Ein Kaiserplatz-Plan: Alt und dennoch neu

Von: inla
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„Erst sollten Planer das Wort haben, dann Investoren.“ Professor Wolfgang Meisenheimer im Hof seines Hauses.

Düren. Professor Wolfgang Meisenheimer hat mit flottem Strich und perspektivisch genau das Dürener Rathaus mit dem Kaiserplatz davor gezeichnet. Das Bild, schwarz-weiß, DIN-A3-Format, zeigt, wie der Platz aussehen und genutzt werden könnte.

Meisenheimer ist Architekt und Dürener. In diesen beiden Rollen macht er sich ständig Gedanken über Düren und seine Entwicklung, 2014 hat er eine kleine Broschüre mit Architekturideen für „6 besonders problematische Orte im Stadtbild“ herausgegeben.

Der Kaiserplatz war nicht dabei. Den hat sich Meisenheimer viel früher vorgenommen. 50 Jahre ist das her. Heute machen sich wieder Experten Gedanken über Aussehen und Funktion des Platzes. Drei Fachbüros aus Berlin und Bochum sind von der Stadt beauftragt worden, Ideen zu entwickeln. Im Rathausfoyer haben sie ihre Pläne vorgestellt. Das Besondere ist: Die Pläne der drei Büros und der Plan von Meisenheimer sind inhaltlich nicht weit auseinander.

An diesem Morgen sitzt Meisenheimer mit schwarzem Poloshirt, Lederweste und Baskenmütze im Hof seines Hauses „Im Eschfeld“. Meisenheimer, 83, hat die Eigenheimsiedlung vor über 40 Jahren erdacht und entworfen. Auf dem Tisch liegen bei einer Tasse Tee Pläne für den Kaiserplatz. Es sind kopierte Zeichnungen, vor 50 Jahren gab es noch keine Computer.

Es gab aber Meisenheimers Idee, den Rathausvorplatz samt heutiger Busspur bis hin zur dem Rathaus gegenüberliegenden Häuserzeile zu nutzen. So wie die Planer heute wollte Meisenheimer, der in Düren auch die Gebäude der Evangelischen Gemeinde entworfen hat, nicht nur den Platz, sondern auch die Rathausempore samt Treppe einbeziehen und nutzen – für Veranstaltungen, Gastronomie und als Ort, der „zum Verweilen einlädt“, wie er sagt.

Einen Unterschied aber gibt es: Während die Planer heute die Vorgabe haben, die Busspur zu belassen wie sie ist, hätte Meisenheimer die Busse vor 50 Jahren an Zehnthof- und Wilhelmstraße an- und abfahren lassen. Die Busse wären von der Zehnthofstraße über den heutigen Marktplatz am Bürgerbüro vorbei über die Weierstraße gefahren.

Das sei damals nicht tragisch gewesen. Über Kaiserplatz und Markt fuhren noch Autos. Nach Meisenheimers Plan wäre der eigentliche Rathausvorplatz frei von Verkehr gewesen. Dass das heute anders ist und so bleiben soll, bedauert er. „So kommt man auf dem Kaiserplatz nicht zur Ruhe.“ Man könne auch ohne Verkehr glücklich werden.

Meisenheimer nimmt einen Schluck Tee und sagt, dass er die heutigen Planer „überhaupt nicht kritisieren will“, im Gegenteil. Sie machten einen guten Job. Auch für die Stadt und Politik hat er positive Worte übrig. Vor Jahren schon hat er einen Masterplan für Düren gefordert.

Nun gibt es einen. „Und endlich“, sagt Meisenheimer, endlich würden zunächst Pläne gemacht, Ideen entwickelt, Vorschläge diskutiert. Erst danach ginge es um den Investor und die Finanzierung des Projekts. Schnell schiebt er nach: „Natürlich ist die finanzielle Seite wichtig, aber nicht an erster Stelle.“ Bisher sei Düren den umgekehrten Weg gegangen: Ein Investor sei gekommen und habe seine gestalterischen Ideen umgesetzt.

Meisenheimer hat damals übrigens eine Idee entwickelt, die Jahrzehnte später nochmals die Runde machte: eine Tiefgarage unter dem Kaiserplatz. Seine Pläne sind damals nicht weiter beachtet worden, weil er der SPD zugerechnet wurde, ohne je Parteimitglied gewesen zu sein, und die CDU eine absolute Mehrheit im Dürener Stadtrat hatte. Das ist heute, 50 Jahre später, anders.

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