Düren - Ein harter Job: Die Dürener THW-Bergungstaucher gibt es seit 40 Jahren

Radarfallen Bltzen Freisteller

Ein harter Job: Die Dürener THW-Bergungstaucher gibt es seit 40 Jahren

Von: Carsten Rose
Letzte Aktualisierung:
15338173.jpg
Seit 1977 im Einsatz: die Bergungstaucher des Dürener THW. Das Bild entstand 2014 auf der Suche nach einer vermissten Person im Rursee. Foto: G. Heinen
15338174.jpg
Ferdi Bendels hat die Einheit gegründet. Foto: C. Rose

Düren. Ferdi Bendels wäre mir nichts, dir nichts einfach davongespült worden, wenn der Damm an der Elbe nicht gehalten hätte. 2002 war das, Lauenburg, Hochwasser. „Der Einsatz war eine harte Angelegenheit, vor allem körperlich bei dieser Strömung“, erzählt Bendels heute.

 Der Damm hielt, Bendels hatte seinen Anteil daran. Als Bergungstaucher der THW-Ortsgruppe Düren war er vor Ort. Diese Spezialeinheit feiert morgen ihr 40-jähriges Bestehen – Bendels, 76, hat sie damals gegründet.

Ferdi Bendels kann viel über die Arbeit des Technischen Hilfswerkes aus Düren erzählen, schließlich ist er dabei, seit er 16 Jahre alt ist. Morgen wird auch er gefeiert, weil er eben seit 60 Jahren im Dienste des THW steht. Aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr aktiv, aber auf seine Erfahrung, sein technisches Wissen, wollen das THW und die Bergungstauchergruppe nicht verzichten.

Das sagt Michael Tombeux, 58, der 1999 die Leitung der Bergungstaucher übernommen hat. Bergungstaucher in Düren – was machen die? Plump gesagt, und das ist eine gute Nachricht: nicht viel. „Die Einsätze sind zum Glück stark zurückgegangen. Dieses Jahr hatten wir zum Beispiel noch keinen Einsatz“, sagt Tombeux, der heute zehn Männer und eine Frau zwischen Mitte 20 und 58 Jahre anführt, alle ehrenamtlich.

1977 baute Bendels mit dem Dürener Tauchlehrer Peter von Borzsykowski – der sie bis 1999 leitete – eine achtköpfige Einheit auf, weil die Wasserunfälle in dieser Zeit zugenommen hätten und die Polizei um Hilfe gebeten hatte, erzählt er. Mal sechs, mal acht, mal weniger Einsätze und Hilfeleistungen standen seitdem jährlich im Auftragsbuch.

Verunglückte Taucher aus Seen bergen, gekenterte Boote aus dem Rursee und Fahrzeuge nach Unfällen aus Gewässern ziehen, Unterwasserarbeiten begleiten, Hochwasser am Niederrhein – das zählt zum Spektrum. Etwa die Hälfte der Einsätze seien außerhalb des Kreises Düren „Das wir Taucher bergen müssen“, fügt Tombeux an, „kommt zum Glück kaum noch vor. Die Vorschriften sind viel strikter geworden, es darf nicht mehr jeder überall tauchen. Das ist gut. Wir sind ja froh, wenn wir nicht rausmüssen.“

„Körperlich war das heftig“

Der Einsatz 2002 an der Elbe war ein Einsatz, den Tombeux und Bendels gemeinsam geleistet haben. Mit sechs Leuten waren sie dort, eine Woche lang. Sie haben auf einer Dammlänge von 1,5 Kilometern die Sandsäcke kontrolliert. „Körperlich war das heftig bei der Strömung. Und was da alles angeschwommen kam: tote Kühe und andere Tiere“, erinnert sich Bendels, der selbst von 1981 bis 2004 THW-Taucher war.

Die Einheit, die er ins Leben gerufen hat und die zwischenzeitlich auf vier Mann geschrumpft war, ist eine von vier in NRW (zusätzlich Aachen, Remscheid und Wetter), 22 gibt es Deutschland. Heute rückt sie zwar nicht mehr so oft aus wie früher, aber zweimal monatlich trifft sich die Gruppe zu Übungen. „Wir tauchen ja nicht nur aus Verpflichtung, wenn es sein muss“, sagt Tombeux, „sondern weil wir beim THW unserer Leidenschaft nachgehen können: Tauchen in Verbindung mit technischen Aufgaben.“ Und: Sie müssen ja bereit sein, falls der nächste große Einsatz kommt – auch im Ausland.

Die offizielle Anfrage käme dann aus Berlin, die Einheit gehört zum Katastrophenschutz des Bundes. Nach Ostafrika hätte es die Dürener Taucher – wohin und wann genau weiß es Tombeux nicht mehr – vor etlichen Jahren beinahe verschlagen. Alle waren geimpft und auf Abruf bereit, doch die Mission war dann doch von den dortigen Kräften beendet worden.

Bendels, gelernter Karosseriebauer und Schlosser, war in den vergangenen Jahren für das THW hauptamtlich dennoch viel unterwegs für den humanitären Dienst: unter anderem zur Erdbeben-Hilfe in der algerischen Hauptstadt Algier, sechs Monate in Äthiopien und vor allem häufig in der ehemaligen Sowjetunion.

Er war in Brest (heute Weißrussland) Werkstattleiter im THW-Stützpunkt, der in den 90ern deutsche Hilfsgüter koordinierte. „Wir waren alleine drei Wochen unterwegs, um einen Ort für den Stützpunkt zu suchen. Eine schöne Zeit war das“, sagt er und fügt an: „Die Russen haben mich ausgezeichnet: als Held der Arbeit. Mit Urkunde und allem.“ Er muss dabei doch etwas schmunzeln – und morgen gibt es die nächsten Lorbeeren.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert