Düren - Ein Kompass der Sozialpolitik auf 184 Seiten

Ein Kompass der Sozialpolitik auf 184 Seiten

Von: Jörg Abels
Letzte Aktualisierung:
Jugendhilfeplanerin Ina Ruick
Jugendhilfeplanerin Ina Ruick hat mit ihrer Kollegin Birgit Franz ein halbes Jahr lang Daten ausgewertet und in der neuen Sozialraumanalyse der Stadt Düren auf 184 Seiten zusammengefasst. Foto: Abels

Düren. Ost- und Norddüren sind die Stadtteile mit dem höchsten Anteil an Kindern und Jugendlichen, während Niederau, Birgel und Gürzenich mit einem Seniorenanteil (60 Jahre und älter) von über 30 Prozent zu überaltern drohen. Das ist nur ein Ergebnis der neuen Sozialraumanalyse der Stadt Düren.

In den vergangenen Monaten haben Jugendhilfeplanerin Ina Ruick und ihre Kollegin Birgit Franz akribisch Daten gesammelt, ausgewertet und auf 184 Seiten zusammengestellt.

Thomas Floßdorf, Vorsitzender des städtischen Jugendhilfeausschusses, spricht von einem Kompass der Sozialpolitik in den kommenden Jahren und hat schon erste Ansatzpunkte ausgemacht. „Wir müssen uns beispielsweise fragen, warum Bürger trotz hervorragender Infrastruktur aus Gürzenich wegziehen, während Düren-Ost offenbar zum Renner bei jungen Familien geworden ist?”

Floßdorf sieht die Politik aber nicht nur in der Pflicht, mit den richtigen Rahmenbedingungen wie zum Beispiel einer besseren ÖPNV-Anbindung für eine Angleichung der Altersstruktur in den Stadtteilen zu sorgen, sondern auch mehr für Alleinerziehende zu tun. Deren Zahl ist laut Sozialraumanalyse erneut um gut zwei auf 26,9 Prozent gestiegen. „Jedes vierte Kind wächst ohne männlichen Bezug auf”, will Floßdorf nun noch mehr über Erzieher in Kitas nachdenken. Gleichzeitig fordert er das Land auf, die Investitionen in U3-Plätze weiter zu erhöhen, „anstelle eines beitragsfreien Kindergartenjahres”.

Eng verbunden mit dem weiteren Anstieg der Alleinerziehenden ist die wachsende Kinderarmut. Bereits heute bekommen mehr als ein Viertel aller unter 18-Jährigen (27,3 Prozent) in der Stadt Düren Leistungen vom Sozialamt, Tendenz steigend. Dem will die Stadt nun im Rahmen des LVR-Förderprogramms „Teilhabe ermöglichen - kommunale Netzwerke gegen Kinderarmut” gezielt entgegenwirken. „Teilhabe sichern und Bildung ermöglichen”, erklärt Ina Ruick die Ziele, die eine Sensibilisierung für das Thema Kinderarmut voraussetzen, „eine Bündelung von Maßnahmen, bei der alle gesellschaftlichen Akteure gefragt sind”, so Bürgermeister Paul Larue.

Und noch einen dritten Aspekt will Floßdorf, ausgehend vom neuen Zahlenwerk, auf die Agenda setzen: das Thema Jugendstraffälligkeit. Angesichts weiter steigender Zahlen müsse trotz knapper finanzieller Ressourcen noch mehr präventiv gearbeitet werden als bisher, fordert Floßdorf, und dass nicht nur in den Problembereichen Mitte und Ost, sondern beispielsweise auch in ländlichen Gebieten wie Derichsweiler.

Ziel der Sozialraumanalyse, erklärt Ina Ruick, sei die Verbesserung der Lebenssituation für alle Menschen in der Stadt Düren. „Sie soll ein Nachschlagewerk sein, das für die einzelnen Stadtteile aufschlussreiche und vor allem wichtige Informationen geben kann, aber auch eine Arbeits- und Diskussionsgrundlage für die Politik und die Kinder- und Jugendhilfe.”

Neben Zahlen zur Demografie gibt die Analyse daher auch einen Überblick über das Vereinsleben und die sozialen Einrichtungen in jedem Stadtteil.
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