Ein „Fünfer-Looping" in der Kostenspirale

Von: Jörg Abels
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Seit 1990 ist der „Olympia-Looping“ eines der Wahrzeichen der Annakirmes. Gut möglich, dass das 13. Gastspiel in diesem Jahr das letzte an der Rur sein wird. Foto: Jörg Abels

Düren. Majestätisch erheben sich die fünf Ringe in den Himmel – wie vor 25 Jahren, als der Bonner Schausteller Rudolf Barth seinen „Olympia-Looping“ nur wenige Monate nach der Premiere des Fahrgeschäfts auf dem Münchener Oktoberfest erstmals auch auf der Dürener Annakirmes präsentierte.

Mit dem Fünfer-Looping hatte 1989/90 auf Deutschlands Volksfesten eine rasante Entwicklung ihr Ende gefunden, die in den späten 70er Jahren mit der ersten transportablen Loopingbahn begonnen hatte, die heutzutage aber wohl kaum mehr möglich wäre.

Neupreis: 25 Millionen Euro

„Ich würde eine solche Investition heute nicht mehr tätigen“, gibt Achterbahn-Pionier Rudolf Barth frei und offen zu. Damals musste er 13 Millionen D-Mark für die „nackte Bahn“ auf den Tisch legen, den Fuhrpark noch nicht einmal eingerechnet. Allein der für den Auf- und Abbau benötigte Autokran schlug mit weiteren 2,7 Millionen D-Mark zu Buche. „Heute würde eine solche Bahn inklusive Fuhrpark sicherlich rund 25 Millionen Euro kosten“, ist der 74-Jährige überzeugt. Eine Investition, die einfach nicht mehr zu refinanzieren sei.

Nicht, dass das Publikum im Laufe der Jahre im Zuge auch der boomenden Freizeitparks den Spaß an der Kirmes verloren hätte, im Gegenteil: „Auf dem Oktoberfest haben wir immer noch jedes Jahr mehr Fahrgäste“, betont Barth. Nein, es sind die laufenden Betriebs- und Transportkosten, die davongaloppiert sind. Früher ist Rudolf Barth mit dem „Olympia-Looping“ Jahr für Jahr sechs bis acht Plätze angefahren, war zwischen München und Hamburg unterwegs. In diesem Jahr sind es gerade einmal zwei Volksfeste, die er ansteuert: Düren und München.

„Als wir im vergangenen Jahr nach dem Oktoberfest noch zum Bremer Freimarkt gefahren sind, hat uns allein der Transport rund 80.000 Euro gekostet“, verrät der Schausteller. Kein Wunder: Für das mehr als 900 Tonnen schwere Geschäft werden 60 Lkw-Transporte benötigt. „Nach 16 Tagen blieben dann keine 20.000 Euro übrig. Das lohnt sich einfach nicht mehr.“

Barth rechnet weiter: „Ich muss jeden Winter zwischen 150.000 und 200.000 Euro für Reparaturen in das Geschäft stecken.“ Und natürlich will auch das rumänische Personal bezahlt werden. Wenn Barth in früheren Jahren den „Olympia-Looping“ in nur fünf Tagen von Düren nach Straubing versetzte, benötigte er nicht zur zusätzliche Autokräne, sondern auch an die 30 Mann Personal. Den stressfreien Aufbau in den vergangenen Tagen in Düren stemmten gen gerade einmal sechs bis acht Mitarbeiter.

Dass Barth mit dem „Olympia-Looping“ nach dem zwölften und bislang letzten Gastspiel 2009 überhaupt noch einmal den Weg nach Düren gefunden hat, war alles andere als selbstverständlich. „Die Stadt ist uns sehr entgegenkommen“, betont der Schausteller, der im nahen Euskirchen eine große Halle besitzt, in der das Fahrgeschäft überwintert. Entsprechend überschaubar waren daher die Transportkosten. „Deshalb kann ich in Düren auch günstigere Fahrpreise als in München anbieten“, kündigt Barth an.

Wie lange er noch mit dem „Olympia-Looping“ unterwegs ist und ob er in den kommenden Jahren noch einmal nach Düren zurückkommen wird, lässt Rudolf Barth offen. „Ich könnte das Geschäft von heute auf morgen verkaufen. Angebote aus Freizeitparks in Fernost gibt es genug“, sagt der Schausteller, der im August 75 Jahre alt wird. Im kommenden Jahr will er vor dem Oktoberfest die Düsseldorfer Rheinkirmes und das Volksfest in Herne-Crange anfahren. Was danach kommt, steht in den Sternen.

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