Kreuzau - Ein Jahr nach Paraguay: Abiturientin taucht in eine andere Welt ab

Ein Jahr nach Paraguay: Abiturientin taucht in eine andere Welt ab

Von: Sandra Kinkel
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Junge Dürenerin in Paraguay
Louisa Romero Valle geht für ein Jahr nach Paraguay. In Asuncion wird sie sich für Kinder und Jugendliche einsetzen. Foto: Sandra Kinkel

Kreuzau. Für Louisa Romero Valle beginnt am Montag ein ganz neues Leben. Die 18-jährige Abiturientin geht für ein Jahr nach Paraguay in Südamerika. Sie absolviert dort einen Freiwilligen Friedensdienst. „Nach dem Abitur für längere Zeit ins Ausland zu gehen, war eigentlich schon immer mein großer Traum“, erzählt die junge Frau aus dem Kreuzauer Ortsteil Drove.

 „Ich stelle es mir unglaublich spannend vor, Menschen und eine fremde Kultur kennenzulernen. Außerdem kann man in einem Jahr eine Sprache richtig gut lernen.“

Dass es Paraguay und der Friedensdienst geworden sind, ist eher Zufall. „Ich habe beim Aufräumen in meinem Zimmer eine Broschüre der Evangelischen Gemeinde zu Düren gefunden, wo der Friedensdienst in Paraguay beschrieben wurde. Und da habe ich mich dann beworben.“

Seit 35 Jahren unterstützt die Evangelische Gemeinde Projekte in Peru und Paraguay. Regelmäßig absolvieren Jugendliche aus Düren Freiwilligendienst in Südamerika. Und umgekehrt kommen auch Schüler und Studenten von dort an die Rur, um hier die Arbeit der Evangelischen Gemeinde zu unterstützen.

Louisa Romero Valle, die sich früher auch ehrenamtlich bei der Evangelischen Gemeinde engagiert hat, hat sich im Januar für den Friedensdienst in Paraguay beworben. Nach einem persönlichen Gespräch mit Pfarrer Stephan Schmidtlein war ziemlich schnell klar, dass sie für ein Jahr nach Südamerika gehen würde. „Es hat einfach gepasst“, sagt Louisa.

„Aber ich musste mich noch offiziell bei der Evangelischen Kirche im Rheinland bewerben.“ Darüber hinaus musste die angehende Friedensdienstlerin noch Sponsoren finden. „Zumindest die Reisekosten müssen wir selbst finanzieren“, erzählt sie. „Aber das ist mir zum Glück gelungen.“

Louisa interessiert sich sehr für Wirtschaft und Politik, auch deswegen freut sie sich auf ihre Zeit in Paraguay. „Paraguay ist ein ziemlich kleines Land. Ich glaube, dass man das in einem Jahr wirklich gut kennenlernen kann.“ Darüber hinaus sei Paraguay eher ländlich geprägt. „Es gibt viele Menschen, die man als landlos bezeichnet. Sie haben nicht die notwendigen Papiere, um zu beweisen, dass ein Stück Land ihnen wirklich gehört und bekommen es einfach weggenommen.“

Projekte für Kinder unterstützen

In welchem Projekt sie eingesetzt wird, weiß Louisa noch nicht genau, sie weiß nur, dass sie die nächsten zwölf Monate in Paraguays Hauptstadt Asuncion leben wird. Louisa Romero Valle: „Es gibt drei Projekte, bei einem werde ich eingesetzt.“ Entweder wird sie bei einem Programm für Kinder in den Armenvierteln der paraguayischen Hauptstadt eingesetzt, arbeitet mit Jugendlichen, die sich nachmittags immer an einem Busbahnhof treffen, oder hilft bei einer Initiative für junge Mütter. „Ich finde alle drei Projekte spannend und lasse mich überraschen, wo ich eingesetzt werde.“

Die Organisation, mit der sie vor Ort zusammenarbeiten würde, sei sehr politisch. „Kinderarbeit ist in Paraguay ein großes Thema.“ Ihre Organisation würde sich dafür einsetzen, Kinderarbeit zu legalisieren – aber eben nur dann, wenn die Kinder auch zur Schule gehen. „Viele Kinder und Jugendliche müssen arbeiten, weil sie ihre Familien unterstützen müssen.“ Es mache deswegen keinen Sinn, Kinderarbeit zu verbieten. „Die Kinder würden trotzdem weiterarbeiten. Wichtig ist aber, dass sie auch zur Schule gehen.“

Louisa hat bereits an einem zweiwöchigen Vorbereitungsseminar in Solingen teilgenommen und fliegt am Montag zunächst nach Buenos Aires, wo sie an einem Sprachkurs teilnimmt und die anderen Freiwilligen kennenlernt. „In Solingen haben wir unter anderem gelernt, dass Sexismus ein sehr großes Thema in Südamerika ist. Und wir haben auch an einem Sicherheitstraining mit der Polizei teilgenommen.“

Angst vor der Zeit in Paraguay hat sie aber trotzdem nicht. „Die Freude ist deutlich größer als ein kleines mulmiges Gefühl. Ich kenne die Leute, mit denen ich zusammenarbeiten werde, noch nicht. Und meine Familie und meine Freunde werde ich sicher sehr vermissen. Aber zum Glück gibt es ja das Internet. Wir können also regelmäßig Kontakt haben.“

Außerdem sei der Unterschied zwischen Arm und Reich in Paraguay sehr groß. „Die große Armut zu sehen, wird mir sicherlich schwerfallen.“ Ihre Eltern und ihre Freunde hätten sie von Anfang an bei dem Plan, nach Paraguay zu gehen, unterstützt. „Meine Oma stammt aus Spanien. Deswegen fand mein Vater es natürlich toll, dass ich ein Land gehe, in dem Spanisch gesprochen wird.“

Louisa ist davon überzeugt, dass sie in einem Jahr als komplett anderer Mensch aus Paraguay zurückkommen wird. „Dieses Jahr wird mich sehr prägen. Das ist mir aber bewusst.“ Was Louisa nach ihrem Friedensdienst machen wird, weiß sie noch nicht genau. „Ich kann mir vorstellen, Psychologie oder Ernährungswissenschaften zu studieren. Aber ich weiß es noch nicht. Ich konzentriere mich jetzt erst mal auf Paraguay.“

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