Aachen/Düren - „Ehrensache“ schaukelt sich zur Messerstecherei hoch

„Ehrensache“ schaukelt sich zur Messerstecherei hoch

Von: Wolfgang Schumacher
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Die Schießerei an einer Dürener Tankstelle hat eine Vorgeschichte. Das vermeintliche Opfer steht jetzt selbst vor Gericht. Symbolbild: dpa

Aachen/Düren. Hayati A. (44) ist Opfer einer Straftat und steht trotzdem seit Mittwoch als Angeklagter in Aachen vor Gericht. Am Weihnachtstag des Jahres 2010 wurde er vor einer Tankstelle in Düren von einem Brüderpaar mit Schüssen niedergestreckt. A. überlebte die Tat mit Verletzungen an Bein und Hüfte, die Brüder Taner und Sener S. wurden deswegen vom Aachener Schwurgericht zu Freiheitsstrafen verurteilt.

Etwa drei Monate vor diesen Schüssen hatte A. im September 2010 laut aktueller Anklageschrift eine Gewalttat an einem der beiden Brüder begangen, für die er sich nun vor dem Aachener Schwurgericht verantworten muss – sie gilt als der Auslöser der Schüsse an der Tankstelle.

Der 38-jährige Taner S. war von A. mit einem Messer im Bauchbereich und an der Schulter schwer verletzt worden. Der Angeklagte gab die Auseinandersetzung auf der Straße vor seinem Haus in Düren zu, schob jedoch die Initiative für die körperliche Auseinandersetzung dem Brüderpaar zu.

Hintergrund des Dramas um die vermeintlich beschmutzte Ehre einer türkischstämmigen Familie ist die Beziehung des älteren Bruders Sener S. zu der Schwägerin des Angeklagten. Der hatte die wesentlich jüngere Schwester seiner Ehefrau von der Beziehung mit dem Bruder abbringen wollen. In Absprache mit dem Vater und dem Rest der Familie, wie A. bei seiner Befragung durch den Vorsitzenden Richter Arno Bormann behauptete.

Mit Schlägen attackiert

Die 2010 etwa 20 Jahre junge Frau war bereits seit einem Jahr verheiratet und hatte trotzdem eine Liebesbeziehung mit Sener S. begonnen. Im August 2010 war der Angeklagte dahinter gekommen, weil er das Handy des Mädchens kontrolliert hatte. Damit ging alles los, weil Hayati A. noch im Auto auf der Fahrt von einem Fest nach Hause das Mädchen heftig mit Schlägen attackierte. Im Gericht gab er nur „zwei Ohrfeigen“ zu, die Fotos von den Verletzungen im Gesicht „sprechen aber eine andere Sprache“, wie Richter Bormann es formulierte. Trotzdem gab das Mädchen die Beziehung zu Sener S. nicht auf.

Die Angelegenheit schaukelte sich zur „Ehrensache“ zwischen den Familien hoch, keiner wollte zurückstecken. Doch der damals verletzte Taner S. schilderte die Sache völlig anders als der Angeklagte. Bei dem Treffen seien noch vier Freunde von A. hinzugekommen und hätten seinen Bruder beinahe totgeprügelt. Der Prozess geht am 20. Januar weiter.


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