Ein begeisterter Hochspringer kämpft mit 41 Jahren für Deutschland

Von: Sandra Kinkel
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Jan Serner im Nationaltrikot beim Länderkampf vor zwei Wochen in Frankreich. Foto: Lutwin Jungmann

Düren. Für einen Hochspringer ist Jan Serner mit einer Körpergröße von 1,89 Meter eher klein. Und trotzdem ist der 41-Jährige in der Halle schon einmal 2,03 Meter gesprungen. 2011 ist er in seiner Altersklasse Deutscher Meister geworden, vor zwei Wochen ist er beim Länderkampf im französischen Sarreguemines im Trikot der deutschen Nationalmannschaft gestartet.

Als Kind hat Jan Serner, der nach einer Ausbildung zum Bankkaufmann heute als Polizist arbeitet, von einer Karriere als Profisportler geträumt. „Ich bin in der DDR aufgewachsen“, erzählt er. „Als ich bei unseren Bundesjungendspielen den Schulrekord gebrochen habe, bin ich damals zum Leistungssport abkommandiert worden.“

Kurz bevor er den Sprung ins Sportinternat geschafft hatte, endete allerdings für Serner der Traum von der Profikarriere. „Mein Vater hat damals versucht, aus der DDR zu fliehen. Die Flucht missglückte, meine Eltern sind ins Gefängnis gekommen. Und für mich war die Sportförderung der DDR auch zu Ende. Ich war das Kind eines Bürgers, der zum Klassenfeind wechseln wollte.“ Für ihn, sagt Serner, sei damals eine Welt zusammengebrochen. „Mein Lebenstraum war die Teilnahme an einer Weltmeisterschaft oder Olympischen Spielen. Der war zerstört.“

1988 konnte die Familie Serner die DDR verlassen und ist nach Düren gekommen. „Damals habe ich angefangen, Fußball zu spielen. Ich hatte irgendwie mit der Leichtathletik und dem Hochsprung komplett abgeschlossen.“ Bei einem Spiel seiner Mannschaft hat Willi Trocha vom Dürener Turnverein Jan Serner entdeckt. „Erst von da an habe ich wieder Leichtathletik gemacht.“

Serner hat mehrere Kreisrekorde gebrochen – im Hochsprung, aber auch im Hürdenlauf und im Fünfkampf. „Seit einigen Jahren“, sagt er, „ist der Hochsprung aber schon mein absoluter Schwerpunkt.“ Das Fliegen, der eine kurze Moment des Schwebens mache für ihn den besonderen Reiz dieser Sportart aus.

„Die eine Sekunde, in der man ganz alleine in der Luft ist, ist für mich außergewöhnlich. Und dass man sich bei dieser Sportart bei jedem Sprung immer wieder selbst besiegen muss. Beim Hochsprung liegen Mut, Verzweiflung, Freude und Angst ganz nah beieinander.“

Aufgrund seines Schichtdienstes bei der Polizei kommt Jan Serner nicht mehr so häufig zum Trainieren, wie er es sich wünscht. „Ich bin Co-Trainer bei der Fußballmannschaft meines Sohnes und trainiere im Anschluss an deren Training immer noch für mich selbst.“ Vor den Wettkämpfen – um die fünf absolviert Jan Serner jedes Jahr – versucht er, an seiner Technik zu feilen.

Für die Nationalmannschaft hat er sich Dank seiner guten Leistungen auf Bundesebene qualifiziert. „Ich lande seit Jahren immer wieder auf vorderen Plätzen bei Deutschen Meisterschaften. Und für Deutschland im Nationaltrikot starten zu dürfen, war wirklich ein ganz besonderes Erlebnis.“ Serners nächster großer Wettkampf sind die Deutschen Hallenmeisterschaft in Erfurt im Januar. „Ohne die Unterstützung meiner Familie und meiner Kollegen“, erzählt er, „könnte ich meinen Sport nicht so ausleben. Dafür bin ich sehr dankbar.“

Ein Leben ohne Sport kann Jan Serner sich absolut nicht vorstellen. „Der Sport ist ungeheuer wichtig für mich. Er gibt mir Kraft und Selbstvertrauen.“

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