Ein Flüchtlingslager im Herzen der Stadt

Von: Sarah Maria Berners
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„Hiermit erkläre ich Düren zum Klimaflüchtlingslager“: Der Künstler Hermann Josef Hack (vorne) und sein Assistent Jan Falkenberg haben am Samstag vor dem Museum mehr als 600 Miniaturzelte aufgebaut, um auf die Situation der Flüchtlinge aufmerksam zu machen. Foto: smb

Düren. „Wenn manche Menschen über den Klimawandel sprechen, dann fallen Sätze wie: ‚Dann können wir endlich auch in Deutschland Zitronen pflanzen‘ und ‚Dann brauchen wir zum Urlaubmachen nicht mehr so weit in den Süden zu fahren‘“, erzählt Hermann Josef Hack. Den Künstler ärgert diese Sicht auf die Dinge.

Sie ärgert ihn, weil sie in ihrer zugespitzten Form eine gewisse Haltung verdeutliche: All das findet weit weg von uns statt. Die Folgen des Klimawandels werden uns in Europa schon nicht so schmerzhaft treffen.

Der Siegburger Künstler hat es sich daher zur Aufgabe gemacht, mit Kunst auf die Situation von Klimaflüchtlingen aufmerksam zu machen. Ihm reicht es aber nicht, eine begrenzte Zuschauerzahl in Museen anzusprechen. Deswegen bringt er „Flüchtlingslager“ in die Städte. Am Samstag hat er mit mehr als 600 Flüchtlingszelten im Miniaturformat vor dem Leopold-Hoesch-Museum zum Nachdenken angeregt.

Der Künstler verfolgt die Debatten um die Aufnahme von Flüchtlingen und er ist besorgt, wie die Zukunft aussehen wird, wenn viele Länder schon heute keine Flüchtlinge mehr aufnehmen möchten, die Welt sich aber gleichzeitig auf eine Zunahme der Flüchtlinge einstellen müsse.

Im Dialog mit den Passanten erläuterte Hack, dass es bereits jetzt weltweit 50 Millionen Flüchtlinge gebe. „Nach Schätzungen der Vereinten Nationen sollen im Jahr 2050 rund 200 Millionen Menschen auf der Flucht sein“, schilderte der Künstler. Kriege, zum Beispiel um Wasser, Naturkatastrophen und die unmittelbaren Folgen des Klimawandels würden die Ärmsten und Verwundbarsten an den Küstenstreifen und im jetzt schon dürren Landesinneren am härtesten treffen.

Und denen, die fragen „Was hat das mit mir zu tun?“, entgegnet er: „Ist es deine Absicht, dass wir Menschen, denen ihre Heimat genommen wurde, an unseren europäischen Grenzen mit Hightech-Waffen wie feindliche Eindringlinge bekämpfen?“

Diskurs anstoßen

„Auch ich habe keine Lösung für diese Probleme parat“, sagt der Künstler. Aber er möchte eine Diskussion anstoßen, er möchte, dass der Weg für die Zukunft bereitet wird. „Diese Problematik kann uns nicht kalt lassen. Verdrängen wird uns nichts nutzen, ebenso wenig wie eine Politik der Bekämpfung von Flüchtlingen.“

Schon seit 2007 tourt Hermann Josef Hack mit seinem „Klimaflüchtlingslager“ durch das Land und die Welt, er hat Stationen in London, Madrid, Peking, Mumbai und Addis Abeba gemacht. Er stellt seine Zelte auf großen Plätzen und in Einkaufszonen auf, um Zusammenhänge zwischen dem Konsum und den „sozialen Folgen der Klimakatastrophe“ sichtbar zu machen.

Die Aktion in Düren war eine Aktion des Fördervereins für Menschenrechte Düren und stand im Kontext der Ausstellung „Konzeption Landschaft“ die das Leopold-Hoesch-Museum in Kooperation mit der Landesgartenschau Zülpich zeigt.

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