Ein Gürzenicher auf dem Börsenparkett

Von: Tobias Röber
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Der Aktienmarkt treibt in dies
Der Aktienmarkt treibt in diesen Tagen nicht nur Robert Halver die Schweißperlen auf die Stirn. Der Kapitalmarktexperte rät jedoch allen Anlegern, die Ruhe zu bewahren. Foto: dpa

Gürzenich/Frankfurt. Über einen Spruch seines Großvaters schmunzelt Robert Halver noch heute recht häufig. „Junge, mach nix mit Geld. Da wirste nix”, habe sein Opa ihm damals eingetrichtert, erinnert sich Halver. Es kam anders, ganz anders.

Robert Halver ist Kapitalmarktexperte der Baader Bank und obendrein inzwischen eins der bekanntesten Gesichter der Frankfurter Börse. Bekannt aus Film, Funk und Fernsehen, wie das so schön heißt. Und warum steht das in der Dürener Zeitung? Weil Robert Halver aus Gürzenich stammt.

Robert Halver wurde 1963 geboren, wuchs in Gürzenich auf und baute sein Abitur am Wirteltor-Gymnasium. Anschließend verließ er Düren. Er leistete seinen Wehrdienst, studierte in Trier Betriebswirtschaftslehre und landete über die Zwischenstationen Essen und Köln schließlich in Frankfurt. Dort steht er täglich Rede und Antwort. Familiär „vorbelastet” war Halver übrigens nicht. Vater und Opa waren Landwirte.

1996 erstmals im Fernsehen

Robert Halver interessierte sich schon früh für gesellschaftliche und politische Zusammenhänge. Gepaart mit einem stets analytischen Grundgedanken lag der Weg in die Finanzwelt nah. Zumal er „immer unbedingt studieren wollte”.

Halvers Fernseh-Geburtsstunde liegt schon einige Jahre zurück: 1996 sagte er ein Interview beim Nachrichtensender N-TV zu. „Ich habe vorher eine Woche lang schlecht geschlafen”, erinnert er sich zurück. Trotz oder gerade vielleicht wegen der Aufregung hatte er sich akribisch vorbereitet. Thematisch sollte es um den japanischen Aktienmarkt gehen. Ging es auch, allerdings nur eine gefühlte Minute. Danach schwenkte Moderator Friedhelm Busch gleich auf deutsche Bauwerte um. „Und dann kam der Rheinländer in mir durch”, blickt er zurück. Will heißen: Robert Halver ging zum Gegenangriff über - und überzeugte. Von da an wurde er immer wieder für Interviews angefragt.

Einem breiten Publikum ist er jedoch erst jetzt während der jüngsten Krise bekannt geworden. Auf N-TV, N24, ARD und ZDF ist er regelmäßig zu sehen, in Tageszeitungen wird sein Bild abgedruckt. Gut, dass sein Arbeitsplatz direkt unter der Anzeigetafel der DAX-Kurve liegt.

An manchen Tagen kommen so schon mal 30 Interviewanfragen zusammen. Und warum ist er jetzt so bekannt? Zum einen war er zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Der Kapitalmarktexperte weilte noch im Urlaub, beobachtete die Krise jedoch weiter. „Eines Morgens dachte ich: ?Jetzt drehen sie durch: Die USA wollen sparen. Da musste ich sofort zur Börse”, sagt Halver.

Die ersten Interviewanfragen ließen nicht lange auf sich warten. „Für die Medien war das ein gefundenes Fressen. Im August passiert an der Börse normalerweise ja nichts”, erklärt er. Robert Halver kann aber nicht nur gut erklären und analysieren, sondern er hat einen weiteren Vorteil: den Unterhaltungsfaktor. Sein Gesicht spiegelt die aktuellen Entwicklungen wider, und er redet gerne mal, wie ihm „der Schnabel gewachsen ist”. Genau das hat ihm auch sein Chef mitgegeben. Robert Halver ist dankbar, dass er das im Namen seines Auftraggebers darf.

„Es macht mir viel Spaß, und ich bin mit Emotionen dabei. Sonst wäre ich auch besser Knackwurstbuden-Besitzer geworden.”

In Gürzenich ist Robert Halver auch ab und an noch. Seine Mutter besucht er so oft es geht, und auch auf das Wiedersehen mit einigen Freunden freut er sich dann stets. Seine Herkunft ist dem Kapitalmarktexperten sehr wichtig. Wenn es die Zeit zulässt, besucht er einmal monatlich den rheinischen Stammtisch in Frankfurt und versucht auch immer wieder seinen Kollegen ein Stück der Heimat mitzugeben.

Halver, der in seiner Jugend in der Leichtathletikabteilung von Düren 99 aktiv war, ertappt sich manchmal sogar dabei, dass er an Feldern anhält und beurteilt, ob der Landwirt sauber gepflügt hat. Die Naturverbundenheit hat er sich behalten, zum Ausspannen geht er vor allem im Wald wandern, und er reist gerne mit Frau und Tochter.

Robert Halver kann sich bei seiner Tochter überhaupt nicht vorstellen, dass sie beruflich einmal etwas Richtung Börse macht. Aber wer weiß, Halvers Großvater hätte das bei seinem Enkel wohl auch nicht gedacht.
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