Jülich/Langerwehe - Ein bisschen Spaß wird wohl erlaubt sein

Ein bisschen Spaß wird wohl erlaubt sein

Von: Stephan Vallata
Letzte Aktualisierung:
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Ganz im Ernst: Marlene Wittfeld reflektiert das Leben in ihren Acrylbildern aus der humoristischen Perspektive. Foto: Vallata

Jülich/Langerwehe. Kunst ist nicht nur schön und macht viel Arbeit, wie Karl Valentin einst feststellen musste. Kunst ist auch eine verdammt ernste Sache. Wenn Marlene Wittfeld das hört, kann sie eigentlich nur lachen.

„Man soll von meinen Bildern gute Laune kriegen”, widerspricht sie dem ungeschriebenen Dogma, dass sich Künstler am Weltschmerz oder wenigstens an ihrem persönlichen Elend abzuarbeiten haben. Die Gemälde von Marlene Wittfeld sind schmerzfrei. Risiken und Nebenwirkungen? Unbedingt: spontane Kontraktionen des Zwerchfells. Im Grunde völlig harmlos.

„Willst Du fliegen?”

Gute Laune könnten Besucher ihres Ateliers Margarethenhof zwischen Jülich und Stetternich schon bekommen, noch bevor sie die Schwelle übertreten haben. Eine Treppenstufe gilt es zu überwinden. „Willst Du fliegen?”, steht auf der Kante, seitdem einige Besucher etwas unvorsichtig unterwegs waren. Eine Warnung, die gar nicht mal so ernst klingt.

Apropos Fliegen: Im Esszimmer baumelt eine alte amerikanische Fliegerbombe von der Decke. Sie bringt aber nicht Tod und Verwüstung, sie spendet bloß Licht. So trägt die Rüstungsindustrie ihren Teil dazu bei, die Finsternis zu erhellen. Auch mal schön.

Doch zurück zu Malerei: Drei stattliche Damen stehen am weißen Sandstrand, blicken hinaus ins Meer. Zwei tragen unauffällige Bikinis, die dritte einen knallroten. „Sei einzig, nicht artig”, ist über die Szenerie geschrieben. Auf einem anderen Bild schwimmt ein grüner Fisch gegen den nicht enden wollenden Strom ihm entgegenkommender Artgenossen. „Be different - be happy”, lautet das Fazit.

Marlene Wittfeld hat so ein bisschen den Schalk im Nacken, könnte man sagen. Sie sagt jedenfalls mit den Worten von Oscar Wilde: „Das Leben ist zu wichtig, um ernstgenommen zu werden.” So möchte die 62-jährige Jülicherin auch ihr künstlerisches Schaffen verstanden werden wissen, eine Art Mischung zwischen Malerei und Cartoon. Die Übergänge sind da fließend.

Sie malt mit Acrylfarbe auf Leinwand, wobei sie die Farbe wässrig anmischt und so einen Aquarell-Effekt herstellt. Zuerst wird die Leinwand grundiert, zum Schluss lackiert. So entstehen Werke von großer farblicher Intensität. Besonders bedeutungsschwanger daherzukommen, das ist Marlene Wittfelds Sache nicht. Den erhobenen Zeigefinger sucht man in ihren Bildern vergebens. „Ich will den Leuten nicht sagen, wie sie ihr Leben meistern sollen.”

Es geht ihr vielmehr darum, die Realität aus einer humoristischen Perspektive zu reflektieren. Die Übersetzerin für Englisch und Deutsch ist über die Keramik zur Malerei gekommen. „Wie viele Hausfrauen habe ich getöpfert”, sagt sie und nimmt sich dabei selbst nicht allzu ernst. In der Toskana und Fuerte Ventura hat sie Meisterkurse besucht, sich viele Fertigkeiten allerdings auch autodidaktisch angeeignet. Ihrem Stil will sie natürlich treu bleiben. Dann haben die Leute nämlich immer was zu lachen.
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