Rölsdorf - Ein Drache hilft, sich besser gegen Mobbing zu wehren

Ein Drache hilft, sich besser gegen Mobbing zu wehren

Von: Carsten Rose
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Drako, der grüne Drache, bekommt von den Schülern der Nikolaus-Schule ordentlich was zu hören. Sie trainieren Konfliktverhalten, respektvollen Umgang und Teamfähigkeiten. „Gewaltfrei lernen“ heißt die Initiative, die für ein besseres Klima in den Schulklassen sorgen will. Foto: Carsten Rose

Rölsdorf. Drako, der grüne Stoffdrache, tut wirklich niemandem etwas zuleide – auch nicht den Grundschülern an der Nikolaus-Schule in Rölsdorf. Drako ist mit seinen Krallen, Hörnern und dem offenen Maul dennoch ein Sinnbild für Sticheleien, Beleidigungen und Mobbing. Deswegen sagen die 17 Drittklässler ihm auch laut und deutlich die Meinung: „Stopp, Drako! Hör sofort auf!“

Drako steckt als Puppe auf der rechten Hand von Monika Seibert, Sportwissenschaftlerin und Konflikttrainerin. Mit dem Programm „Gewaltfrei lernen“ übt sie an der Nikolaus-Schule mit 120 Kindern Konfliktverhalten, respektvollen Umgang und Teamfähigkeit. Die GGS in Rölsdorf ist nach der Grüngürtelschule, der GGS Hoven und der St.-Bonifatius-Schule die vierte Dürener Grundschule, die das Angebot wahrnimmt. Sechs Stunden spielerisch-sportlichen Unterricht erhält jede Klasse. „Kindern fällt es schwer, etwas zu ignorieren“, sagt Seibert. Daher zeigt sie den Kindern auch, wie man eine kalte Schulter zeigt. So heißt das bei den „cooleren“ Viertklässlern, bei den jüngsten Schülern ist es die „Elefantenhaut“.

Fortbildungen für Lehrer

Die Trainingseinheiten seien aber keine Momentaufnahmen. Es gehe um einen nachhaltigen Prozess – ebenso bei den Lehrern. Schulleiter Uwe Dreyhaupt: „Die Lehrer bekommen Weiterbildungen, wir reflektieren das Thema in Konferenzen. Sie sind oft dankbar über die einfachen Mittel, wie man Konflikte schlichtet.“ Von dem Kölner Verein „Gewaltfrei lernen“ gibt es alle drei Monate Erinnerungsschreiben, um das Thema präsent zu halten.

Der Bedarf für das Training war definitiv da, erklärt Dreyhaupt. An seiner Schule gab es aufgrund vieler Kinder aus sozialschwachen Verhältnissen öfters Probleme. Weniger in Form von körperlicher Gewalt, sondern vermehrt mit schweren Beleidigungen und Mobbing. „Beleidigungen und Ausgrenzung nehmen zu – und das tut genauso weh wie körperliche Gewalt“, schildert Sybille Wanders, die das Training jährlich an der Grundschule St. Bonifatius anbietet; das nächste Mal im Herbst. Ihrer Meinung nach lohnen sich die Einheiten mit den Schülern auch für die Lehrer, die bei Erziehungsaufgaben entlastet würden und von den externen Kräften lernen könnten. „Konflikte müssen geschult werden, das sollte besser in die Lehrerausbildung integriert werden“, sagt Wanders. Sie findet es darüber hinaus „traurig“, dass das Thema zu wenige Eltern erreicht, da sich viele für Erziehungsmaßnahmen in der Schule nicht interessieren würden. Auch aus Angst, belehrt zu werden, sagt Wanders.

Geringe Elternbeteiligung

Mangelnde Elternbeteiligung beklagt ebenfalls Uwe Dreyhaupt. Beim Elternabend lag die Resonanz – zieht man die Eltern der Viertklässler ab, die im Sommer die Schule verlassen – bei unter 25 Prozent. „Und einige Eltern, die wir eigentlich gerne gesehen hätten, waren nicht da“, ergänzt Dreyhaupt. Oliver Henneke aus dem „Gewaltfrei lernen“-Vorstand sagt zu dieser Problematik: „Manche Eltern nehmen das Thema überhaupt erst wahr, wenn sie Geld bezahlen müssen. Ansonsten werden viele Schreiben der Schule oft ignoriert.“ Den größten Kostenanteil für das Programm übernimmt in Düren die Sparda-Bank-West-Stiftung – seit 2010 hat sie bereits 90 Schulen in NRW unterstützt.

Dazu muss jede Schule einen Eigenbeitrag leisten, das ist Voraussetzung für eine Bewerbung für das Programm. In der Regel ist das ein einstelliger Betrag für die Eltern. „Es ist ein nachhaltiges Konzept, und die Kinder lernen Techniken fürs Leben“, sagt Carsten Züll, Sparda-Bank-Filialleiter in Düren und Jülich. Des Weiteren achten „Gewaltfrei lernen“ und der Förderer auf das Engagement der Schule, das Projekt auch ohne Training weiterzuführen. „Die Organisationsstruktur innerhalb der Schule ist uns wichtig. Schulen sollen den Impuls, den wir geben, weitertragen“, sagt Henneke.

Wirkungen des Trainings habe Uwe Dreyhaupt schon auf dem Schulhof gesehen, erzählt der Schulleiter – besonders bei den Erstklässlern, die einige Tipp beherzigen, wenn der Gegenüber mal nicht aus grünem Stoff ist.

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