Düren - Ein logistischer Kraftakt in nur vier Tagen

Ein logistischer Kraftakt in nur vier Tagen

Von: Jörg Abels
Letzte Aktualisierung:
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Als erstes wurden gestern die beiden Loopings errichtet. Bis heute Mittag will Schausteller Thomas Meyer mit dem Aufbau der 630 Meter langen Achterbahn fertig sein. Foto: Abels

Düren. Mit dem tonnenschweren Gewicht am Haken ist Millimeterarbeit angesagt. Ein wenig mehr rechts, etwas höher - Schausteller Thomas Meyer sitzt im Führerhaus des Autokrans und bringt das Schienenstück per Joystick in Position. Es klackt und das Gewicht ist eingerastet, kann mit Hochdruck verschraubt werden.

Gleis für Gleis nimmt die Achterbahn „Teststrecke”, die Neuheit der Annakirmes 2010, Gestalt an. Als erstes wird einer der beiden Loopings montiert.

Sonntagabend rasten die Fahrgäste mit bis zu 80 Stundenkilometern noch bis Mitternacht auf der größten Kirmes der Niederlande in Tilburg über die 630 Meter lange Doppel-Looping-Bahn. Dienstag bereits hat der Aufbau in Düren begonnen. „Normalerweise brauchen wir für Ab- und Aufbau sechs Tage”, erklärt Thomas Meyer. Diesmal soll, ja muss es in vier Tagen klappen.

Am Samstagmorgen, pünktlich um 11 Uhr, muss der erste Zug zur Eröffnung der Annakirmes rollen. Ein Problem? „Nein”, versichert der 32-Jährige. Auch wenn das Achterbahnmetier für ihn und die Familie Steiger noch relatives Neuland ist, mit großen Fahrgeschäften kennen sich die alteingesessenen Schausteller aus. Neben der „Teststrecke” gehören das größte mobile Riesenrad der Welt und eine der größten reisenden Wildwasserbahnen zur Unternehmensgruppe, die angesichts der Größe ihrer Fahrgeschäfte auf eine ausgefeilte Transportlogistik setzt. Anders wäre das Umsetzen einer solchen Bahn in so kurzer Zeit auch weitaus komplizierter.

Nachdem Thomas Meyer und sein Cousin Theo Rosenzweig die Bahn 2008 in den USA gekauft hatten, wurde die ursprünglich für den stationären Betrieb in Freizeitparks konzipierte Anlage von den Schaustellern im heimischen Bad Oeynhausen/Westfalen komplett überholt und für die Reise optimiert. Wie schon bei Riesenrad und Wildwasserbahn setzen sie auf 40-Fuß-Container. Insgesamt 30 werden benötigt, um die 600 Tonnen schwere Bahn zu transportieren. Hunderte, ja tausende Einzelteile - eine logistische Meisterleistung, muss doch mit dem letzten abgebauten Segment der Aufbau beginnen.

Und das heißt: Erst einmal muss das Fundament der Stahlkonstruktion in die Waage gebracht werden. Immer wieder greift Betriebsleiter Andr Welte zum lasergesteuerten Messgerät, während die Mitarbeiter je nach Bodenbeschaffenheit kleinere oder größere Holzklötze unter die Stahlträger legen. Dass sie erstmals auf der Dürener Annakirmes aufbauen und das Gelände bislang nicht kannten, ist kein Problem. „In Tilburg standen wir mitten in der Innenstadt, da war der Aufbau viel schwerer”, erzählt Thomas Meyer.

Während einzelne Container in der Bahn verbaut werden, stehen die übrigen rund um das 81 mal 35 Meter große Areal verteilt, auf dem sich die Bahn spätestens heute Mittag in ihrem vollen Ausmaß präsentieren soll. Mithilfe von zwei Autokränen werden die tonnenschweren Teile angehoben, in Position gebracht und montiert - nicht ohne Stellen, die wie die Unterseiten der Loopings später unerreichbar wären, auch noch schnell zu putzen.

Damit der ehrgeizige Zeitplan eingehalten werden kann, dürfen Meyer, Welte und ihr rund ein dutzend Mitarbeiter starkes Team freilich nicht auf die Uhr schauen. Und sie dürfen trotz Zeitdrucks die Sicherheit nicht vernachlässigen. Deshalb springt Thomas Meyer auch immer wieder vom Autokran, gibt Anweisungen und kontrolliert die Verknüpfungen des Schienenstrangs, der im Laufe des Mittwochnachmittags langsam Gestalt annahm.

Apropos Sicherheit: Beim Umbau der Bahn haben die neuen Besitzer deren Standards in enger Abstimmung mit dem für Großfahrgeschäfte zuständigen TÜV München und verschiedenen Prüfinstituten optimiert. So kann in den Zügen auf die üblichen Schulterrahmen zur Sicherung der Fahrgäste verzichtet werden. Die Züge sind mit einer innovativen Beckensicherung ausgestattet, die in Verbindung mit den Sitzen einen optimalen Schutz der Fahrgäste garantiert und zugleich das Fahrgefühl noch intensiver werden lässt, versprechen die Schausteller dem Dürener Kirmespublikum.
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