Ein Besuch auf der Wurmfarm: Von der Kinderfrage zur Geschäftsidee

Von: Sarah Maria Berners
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Martin Langhoff mit einer der Kisten, in denen die Würmer gezüchtet werden. Foto: Sarah Maria Berners
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Frisch geschlüpft: Wenn die Wurmkokons eine braune Farbe annehmen, dann dauert es nicht mehr lange, bis ein kleiner Wurm auf die Welt kommt. Würmer in grünen Kokons brauchen noch etwas Zeit. Foto: Sarah Maria Berners

Düren. „Papa, wie vermehren sich eigentlich Regenwürmer?“ Mit dieser Frage und zwei Regenwürmern in der Hand stand Marvin Langhoff als Sechsjähriger vor seinem Vater. „Aber ich hatte keine Ahnung“, erzählt Martin Langhoff lachend.

Also setzten er und sein Sohn sich vor den Rechner und begannen im Internet Antworten zu suchen. „Wir waren fasziniert von diesen Tieren“, schildert Martin Langhoff.

Heute sind Vater und Sohn Experten in Sachen Regenwürmer. Und die Frage aus dem Kindermund ist rückblickend der Grundstein für ein Familienunternehmen mit einigen Angestellten gewesen. Denn bei der Suche im Internet erfuhren die beiden nicht nur, wie Würmer sich vermehren. „Wir stießen auch auf das Wort ‚Wurmfarm‘. Die gab es überall in der Welt. Nur in Deutschland nicht“, erzählt Martin Langhoff. Dann reifte die Idee, genau dies zu verändern.

Angefangen hat alles in der Garage neben dem Wohnhaus der Familie in Golzheim. Dort begann Martin Langhoff, gelernter Bauingenieur, im Jahr 2000, sich mit der Wurmzucht zu beschäftigen und entsprechende Geräte dafür zu entwickeln. 2001 wurde ein Internet-Shop ins Leben gerufen, die Garage platzte bald aus allen Nähten. Mit einem Businessplan in der Hand ging Martin Langhoff zur Bank. „Wurmzüchter“ werden dort nicht alle Tage vorstellig. Die Banker haben geschmunzelt, aber das Startkapital gab es trotzdem.

Nach dem Umzug aus der Garage ins Gewerbegebiet sah die Halle viel zu groß für das wenige Equipment aus. Mittlerweile ist Halle 3 in Planung. „Wir produzieren zehn Tonnen Würmer pro Jahr und beliefern zum Beispiel viele Zoos in Deutschland sowie den in Wien“, erzählt Langhoff. Die Zoos brauchen die Würmer wie auch private Tierhalter zum Füttern ihrer Tiere. Außerdem sind Angler und Gärtner Kunden der Dürener Firma.

In großen weißen Kisten, die auf etlichen Paletten gestapelt sind, schlüpfen täglich viele kleine Würmchen der Sorte „Eisenia hortensis“ aus ihren Kokons. Angler kennen sie als Dendrobena, für den Laien ist „Riesen-Rotwurm“ wohl der praktikabelste Begriff. Manche Würmer bewegen sich gemächlich durch die Erde, andere bewegen sich so rasch, dass sie beinahe springen.

Allzu zartbesaitet darf nicht sein, wer auf der Wurmfarm arbeitet. „Aber ich habe mich von Anfang an nicht vor den Würmern geekelt“, erzählt Martina Langhoff, während sie immer 500 Gramm wuseliger Würmer aus der weißen Kiste nimmt, sie abwiegt und für die Reise fertigmacht.

Martin Langhoff hat eine Maschine entwickelt, mit der er die Wurm-Kokons (Wurmeier) aus der Erde aussortieren kann. „Die Kokons lassen sich über weite Strecken besser transportieren“, erklärt Langhoff. Erst vor Kurzem sei eine Bestellung über 1,5 Millionen Kokons für die baltischen Staaten eingetroffen. Auch nach Sibirien habe er schon Wurmeier geliefert.

„Wenn ich einen Wurm durchschneide, habe ich dann zwei Würmer?“ Diese Frage hört Martin Langhoff immer wieder. „Aber das funktioniert nicht. Das hintere Ende wird auf keinen Fall überleben, das vordere kann überleben, wenn sich keine Entzündung bildet.“

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