Nideggen - Ehemalige Bundesministerin spricht „im Turm“ über das Älterwerden

Ehemalige Bundesministerin spricht „im Turm“ über das Älterwerden

Von: Bruno Elberfeld
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Ein „Vollzeit-Job“ im Ehrenamt: Ursula Lehr, Bundesministerin a.D., sprach in Nideggen über das Thema „Älter werden – aktiv bleiben“. Foto: Elberfeld

Nideggen. Sprühend vor guter Laune, humorvoll und mit beiden Füßen mitten im Leben stehend – so haben viele Menschen sie noch in Erinnerung, die Bundesministerin a.D., Professor Ursula Lehr, unter Helmut Kohl von 1988 bis 1991 Ressortchefin für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit. Ein Hauptamt bekleidet sie nicht mehr. Jetzt sei sie, verriet sie, mindestens 40 Stunden pro Woche ehrenamtlich unterwegs. Und das tue ihr gut.

Damit befand sich Ursula Lehr beim „Gespräch im Turm“ auch schon mitten im Thema des Abends. „Liebe Jugend von gestern und vorgestern“, sprach sie die Besucher im Burgenmuseum an. Lehr sprach über das Älterwerden in einer Zeit, in der es bald so viele 75-jährige wie 25-jährige geben wird.

„Wer rastet, der rostet“

Männer und Frauen, das ist seit vielen Jahren klar, werden in unserer Gesellschaft dank vieler Faktoren immer älter. „Demografischer Wandel“ ist das Stichwort. Was fehlt, ist der Nachwuchs. In Deutschland werden weniger Kinder geboren als in vielen anderen europäischen Staaten. Die Geburtenraten der Asiaten, Afrikaner und Amerikaner dagegen können sich sehen lassen. Es ist, wie es ist. Nur muss die alternde Gesellschaft in der Bundesrepublik reagieren. Sie – und mit ihr die Verantwortlichen an den politischen Schalthebeln – müssen handeln.

Ursula Lehr nahm sich bei dem Gespräch im Turm fünf Bereiche vor. Zunächst versorgte sie die Zuhörerschaft mit Fakten. Bis in die einzelnen Gemeinden des Kreises Düren hatte sie Zahlen parat. Viele Kommunen im Kreis werden schrumpfen. „Im Alter müssten Menschen aktiv werden“, sagte Lehr. Es gelte, sich dem Älterwerden zu stellen.

Schon der griechische Arzt Hippokrates (460 bis 377 vor Chr.) hatte sinngemäß gesagt: Wer rastet, der rostet. Körper, Geist und Seele müssen gleichermaßen gefördert und gefordert werden. „Höre nie auf anzufangen“, rief die Referentin den meist älteren Herrschaften zu. In der Folge analysierte die ehemalige Ministerin das Verhältnis von „Alter und Kultur“. Kreativität könne Probleme lösen, sagt die Altersforscherin.

Mit Wort und Bild führte sie viele Bespiele von Persönlichkeiten an, die im hohen Alter noch Herausragendes geleistet haben. Lehr mahnte zur „Verinnerlichung“. Alternde Menschen sollen Ja sagen zum ihrem bisherigen Leben und aus diesem Ja-Sagen Kräfte sammeln. Dann entwickle sich eine menschliche Reife, das „Ergebnis hoher Integration von Erfahrung und Verhalten“. „Veräußerlichung“ dagegen sei von Übel, weil sich der Mensch dann nur über das dicke Auto und das große Haus identifiziere.

Der Kunst widmen

Immer mehr Rentner und Pensionäre widmen sich der Kunst. Sie entdecken die Malerei, die Literatur und die Musik. Aufgerufen seien die Kommunen, barrierefreie und leicht erreichbare Kulturstätten zu errichten, die auch für Menschen mit Rollstühlen und Rollatoren zugänglich sind.

Sehr wichtig, das konnte Ursula Lehr, Jahrgang 1930, auch aus eigener Erfahrung berichten, sei das „Selbermachen von Kunst“. Malen, Zeichnen, Dichten, Musik machen – warum nicht im Alter damit anfangen, damit die rechte und linke Gehirnhälfte beschäftigt werden? „Machen Sie Kunst zum Auskosten der gegebenen Möglichkeiten“, gab Ursula Lehr den Gästen mit auf den Weg.

Organisiert worden war das „Gespräch im Turm“ von der Leiterin des Burgenmuseums, Luzia Schlösser, und Elke Ricken-Melchert vom „Amt für Familie, Senioren und Soziales“ des Kreises. Die mittelalterliche Musik machte Alexandra Prinz auf nachgebauten Instrumenten wie der Drehorgel.

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