Eigene Schwester angegriffen: Ein Jahr Haft für Messerstich

Von: hp
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Düren. Das Gericht musste recht lange „im Nebel herumstochern“, wie es der Vorsitzende Richter Peter Lüttgen beschrieb. Denn diejenigen, die für Klarheit hätten sorgen können, machten von ihrem Recht Gebrauch, als nahe Angehörige die Aussage zu verweigern.

Doch der Reihe nach: Am 28. August wurde eine 27 Jahre alte Frau nach einem Streit mit ihrem 24-jährigen Bruder durch einen Messerstich erheblich verletzt. Die rund acht Zentimeter lange Klinge traf die Frau im Bauch. Sie verfehlte offenbar nur knapp Leber und Zwerchfell und hinterließ nach Aussage einer Rechtsmedizinerin der Uniklinik Köln einen etwa zwölf Zentimeter tiefen Einstichkanal sowie erhebliche Blutungen.

Bis zuletzt hielt der Verteidiger des Angeklagten daran fest, dass es sich um einen Unfall gehandelt habe, weil die junge Frau ins Straucheln geraten und dabei in die Klinge des Messers gefallen sei. Im Übrigen hatte der Angeklagte erhebliche Erinnerungslücken, die möglicherweise auf Cannabis- und Alkoholkonsum am Tattag zurückzuführen sind.

„Der will mich umbringen“

Ebenso verschwiegen waren das Opfer und die Mutter der Geschwister. Blieben also die Aussagen der Polizeibeamten und die Bewertung medizinischer Gutachten. Ins Gewicht fiel die Aussage eines Polizisten. Unmittelbar nachdem die Ordnungshüter damals an der Rütger-von-Scheven-Straße in Düren eingetroffen waren, sei das Opfer sehr emotional aufgebracht umhergelaufen und habe mehrfach den Umherstehenden monologartig gesagt: „Der will mich umbringen. Ich glaub’ es nicht, da sticht der mich an!“

Eine Kollegin wollte dies nicht bestätigen, verwies aber darauf, dass sie nochmals zum Streifenwagen gegangen sei, um Handschuhe und ein Funkgerät zu holen. Gegen die Version eines Unfalls sprach auch, dass das Tatmesser im Ehebett der Eltern versteckt worden war. Auch die Ärztin der Uniklinik Köln unterstrich, dass der Einstichwinkel eher auf ein Zustechen hindeute.

Bei einem Hineinfallen hatte das Opfer mit den Knien auf den Boden aufschlagen müssen. Eingehende Untersuchungen hätten dies aber ausgeschlossen. Das Schöffengericht verurteilte den einschlägig wegen verschiedener Körperverletzungsdelikte vorbestraften 24-Jährigen zu einer einjährigen Haftstrafe. Dies entsprach dem Antrag der Staatsanwältin.

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