Ein Blick hinter die Kulissen der Annakirmes

Von: Jörg Abels
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Von Daten und Fakten zu einzelnen Fahrgeschäften bis zum Blick auf den Sicherheitscomputer im „Infinity“, von Einblicken in die Stromversorgung bis zum Mandelbrennen: Der „Blick hinter die Kulissen der Annakirmes“ hatte wieder einmal viele Facetten. Foto: Abels

Düren. Wenn die atemberaubende Überschlagschaukel „Infinity“ mit bis zu 125 Stundenkilometern über die Köpfe der Kirmesbesucher fegt und die Fahrgäste mit bis zu 5g – der fünffachen Erdanziehungskraft – in die Sitze presst, hat Sicherheit oberste Priorität. „Sicherheit ist unser zweiter Vorname“, versicherte Betriebsleiter Tobias Körbs den DZ-Lesern beim „Blick hinter die Kulissen der Annakirmes“.

Keine Wassertanks

In der acht Monate alten Weltneuheit der niederländischen Schaustellerfamilie Hoefnagels gibt ein Sicherheitscomputer die atemberaubende Fahrt erst dann frei, wenn wirklich alle Bügel an den Sitzen geschlossen sind und kein einziges Steuerungselement einen noch so kleinen Fehler meldet. Alles ist doppelt abgesichert. Auch die Fahrt selbst steuert zum Großteil der Computer.

Sollten bei einem Gewitter einmal Sturmböen mit einer Geschwindigkeit von mehr als 15 Metern pro Sekunde (Windstärke 8) über den Platz fegen, ist es ebenfalls der Computer, der die Fahrt stoppt.

Es sind Details wie diese, die die Teilnehmer der DZ-Sommertour faszinieren. Dass der 2,5 Millionen Euro teure Prototyp auf die ansonsten bei Hochfahrgeschäften üblichen Wassertanks als Gegengewicht verzichten kann, verblüfft ebenfalls. Das ganze Fahrgeschäft passt auf vier Transporter, davon zwei Schwertransporter, erklärt Tobias Körbs, die während des Betriebs als Kontergewicht dienen.

Bei der Achterbahn „Drifting Coaster“, der einzigen ihrer Art mit schwingenden Gondeln, sind es zehn Lkw, die benötigt werden, berichtet Chef Mike Ahrend. Entsprechend höher sind die Transportkosten. Das Umsetzen der Drei-Millionen-Euro teuren und rund 100 Tonnen schweren Bahn von Zürich nach Düren hat den Schausteller schlappe 10.000 Euro gekostet – schon relativiert sich auch in den Augen der DZ-Leser der Fahrpreis von fünf Euro pro Person.

Und auch das Verständnis für den Bier-, Backfisch- und Bratwurstpreis wächst ein wenig, als Kirmeswirt Bruno Dreßen vom zweiwöchigen Aufbau seiner Karussellbar mit zehn Mitarbeitern berichtet und erklärt, dass sich in Spitzenzeiten bis zu 35 Servicekräfte um das Wohl der Gäste kümmern.

„Die Ware ist immer frisch“, betont Dreßen. „Wir bestellen nachts bis 3 Uhr bei unserem Lieferanten in Duisburg und werden dann morgens bis 9 Uhr beliefert.“

Interessant wird es auch, als Netzmeister Oliver Perz von der Stadtwerke-Tochter Leitungspartner die Tür zur Schaltzentrale der Annakirmes öffnet. Der Rummel verbraucht in neun Tagen so viel Strom wie der gesamte Stadtteil Rölsdorf. Die mittlerweile zum Standard gehörende LED-Beleuchtung hat den Stromverbrauch zwar sinken lassen, dafür benötigen die immer rasanter werdenden Fahrgeschäfte wie der „Infinity“ immer mehr Leistung, erklärt Perz.

Er spricht von einer Grundlast aller Kirmesgeschäfte, die ausreichen würde, um 10.000 Pedelecs oder 1250 Waschmaschinen zu betreiben. „Und das verdoppelt sich in Spitzenzeiten.“ An den ersten beiden Kirmestagen sind Perz und seine Kollegen permanent vor Ort und kontrollieren, ob der vorher am Schreibtisch berechnete Strombedarf ausreicht oder ob nachgesteuert werden muss.

Wie wichtig die Präsenz ist, zeigte sich auch am vergangenen Samstag, als der Computer des Überkopfkarussells „Predator“ einen Fehler meldete. „Da haben wir ein bisschen nachgelegt und alles lief wieder rund.“

Sorgen, die Schausteller Toni Schleifer mit seiner aus dem Jahr 1939 stammenden und weitgehend original erhaltenen Berg- und Talbahn „Fahrt ins Paradies“ nicht hat. Wie er den Lesern während einer Probefahrt erklärt, benötigt der Originalmotor nur eine Anschlussleistung von acht Kilowatt für die durchaus rasante Fahrt, beim „Predator“ zum Beispiel sind es mehr als 30-mal soviel, 250 Kilowatt.

Der von Bert Cremer, dem Vorsitzenden des Vereins Reisender Schausteller Düren, und seinem Stellvertreter Udo Lausberg organisierte „Blick hinter die Kulissen“ vergeht wie im Flug. Selbst der Dauerregen trübt die Stimmung an diesem Mittag nicht.

Die DZ-Leser erfahren bei Kirmesurgestein Uli Paulus Wissenswertes rund um das Mandelbrennen, das Cremers Tochter Celina im 320 Grad heißen Kupferkessel anschaulich demonstriert, und dürfen sich bei Roswitha Breuer mal an der Zuckerwattemaschine, dem schnellsten Fahrgeschäft der Annakirmes, versuchen. Als Rekommandeur einer Losbude gibt Robert Melssen eine so gute Figur, dass ihm Bert Cremer schon einen Job auf der Kirmes vermitteln wollte.

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