Ein Herz für Tiere: Rehböckchen Paul und seine neue Familie

Von: Sarah Maria Berners
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Lieblingsplatz im Garten: In dem Beet hinter dem Bosselbacher Hof hält sich Paul besonders gerne auf. Die Hof-Hunde haben das putzige Rehböckchen sozusagen adoptiert. Foto: Sarah Maria Berners
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Vossenack/Schmidt. Paul war gerade einmal fünf Tage alt, da wurde seiner Mutter in der Nähe von Schmidt von einem Auto überfahren. Eine Familie entdeckte das winzige Rehböckchen im Straßengraben kauernd neben seiner toten Mutter.

Ohne fremde Hilfe würde das Rehkitz sterben – das war sofort klar. Zwei Tage lang päppelte die Schmidter Familie das Tierchen auf, dann baten sie die Vossenacker Familie Kaulen um Hilfe. Und die fackelte nicht lange, als sie das Böckchen mit den weißen Punkten sah. Mit Tieren ist die Familie, die auf dem Bosselbacher Hof lebt, vertraut, sie haben schon Lämmer und ein Eichhörnchen mit der Flasche groß gezogen. Und ein Platz für Paul würde sich schon finden.

Im Schuhkarton auf die Waage

„Paul war damals noch kleiner als unsere Katzen und wog anderthalb Kilo“, erzählt Nina Kaulen und ihr Bruder Sven ergänzt: „Wenn ich ihn gewogen habe, habe ich in einem Schuhkarton auf die Waage gestellt.“ Mittlerweile lebt Paul schon seit neun Wochen in Vossenack, ist schon auf „Hundegröße“ gewachsen und die hellen Punkte sind fast verblasst. Seine Nase glänzt feucht, wenn er mit den Hunden Kimi und Leo über den Hof rennt und von Sven und Nina Kaulen ein paar Stückchen Zwieback und Hundeleckerlis ergattert. Selbst Besucher werden mittlerweile neugierig beschnuppert.

„Am Anfang haben wir Paul alle drei Stunden eine Flasche Schafsmilch gegeben“, erzählt Sven Kaulen. Mit seiner Schwester und seiner Freundin habe er sich die Verantwortung geteilt, damit sich das Böckchen nicht zu sehr auf einer Person fokussiert. „Von anderen Menschen lässt er sich die Flasche noch immer nicht gerne geben. Unsere Eltern können ihn nur füttern, wenn er wirklich großen Hunger hat“, haben die Geschwister festgestellt. Für einen alleine wäre es schon sehr schwer, so ein Böckchen groß zu ziehen. Und wer zum Beispiel einen Bürojob habe, könne das auf gar keinen Fall leisten.

Allerdings haben die Kaulens Hilfe: „Unsere Hunde haben Paul sofort adoptiert“, erzählt Sven Kaulen lachend. Tagsüber läuft er mit ihnen über den Hof, dreht abends mit Hunden und Herrchen eine Runde durch den Wald und legt sich in der Nacht bei den Hunden zur Ruhe. Außerdem helfen die Hunde dem Böckchen bei der Körperpflege.

Mittlerweile schläft Paul auch durch. Tagsüber muss er aber noch alle vier Stunden mit der Flasche gefüttert werden. „Das wird er noch, bis er etwa ein halbes Jahr alt ist“, erklärt Nina Kaulen. Zusätzlich bekommt er aber Äste und Laub zum Knabbern und immer mal wieder ein Stück von seiner Leibspeise Zwieback.

Beim Regionalforstamt und auf der Internetseite www.rehkitzhilfe.de hat sich die Familie über die Aufzucht von Kitzen informiert. „Junge Rehe müssen auch die Möglichkeit haben, Erde zu essen. So nehmen sie zum Beispiel Mineralien auf“, erklärt Sven Kaulen, während er Paul im Nacken krault. Das Kitz ist zwar ziemlich zahm, aber: „Ein Reh bleibt ein Wildtier“, betont Nina Kaulen. Man merke, dass Paul sehr sensibel und scheu sei. Deswegen müsse er auch Rückzugsmöglichkeiten haben, die Zieheltern setzen ihn keinem großem Trubel aus. Kinder, die auf dem Hof in Ferien sind, dürfen zum Beispiel nie alleine zu dem Kitz gehen. „Aussetzen kann man Paul aber nicht mehr. Dafür ist er schon viel zu sehr an den Menschen gewohnt“, weiß Sven Kaulen.

Und so wird Paul seinen Platz auf dem Bosselbacher Hof zwischen Pferden, Hühnern, Ziegen, Schafen, Schweinen, Katzen, Hunden, Kuh und Kaninchen finden. Mensch und Tier haben den neugierigen Neuzugang längst ins Herz geschlossen und auch bei vielen Vossenackern ist Paul schon sehr beliebt – sorgt bei Fremden aber immer wieder für Erstaunen: Wenn Sven Kaulen abends mit den Hunden und Paul eine Runde dreht, wird er immer wieder von Spaziergängern angesprochen, die ihn auf das Reh in seiner Nähe aufmerksam machen. „Der gehört zu mir“, erzählt er dann dem staunenden Gegenüber.

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