Eifeler Platt und Anekdoten aus dem Leben

Von: Anke Holgersson
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Jupp Hammerschmidt erzählt in der „Alten Schmiede“ in Kelz Geschichten aus der Eifel. Foto: Holgersson

Kelz. Lange bevor Jahrmarktsattraktionen „Power Tower“ oder „Hangover“ hießen, stand auf einer Eifeler Kirmes eine Schiffschaukel. Und wer da nach einem vierfachen Überschlag noch immer drinsaß, war der Held des Platzes und der Mädchen. Jupp Hammerschmidts Geschichten, im Eifeler Platt erzählt, nahmen die Zuschauer in der gut besuchten „Alten Schmiede“ mit auf eine Reise in die 50er und 60er Jahre des 20. Jahrhunderts.

Damals war der Höfener Jung gerade in den „Fläjelsjohr“, also in der Eifeler Version der Pubertät. Ausführlich erzählte Hammerschmidt vom Sinnesrausch bei der Fahrt mit der Angebeteten auf dem Kettenkarussell und beim Futtern des heiß geliebten „Nujablocks“. Es könne ja gar nicht anders sein, als dass dieser zementartige, rautenförmige Nougatblock damals auch in der DDR der Renner gewesen sein muss.

Schließlich habe er Angela Merkel die Idee zu ihrer Lieblingspose gegeben. Und so wie sich damals die Kinder die Zähne ausbissen an der harten Süßigkeit, so würden das die politischen Gegner der Bundeskanzlerin heute an ihr tun. So wie neulich ein gewisser St. Martin aus Würselen.

In seinem aktuellen Programm „Ne baschtisch wracke Wönk“ (was frei übersetzt soviel heißt wie „Ein außerordentlich fieser Wind“) beschreibt Hammerschmidt liebevoll die Eigenheiten der Bewohner der Eifel, dem „Sibirien Preußens“. Dort sei der Wind so mörderisch stark, dass man zum Schutz um Haus und Hof besser eine hohe Buchenecke herum pflanze und Worte sparsam verwende, um den eiskalten Wind nicht auch noch in die Atemwege gelangen zu lassen.

Im Verlauf des Abends dichtete und sang Hammerschmidt auch. Schon um zu belegen, dass beispielsweise Beethovens Hymne „Freude schöner Götterfunken“ eigentlich in der Eifel entstanden ist, anlässlich einer der oben genannten Kirmes-Feierlichkeiten. Die ursprüngliche Textfassung lautete: „Fremde, die wie Götter schunkeln, grölen im Delirium“. Goethe dichtete Hammerschmidt ein Ferienhaus in der Eifel an, beschloss, dass dieser fließend Eifler Platt sprach und trug zum Beweis die Originalfassung eines von Goethes bekanntesten Werken vor, die Ballade vom Perlkönig.

Die Zuschauer erfreuten sich sichtlich an Hammerschmidts Geschichten rund um das Universalmittel Maggi, das in der Eifel gleichzeitig zum Würzen und zum Entfernen von Warzen Verwendung findet, und um das vom Aussterben bedrohte Doppelfenster und den Vanillebrei, der auch angebrannt noch schmeckt, wenn man ihn als „Karamellbrei“ anbietet. Zwischendurch gab es an diesem vergnüglichen Heimatabend im Dialekt immer wieder Übersetzungen ins Hochdeutsche.

Die Pflege und Vermittlung seiner Muttersprache ist Hammerschmidt ein echtes Anliegen. Die Veranstaltung wurde organisiert vom Kultur- und Naturfreunde e.V. im Rahmen der Initiative „Kulturprojekt Kelz“. Die nächste Veranstaltungen am Freitag, 27. Oktober, findet im Kulturhaus statt, ein Oktoberfest mit dem Duo „Alpensterne“. Für Samstag, 18. November, hat der Verein die Irish Folk-Band „Ben Bulben“ in die Kirche St. Michael eingeladen.

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