Ein fulminantes und furioses Konzert auf der Orgel

Von: Bruno Elberfeld
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Orgelvirtuose Christian Schmitt und die Metzler-Orgel verschmolzen zu einer Einheit. Foto: bel

Düren. „Meine Damen und Herren, Sie verstehen, dass nach diesem Konzert eine Zugabe unmöglich ist“, sagte Orgelvirtuose Christian Schmitt aus Stuttgart. Das Publikum sah das genau so, denn nach einem solchen Orgelkonzert, in weiten Passagen fulminant und furios, dann wieder nachdenklich bis hin zur Zartheit, mussten die Männer und Frauen erst einmal durchatmen.

Sie mussten verarbeiten, was sie eine gute Stunde lang erlebt hatten. Am Spieltisch der Orgel, für das Auge allerdings verborgen, saß einer der renommiertesten Orgelkonzertanten, national und international, Christian Schmitt. Auf die Frage, was das Instrument Orgel für ihn bedeute, antwortete der Musiker: „Eine Orgel im sakralen Raum ist dem Göttlichen nahe. Diese Metzler-Orgel hier in der Annakirche gehört in die absolute Weltspitze.“ Der Organisator des Konzerts, Kantor Hans-Josef Loevenich, vernahm diese Worte mit wohlwollendem Lächeln.

Christian Schmitt, der mit großer Freude – so seine Worte – zwei Tage mit der Metzler „verbracht“ hatte, lobte die hohe Qualität der Verarbeitung des Instruments ebenso wie die überzeugenden „Charaktere“ der einzelnen Stimmen. Zur Überraschung vieler Gäste wohnten dem Konzert in der Annakirche die Erbauer der Metzler-Orgel, Andreas und Mathias Metzler, aus der Schweiz bei, eigens für diese Veranstaltung angereist.

Dass auf der Metzler-Orgel in der Annakirche alles spielbar ist, demonstrierte Christian Schmitt mit an Akrobatik grenzender Virtuosität. Johann Sebastian Bachs (1685-1750) Kompositionen „Passacaglia c-moll“ und „Dies sind die heil´gen zehn Gebote“ waren für die Ohren der Gäste vertraute Kost. Geläufig in berechenbarer Gleichmäßigkeit brachte Schmitt die Bachchen Melodien mit allen Gesetzmäßigkeiten korrekt rüber. Doch auch hier schon zeigte die Orgel Variabilität, als eine Flöte leise zum Verweilen einlädt, um dann wieder den starken Stimmen zu weichen.

Die „Sonate Nr. 3 A-Dur“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847) erfüllt das große Kirchenviereck. Eine Unmenge Stimmen stürmen auf die Menschen in den Kirchenbänken ein. Dann wieder umspielen feinfühlige Melodien das eine Thema – eine romantische Vielfalt mit viel Tiefgang.

Komponist Arvo Pärt ( 1935) schrieb „Annum per Annum“ (Jahr für Jahr). Das Stück beginnt nachdenklich, feingliedrig, eine hohe Flötenstimme übernimmt die Führung. Das Thema wird von einer Harmonika-Stimme fortgeführt. Das Ganze endet in einer Art „Breitband-Musik“, in der sich alle vorher vernommenen Melodien, interpretiert von verschiedenen „Stimmen“, versammeln.

Um das letzte und vierte Werk, eine Komposition von Julius Reubke (1834-1858), in sinnvolle Worte zu fassen, bräuchte es eines Poeten, denn das, was Christian Schmitt auf und mit der Metzler-Orgel veranstaltete, war gewaltig und genial, in seiner Virtuosität für den Spieler kräfteraubend, für die Hörer aufregend, nichts für schwache Nerven.

Bei geschlossenen Augen, ohne die biografischen Daten des Komponisten (19. Jahrhundert!) zu kennen, könnte der Hörer, unvoreingenommen, große Teile der „Sonate über den 94. Psalm“ in einem modernen Film platzieren. Warum nicht mal ein ganzer Film mit Orgelmusik?

Ein Crescendo jagt das andere. Stimmenwechsel, Rhythmuswechsel, die Lautstärke malt eine infernalische Apokalypse. Dann wieder Stille und Langsamkeit auf der Suche nach Frieden und Versöhnung, die in einem dialogischen Chaos enden...

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