internet und Energie

Von: kin
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Timo Czech multifunktionale Straßenlampe
Beleuchtung, WLAN, Aufladestation für E-Autos: Diese Laterne in Nörvenich ist einzigartig. Bürgermeister Dr. Timo Czech hatte die Idee. Foto: kin

Nörvenich. Einige Bürger Nörvenichs haben sich die Augen gerieben: Installiert die Gemeinde auf dem Marktplatz eine Radarkontrolle? „Solche Anfragen haben wir bekommen“, sagt Bürgermeister Dr. Timo Czech (CDU) schmunzelnd. Und beruhigt sogleich: „Wir haben natürlich keine Radarkontrolle installiert, sondern eine moderne, multifunktionale Straßenlaterne.“

Die Lampe kann wirklich viel: Sie beleuchtet den Markplatz, hat zudem einen Schnellladepunkt für Elektrofahrzeuge und lässt die Bürger über WLAN ins Internet. „Diese Straßenlaterne ist meine Idee“, sagt Czech nicht ohne Stolz. „Und bisher gibt es so eine Laterne auch nur in Nörvenich.“

Der Bürgermeister hat sich mit seiner Idee an die RWE-Tochter Innogy gewandt, das Ergebnis von einem Jahr Entwicklungszeit kann sich sehen lassen. Der Mast der Laterne ist im Baukastensystem konzipiert, so dass die verschiedenen Komponenten individuell miteinander kombiniert werden können. Dr. Silke Berger von Innogy erklärt: „Wir haben ein neues, intelligentes Produkt entwickelt, mit dem wir unsere Partner-Kommunen bei der Gestaltung ihrer Energie-Zukunft unterstützen.“

Wie funktioniert die neue Laterne? Im unteren Teil des Mastes befindet sich eine Schnellaufladestation für Elektroautos mit einer Leistung von 22 Kilowatt. Czech: „Die Akkus von herkömmlichen Elektroautos können in rund 30 Minuten zu 80 Prozent aufgeladen sein.“ Siegbert Kobus und Wilfried Heinen von Innogy ergänzen, dass es eine Herausforderung war, die Technik entsprechend zu verkleinern.

Ganz oben in der Leuchte befindet sich ein Router, der für die Internetverbindung sorgt. Czech: „Hier arbeiten wir mit der Dürener Freifunk-Initiative zusammen. Die Gemeinde zahlt lediglich die monatlichen Kosten für einen DSL-Anschluss. Der Internetzugang ist dank Freifunk kostenlos.“ Smartphones wählen sich automatisch in das WLAN-Netz ein. Czech: „Es gibt eine App, über die wir sehen können, wie viele Geräte über unser Netz angemeldet sind. In der ersten Stunde nach Inbetriebnahme waren es alleine 37. Ich glaube, dass das für viele Leute ein wirklich gutes Angebot ist.“ Czech sagt darüber hinaus, dass die neue Laterne auch ein „echtes Element von Wirtschaftsförderung“ sei. „Leute, die ihr Elektroauto aufladen lassen, gehen währenddessen in ein Café und checken dabei ihre Mails.“

Die Laterne erntet aber auch Kritik: Manchen ist das Licht der LED-Leuchte mit 49 Watt Leistung zu hell, andere halten eine zweite Aufladestation für E-Autos (eine gibt es am Rathaus) für überflüssig, „Dass die Laterne besonders hell ist“, sagt Czech, „haben wir gewollt. Viel Licht bedeutet in der Regel weniger Kriminalität.“ Wie viele E-Autos es in der Gemeinde gibt, kann der Bürgermeister nicht genau sagen. „Im Kreis Düren gibt es 113 E-Fahrzeuge und 400 mit Hybridantrieb.“ Er sei der Meinung, dass es auch Aufgabe von Kommunen sei, die Eintrittsschwelle in die E-Mobilität zu senken. „Wir wollen mehr Elektrofahrzeuge auf den Straßen. Viele schrecken aber vor dem Kauf zurück, weil es immer noch kein dichtes Netz an Aufladestationen gibt. Das muss sich ändern. Und wir haben das geändert.“

Die Laterne kostet 14.000 Euro, und weitere sollen auch in anderen Kommunen zum Einsatz kommen – herkömmliche Straßenlaternen kosten dagegen nur 2000 Euro. Da die Straßenbeleuchtung in Nörvenich Innogy regelt und Czech die Idee zu der Laterne hatte, musste die Gemeinde nur die Zusatzkosten für die WLAN-Funktion zahlen.

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