Kreuzau - Ein Künstler-Zufluchtsort mit einem besonderen Geist

Ein Künstler-Zufluchtsort mit einem besonderen Geist

Von: kin
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Ehemalige und aktuelle Stipendiaten des Böll-Hauses: Fiston Mwalza Mujila, Omar Al Jaffal, Jovan Nikolic und Ahmad Katlish (v.l.). Foto: kin

Kreuzau. „Ich möchte Ihnen das Heinrich-Böll-Haus ans Herz legen“, hat Annemarie Böll, die Ehefrau des berühmten Schriftstellers Heinrich Böll, im Januar 2000 an Bürgermeister Paul Larue (CDU) geschrieben. „Dieses Haus braucht Freunde, damit es seine segensreiche Arbeit fortsetzen kann.“ Dass das Heinrich-Böll-Haus im Kreuzauer Ortsteil Langenbroich viele Freunde hat, ist beim Sommerfest am Samstagnachmittag mehr als deutlich geworden.

Der Verein „Heinrich-Böll-Haus Langenbroich“, dessen Vorsitzender Larue ist, hatte eingeladen, um das Haus nach umfangreichen Renovierungsarbeiten offiziell wieder zu eröffnen, aber auch um Heinrich Böll zu gedenken, der in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden wäre. +

Neben Bölls Sohn René konnte Larue unter anderem den deutschen Botschafter in Luxemburg, Dr. Heinrich Kreft, den Präsidenten der NRW-Stiftung, Harry K. Voigtsberger, und Professor Jürgen Wilhelm, Vorsitzender der Landschaftsversammlung Rheinland, begrüßen. Für die musikalische Gestaltung der Feier sorgte der aus Düren stammende Percussionist Roland Peil mit seiner Band „Rolands Rumba“. „Wir wollen mit diesem Haus“, „das Anliegen und die große Gastfreundschaft der Bölls fortführen.“

„Tätige Barmherzigkeit“

Böll sei deswegen so eine beeindruckende Persönlichkeit gewesen, weil er immer den Menschen in den Mittelpunkt gestellt habe. Larue: „Heinrich Bölls Wirken kann man mit dem Begriff ‚tätige Barmherzigkeit‘ treffend beschreiben. Er war ein Kämpfer für die Grund- und Menschenrechte“, sagte Larue.

1989 wurde der Verein „Heinrich-Böll-Haus Langenbroich“ gegründet. Ein Jahr später ist mit dem kurdischen Schriftsteller Abdul Kadir Konuk der erste Stipendiat eingezogen. Seitdem ist das ehemalige Refugium von Heinrich Böll und seiner Familie Zufluchtsort für Schriftsteller und Künstler aus der ganzen Welt, die einen Ort brauchen, um in Ruhe und ohne Repressalien des Regimes in ihrem Heimatland fürchten zu müssen, arbeiten zu können. Mehr als 200 Gäste haben in den vergangenen 27 Jahren im Heinrich-Böll-Haus gelebt – alle mit Unterstützung der Heinrich-Böll-Stiftung.

Stefan Knodel, Geschäftsführer des Heinrich-Böll-Hauses: „Man kann anhand der Länder, aus denen unsere Gäste kommen, die Krisen dieser Welt ablesen.“ Anfangs seien die Stipendiaten überwiegend aus der ehemaligen Sowjetunion und Rumänien gekommen, später aus den Ländern des früheren Jugoslawiens. Knodel: „Dann wurde die arabische Revolution spürbar, die Stipendiaten kamen aus Tunesien, Marokko und Ägypten.“ Die Menschen, die aktuell im Heinrich-Böll-Haus Zuflucht gefunden haben, kommen aus dem Irak, Syrien, Bangladesch und dem Jemen.

Vor dem Krieg geflohen

Einer der Syrer ist Ahmad Katlish, der in seiner Heimat als Schriftsteller und Journalist gearbeitet hat und vor dem Krieg geflohen ist. „Ich kannte natürlich Heinrich Böll“, erzählt er. „Wirklich angefangen, seine Bücher zu lesen, habe ich aber erst in Langenbroich. Für mich ist der Geist von Böll hier spürbar.“ Das Haus, ergänzt der Syrer, sei ein hervorragender Ort zum Arbeiten. „So eine Ruhe bin ich von meiner Heimat nicht gewöhnt. Ich habe hier sehr viel geschrieben.“ Auch Omar Al Jaffal aus dem Irak fühlt sich im Heinrich-Böll-Haus wohl. „Aber es ist auch manchmal einsam“, sagt er. „So viel Natur wie hier kenne ich aus dem Irak nicht.“

Zwei, die vor mehr als zehn Jahren im Heinrich-Böll-Haus gelebt und gearbeitet haben, sind Jovan Nikolic aus Belgrad und Fiston Mwalza Mujila aus dem Kongo. „Die Künstler, die nach hier kommen“, sagt Nikolic, „tun das alle aus dem gleichen Grund: Sie kommen aus einem Land mit turbulenten Verhältnissen und können dort nicht arbeiten.“ Er habe, ergänzt Mujila, der mittlerweile im österreichischen Graz lebt und an der dortigen Universität arbeitet, in Langenbroich gelernt, dass es zwischen Deutschland und dem Kongo große Gemeinsamkeiten gibt. „Der Kongo ähnelt dem Nachkriegs-Deutschland sehr.

Das hat mich immer beeindruckt.“ Zu den bekanntesten Stipendiaten zählt Regisseurin Kaca Celan, die aus Sarajevo nach Kreuzau gekommen war. Nach ihrer Zeit im Böll-Haus hat sie lange eine Theaterschule in Düren betrieben. Heute lebt sie in den USA.

Im Rahmen der umfangreichen Renovierungsarbeiten des Hauses, die schon 2015 begonnen haben, wurden die Wohnungen für die Stipendiaten grundlegend saniert. Insgesamt wurden 200.000 Euro investiert, die NRW-Stiftung und der Landschaftsverband Rheinland haben die Sanierung gefördert.

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