Eierkauf: im Augenblick lieber regional

Von: Sandra Kinkel
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Weil Fipronil in Hühnerställen zur Desinfektion eingesetzt wurde, sind in großem Umfang Eier mit dem Insektizid verseucht. Viele Verbraucher kaufen deswegen vermehrt bei regionalen Erzeugern. Foto: Imago/Stock&People

Kreis Düren. Eier aus dem Supermarkt sind für Tabea Zimmermann im Augenblick tabu. Die 34-Jährige steht mit Töchterchen Zoé auf dem Dürener Wochenmarkt und packt gerade zehn braune Eier in ihren Einkaufskorb. „Auch wenn es erst bei hoher Konzentration wirklich gefährlich wird“, sagt Tabea Zimmermann, „möchte ich kein Fipronil in meinem Essen haben. Punkt.“

Fipronil ist ein Insektizid, das zur Desinfektion in Hühnerställen eingesetzt worden ist – verbotenerweise. Auch wenn das Mittel nicht verfüttert, sondern im Stall versprüht wurde, haben es die Hennen im Körper aufgenommen. Über die Haut, beim Einatmen, auch beim Picken.

„Die Kunden sind verunsichert“, sagt Gerhard Moonen, der in Langerwehe einen kleinen Betrieb mit 1500 Hühnern hat. „Und der Andrang ist im Augenblick sehr groß. Allerdings legen die Hühner ja nicht plötzlich mehr Eier als vorher. Auffallend ist auch: Bevor die Leute unsere Eier kaufen, möchten sie genau wissen, wie wir arbeiten.“

Ähnliches erlebt auch Wilhelm Püllen, der im Nörvenicher Ortsteil Eschweiler über Feld einen Betrieb mit 26 000 Hühnern betreibt – deutlich größer als der von Gerhard Moonen also, aber immer noch viel kleiner als die Massenbetriebe mit bis 100 000 Hennen. „Wir müssen im Augenblick sehr viel erklären. Die Kunden wollen eine ehrliche Auskunft, und die sollen sie auch bekommen.“

Natürlich sind auch Milben, gegen die das Insektizid in den Hühnerställen vor allen Dingen eingesetzt worden ist, auch in den Betrieben von Gerhard Moonen und Wilhelm Püllen ein Thema. „Es gibt keinen Hühnerstall ohne Milben“, sagt Moonen. „Als es im April und Mai so heiß war, haben die Milben sich unglaublich stark vermehrt.“

Sowohl Moonen als auch Püllen setzen bei der Bekämpfung der unangenehmen Spinnentiere auf Gesteinsmehl. Püllen: „In unseren Ställen stehen große Bottiche mit feinem Gesteinsmehl, das die Hennen zum Staubbaden nutzen.“ Durch das Mehl, das sich im Gefieder der Hühner verteilt, trocknen die Milben aus. Püllen: „Staubbaden gehört zum natürlichen Verhalten der Hühner. Die machen das gerne.“

Bei Desinfektionsmitteln für seine Ställe setzt Püllen auf solche, die mit dem Prüfsiegel der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft versehen sind. „Ich habe lange mit dem Veterinäramt gesprochen“, sagt der Landwirt. „Und Fipronil hat kein solches Siegel.“

Regelmäßige Desinfektion

Die Ställe in Eschweiler über Feld werden im Schnitt alle 18 Monate desinfiziert. „Die Hühner kommen mit 18 Wochen zu uns“, erklärt Püllen. „Dann sind sie legebereit. Nach etwa zehn Monaten bekommen die Tiere eine vierwöchige Legepause und erneuern ihr Fell. Danach legen sie noch sechs weitere Monate, bevor sie geschlachtet werden.“

Nach dem Schlachten wird der Stall gereinigt und desinfiziert. Erst danach können neue Junghennen einziehen. Für die Hühner, sagt Püllen weiter, sei das weniger anstrengend, als wenn sie 13 Monate durchgehend Eier legen müssten. „Das ist für die Hühner schon belastend. Bekommen sie einen Monat Pause, ist das für die Tiere besser, und die Qualität der Eier ist nach der Pause auch wieder höher. Zum Beispiel ist die Schale dicker.“

Ein Aspekt ist sowohl Wilhelm Püllen als auch Gerhard Moonen sehr wichtig: der Preis. „Ich verkaufe zehn Eier für 2,20 Euro“, sagt Moonen. „Beim Discounter gibt es die gleiche Menge für die Hälfte.“ „Die Frage ist doch“, ergänzt Wilhelm Püllen, „wo der Preisunterschied herkommt.“ Klar, dass der Experte auch gleich eine Antwort parat hat. „Um unseren Hühnern die Möglichkeit zum Staubbaden zu geben, brauchen wir jede Woche etwa eine Tonne Gesteinsmehl, das von Hand verteilt werden muss. Das kostet viel Zeit und auch jede Menge Arbeitskraft.“

Püllen und Mohnen haben wenig Hoffnung, dass sich das Verhalten der Verbraucher langfristig ändert. „Das haben ja andere Lebensmittelskandale gezeigt“, sagt Moonen. „Wenn einige Zeit ins Land gegangen ist, geht ein Großteil der Verbraucher wieder dazu über, billige Lebensmittel zu kaufen.“ Moonen wünscht sich, dass die Kunden nicht bereit sind, für neue Smartphones, Autos und Klamotten viel Geld auszugeben. „Sondern eben auch für gute Lebensmittel.“

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