Hürtgenwald - Ein „Landschaftsmuseum“ kann Hürtgenwald verändern

Ein „Landschaftsmuseum“ kann Hürtgenwald verändern

Von: Carsten Rose
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Leiten die Diskussion über Hürtgenwalds Erinnerungskultur: Albert Moritz (Vogelsang IP, links) und Bürgermeister Axel Buch. Foto: cro

Hürtgenwald. Das Mahnmal der „Windhunde“ in Vossenack könnte für die Erinnerung an die Hürtgenwalder Kriegsvergangenheit ein Musterbeispiel sein. Sie könnte gar „beispielhaft für ganz Deutschland“ sein, findet Andrea Volk. Aber nur dann, wenn der Platz nicht nur der Erinnerung der ehemaligen 116. Panzerdivision der Wehrmacht dient, sondern das Kurzprojekt der Schüler des Franziskus-Gymnasiums einbindet.

Die hatten im Juni eigenständig eine Heiligenfigur samt verschiedener Infotafeln aufgestellt – um als Antwort auf den Klau der Bronzestatue im Mai einen Beitrag zur Erinnerungskultur zu leisten.

„So könnten wir zeigen, wie die verschiedenen Generationen mit der Geschichte umgehen“, argumentiert Volk, SPD-Mitglied und Teilnehmerin des Arbeitskreises, der im Dezember 2016 den Abschluss des „Moratoriums Hürtgenwald“ gebildet hat. Für anderthalb Jahre hatten sich insbesondere Historiker damit auseinandergesetzt, wie die Erinnerungslandschaft heute genutzt wird und wie sie vor allem in Zukunft im Sinne einer „demokratischen Erinnerungskultur“ genutzt werden könnte.

Andrea Volk äußerte ihren Vorschlag am Montagabend im Kleinhauer Rathaus. Dort fand eine zweistündige offene Veranstaltung mit etwa 50 Bürgern, Interessengruppen und Politikern statt. Geleitet haben sie Bürgermeister Axel Buch und Landrat Wolfgang Spelthahn (beide CDU) als Verantwortliche des Moratoriums sowie Albert Moritz als Vertreter des Lenkungskreises, der die Erinnerungslandschaft anderthalb Jahre lang analysiert hat.

Ein Fragen-Antwort-Stück soll den Abend zusammenfassen.

Warum die Veranstaltung?

Die Hürtgenwalder Bürger sollen die Erinnerungslandschaft mitgestalten, Impulse geben, was thematisiert werden soll. Als Leitfaden dienen die Ergebnisse des Lenkungskreises, die Albert Moritz ausdrücklich als „Empfehlung und nicht Aufforderung“ bezeichnet. Für Spelthahn sind sie „Diskussionsgrundlage“. Diese wurde dem Publikum vorgestellt.

Welche wesentlichen Impulse setzte Albert Moritz?

Sein Stichwort, von dem quasi alle Gedanken ausgingen, lautete Landschaftsmuseum. Darunter versteht der Geschäftsführer der Vogelsang IP ein Konzept, das die verschiedensten Erinnerungsorte miteinander verbindet. Bislang steht jeder Anlaufpunkt für sich alleine. „Wir müssen uns intensiv der Frage widmen, wie man eine zusammenhängende Geschichte aller Orte erzählen kann. Bis auf das Kalltall habe ich die Erinnerungslandschaft als Privatperson nie wahrgenommen“, sagte er.

Er betonte, dass Grundlage für die nächsten Schritte eine deutliche Positionierung seitens der Politik sein muss. „Ohne politischen Rückhalt, ist es für jeden einzelnen Akteur schwierig zu handeln.“ Wichtig sei außerdem, zügig Zeitzeugen einzubeziehen, da nur noch rund sechs Prozent leben würden. Weiter solle bei der Aufarbeitung nicht vergessen werden, dass der Hürtgenwald sowohl für die Nachbarländer als auch für die USA und Kanada als ehemals Alliierte relevant sei.

Was regte das Publikum noch an und wie reagierten die Diskussionsleiter darauf?

FDP-Ratsherr Siegfried Bergsch hat den Standpunkt, dass der Hürtgenwald auf „eine Schlacht voller Fehler“ reduziert und die Bundeswehr die ehemaligen Grenzverläufe ausschließlich als Taktikschule nutzen soll. „Mit allem anderen ist die Gemeinde überfordert. Außerdem wird die NS-Geschichte schon in Vogelsang aufgearbeitet.“

Der Idee erteilte Moritz postwendend eine Abfuhr: „Es soll kein Geld dafür ausgegeben werden, nur um zu zeigen, wie die Schlacht verloren wurde.“ Drängender sei die Frage, wie es überhaupt zu der Schlacht gekommen ist.

Zwangsläufig kam auch der Gedenkmarsch in Vossenack zur Sprache. Ein Anwohner äußerte – ohne die Berechtigung des Marsches infrage zu stellen – auch mit Blick auf ältere Bewohner („Trifft sensiblen Nerv.“) Unbehagen über die Ausmaße, die die Veranstaltung angenommen habe. Das Thema wird weiter behandelt.

Wie war die Stimmung?

Albert Moritz resümierte, er habe eine „hohe Bereitschaft“ wahrgenommen und einen „gemeinsamen Korridor“ erkannt, den man in der Gemeinde beschreiten wolle. Aus den Reihen der Politiker war mehrfach zu vernehmen, dass der Gemeinderat schnellstmöglich „mit einem Thema anfangen soll“. SPD-Fraktionschef Heinz Kaumanns forderte, dass „die politische Haltung spätestens bis 2019/2020 eingenommen werden muss“ ( Infobox) – letztlich muss der Rat die meisten Entscheidungen zur Erinnerungskultur treffen.

Wie geht es weiter?

Der Gemeinderat greift am 21. September den Aspekt Gedenkstätten auf. Albert Moritz empfahl den Beteiligten, schnell zu klären, ob die Mahnmal-Bronzestatue wieder hergerichtet und wie die gesamte Anlage künftig genutzt werden soll. Marc Vogel signalisierte vonseiten des Vereins „Windhunde mahnen zum Frieden“ Bereitschaft für eine enge Zusammenarbeit.

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