Ein Jugendtreff der Marke Eigenbau

Von: Stephan Johnen
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Eigeninitiative: In Vossenack haben Jugendliche einen Bauwagen gekauft und zum Treffpunkt umgewandelt. Foto: Stephan Johnen

Vossenack. Ob der Jugendtreff Marke Eigenbau einen Namen hat? Oliver Drehsen und seine Freunde gucken sich an – und zucken mit den Schultern. „Wilde 13?“, stellt der 17-Jährige einen Vorschlag zur Debatte. Er wird schnell zurückgezogen, schließlich heißt der Jugendbus des Kreises Düren schon so. Obwohl der Name gut gepasst hätte.

Schließlich haben 13 Freunde zusammengelegt, um ihren eigenen Jugendtreff in Vossenack zu organisieren. Der alte, eine kleine Hütte, ist abgerissen worden, weil die Bausubstanz marode war. Seitdem waren die Jugendlichen auf der Suche – und haben nach Rücksprache mit den Vossenackern und der Gemeindeverwaltung selbst eine Lösung des Problems gefunden und einen Bauwagen gekauft. Dieser steht nun am Sportplatz, in Sichtweite des Schützenheims. Was noch fehlt, ist ein Name. Aber das sollte das kleinste Problem sein.

Vom Niederrhein

„Saufbude“ stand früher auf dem Bauwagen, der einst einer Karnevalsgesellschaft von Niederrhein gehörte. Doch den Namen haben die Jugendlichen im Zuge ihrer Renovierungsarbeiten vor dem Ersteinzug überstrichen. „Saufbude“ passt inhaltlich auch nicht zu der „Hausordnung“, die im Bauwagen an der Wand hängt, unterschrieben von Bürgermeister Axel Buch.

„Wir haben ganz klare Regeln ausgehandelt“, erklärt Sonja Kersting, Jugendbetreuerin bei der Gemeinde Hürtgenwald. Die Jugendlichen haben ihre Idee, einen eigenen Treffpunkt zu organisieren, zunächst bei der Gemeinde und dann im Dorf-Forum vorgestellt – und grünes Licht erhalten. Strom gibt es von den Schützen nebenan, es wurde extra ein Zwischenzähler installiert, die Kosten übernimmt die Gemeinde.

Doch wie entstand diese Idee? Da die Gemeindeverwaltung genug zu tun hat, hätten sich die Jugendlichen selbst auf die Suche nach einem neuen Jugendtreff gemacht, erklärt Christoph Polis augenzwinkernd. Oder mit anderen Worten: Mit Ende des Sommers wurde es an der frischen Luft etwas zu frisch. Und wer weiß, wie lange die politischen Beratungen gedauert hätten, zumal in der Gemeindekasse auch kein Geld ist. „Da haben wir selbst eine Lösung gesucht“, sagt Oliver Drehsen.

Die Suche führte sie über ein Internet-Auktionshaus nach Nettetal. Mit den Motorrädern ging es auf Reise, um den zum Verkauf angebotenen Wagen zu besichtigen. Für den etwa 95 Kilometer langen Weg haben die Jugendlichen annähernd zwei Stunden gebraucht. Der Wagen gefiel ihnen, die Jugendlichen handelten ein Vorkaufsrecht aus – und tuckerten zurück, um für ihren Plan zu werben, schließlich musste der neue Treffpunkt auch einen Standort haben.

„Die Jungs haben ihre Idee gut verkauft“, sagt Sonja Kersting. Und die Freunde stimmten ihrerseits zu, Regeln wie Rauchverbot, die Einhaltung des Jugendschutzgesetzes, kein offenes Feuer und keine übermäßig laute Musik zu akzeptieren. Sie legten zusammen, um den Kaufpreis von 800 Euro zu stemmen – und steckten Zeit und Geld in die Renovierung.

Ein Landwirt hat den Bauwagen von Nettetal nach Vossenack geschleppt. Da niemand Kamelle werfen möchte, haben die Jugendlichen Fenster eingesetzt. „Vielleicht bauen wir noch eine Dachterrasse“, scherzt Mit-Eigentümer Justin Offermann. Einige Jahre wollen die Jugendlichen den Wagen nutzen, schließlich könne niemand ahnen, wohin Ausbildung und Beruf die Freunde führen werden. Die Tür soll auch für andere geöffnet sein.

„Jugendarbeit im ländlichen Raum ist oftmals sehr cliquenbezogen“, erklärt Sonja Kersting. Anders als in Städten gibt es keine zentralen Jugendeinrichtungen, sondern dezentrale Treffpunkte. Oft sind es gerade ältere Jugendliche, die diese nutzen. Die Initiative der 13 Freunde habe geholfen, eine Alternative für den weggefallenen Treffpunkt zu finden. Wer weiß, vielleicht gibt es auch bald einen Namen.

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