Ein großes Jugendzentrum

Von: Sandra Kinkel
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Simone Schneider
Simone Schneider ist mit ihrem Bus voller Spielangebote in Düren-Süd-Ost unterwegs. Foto: Sandra Kinkel

Düren. Simone Schneider hat einen Traum. Die gelernte Erzieherin und Trainerin für pädagogische Gewaltprävention leitet die Mobile Jugendarbeit der Pfarre St. Lukas in Düren-Süd-Ost und träumt von einer großen Multi-Funktionshalle für Jugendliche in Düren.

Einer Art großem Jugendzentrum, in dem die jungen Leute sich treffen können, Fußball spielen, klettern, Skateboard fahren. Ein Haus, in dem man ihnen zuhört, ein Ort, wo sie Ansprechpartner finden, die es gut mit ihnen meinen.

Simone Schneider ist 1975 in Düren geboren und in einem kleinen Stadtteil mit dörflichem Charakter aufgewachsen. „Ich konnte in meiner Kindheit und Jugend meine Interessen und Bedürfnisse ausleben“, sagt die Sozialarbeiterin. „Und ich hatte dafür auch den nötigen Schutzraum. Das ist heute anders.“

Simone Schneider erklärt, wie sie das meint. „Viele Freiflächen in der Stadt fallen weg, überall entstehen neue Wohngebiete. Es gibt weniger Möglichkeiten für die Jugendlichen, sich zu entfalten. Dafür gibt es mehr Regeln, Gesetze, immer häufiger die Tendenz, alles in enge Korsetts zu pressen.“ Und auch wenn sie sehen würde, welche Discos es heute in Düren geben würde oder welche Möglichkeiten, günstig irgendwo etwas trinken zu gehen, wüsste sie, dass sie es in ihrer Jugend besser gehabt hätte.

Besonders gut kennt Simone Schneider sich im Sozialraum Düren-Süd-Ost aus, das ist der Bereich, für den sie verantwortlich ist. Ihr Büro ist im Roncalli-Haus an der Piusstraße, dort organisiert sie morgens Veranstaltungen, regelt Papierkram. Nachmittags ist sie mit ihrem Jugendbus im Viertel unterwegs. Regelmäßig steht sie im Biff-Park und am Miesheimer Weg. „Ich fahre dort hin, weil ich weiß, dass Jugendliche sich dort treffen. Und viele Jugendliche kommen da hin, weil sie wissen, dass ich mit meinem Bus da bin.“

Spiele und ganz viel Musik

In ihrem Fahrzeug hat Simone Schneider Spiele, Fußballtore, Bälle, Skateboards und jede Menge Musik. „Das Ziel von freizeitpädagogischer Arbeit“, sagt sie, „ist Beziehungen und vor allem auch Vertrauen zu den Jugendlichen aufzubauen, damit man sie in einem zweiten Schritt gegebenenfalls zu Beratungsstellen weitervermitteln oder sie dazu bewegen kann, wieder zur Schule zu gehen.“

Bis zu 50 Jugendliche trifft Simone Schneider manchmal beispielsweise am Miesheimer Weg, das macht ihre Arbeit derzeit sehr schwer. „Es kommen noch recht kleine Kinder und junge Erwachsene bis 27 Jahre. Um denen wirklich gerecht werden zu können, bräuchte es viel mehr pädagogisches Personal. Im Augenblick fühle ich mich manchmal eher wie ein Aufpasser. Und das möchte ich eigentlich überhaupt nicht sein.“

Gerade am Miesheimer Weg gehe es auch darum, ein besseres Wohnumfeld für die Jugendlichen zu schaffen. „Besonders in dieser schwierigen Gegend müssen mehr Angebote für Kinder und Jugendliche geschaffen werden, damit sich die Situation ein bisschen entzerrt.“

Simone Schneider möchte sich auf die Jugendlichen einlassen, gemeinsame Unternehmungen machen, spielen. „Es geht auch darum, dass die Jugendlichen ein besseres Sozialverhalten lernen, erkennen und einsehen, dass es auch wichtig ist, gewisse Regeln einzuhalten. Und mein Eindruck ist auch, dass viele wirklich einen Ansprechpartner suchen.“

Dieser Ansprechpartner will Schneider sein – auch deswegen hat sie sich für ihren Beruf entschieden. „Ich hatte immer die Ader, Menschen zuhören zu wollen. Und ich wollte für Kinder und Jugendliche da sein, ihnen einen guten Weg für ihr Leben zeigen. Und das möchte ich heute auch noch.“

Zu sehr Erwachsenenwelt

Simone Schneider bedauert, dass in Düren ein bisschen das Bewusstsein für die Belange der Jugendlichen fehlt. „Das ist jedenfalls mein Eindruck, übrigens auch von einigen Politikern.“ Unsere Gesellschaft, sagt sie weiter, sei viel zu sehr eine Erwachsenenwelt. „Die Lebenswelt der Jugendlichen wird einfach zu wenig gesehen. Es fehlt das Verständnis für die junge Generation. Wir haben doch auch früher manchmal Unsinn gemacht. Das ist heute nicht anders.“ Sie beobachte immer häufiger, dass Erwachsene nicht sehr freundlich mit den Jugendlichen reden würden. „Dann muss man sich über Widerworte oder Respektlosigkeit nicht wundern.“ Sie selbst, ergänzt Schneider, habe damit nur sehr, sehr selten Probleme. „Weil die Jugendlichen keinen Grund haben, mir gegenüber respektlos zu sein, sind sie es auch nicht.“

Simone Schneider, die in ihrer Freizeit viel Sport treibt, ist 41 Jahre alt. Sie sagt von sich selbst, dass sie immer noch einen guten Draht zu den Jugendlichen hat. „Das ist keine Frage des Alters. Das ist eine Frage des Sich-Einlassens.“ Und das kann Simone Schneider. Sie hat ein Ohr für die Jugendlichen, sie gibt ihnen eine Stimme. Und vielleicht wird ihr großer Traum vom Jugendzentrum ja auch eines Tages war.

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