Eckhard Siegert (70): Mit dem Rennrad nach Bordeaux

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Krauthausen. Eckhard Siegert (70) aus Krauthausen ist mit dem Rennrad in sechs Tagen nach Bordeaux gefahren. Er musste die ersten drei Tage bei lästiger Hitze und die restlichen drei Tage bei nervendem Regen die insgesamt 1304 Kilometer abstrampeln.

Ausgerüstet war er für die 200-Kilometer-Tagesetappen nur mit dem Notwendigsten für eine Woche wie Zelt, Kocher und Töpfe. Das Motto lautet ohnehin seit nunmehr 35 Jahren Radfernfahrten: Lieber mehr Reifen und Ersatzteile als Unterhosen und Socken. Die Radtasche für den Rücktransport des Rades mit dem TGV und Thalys wird nach Bordeaux vorausgeschickt, denn ein Rad als Gepäckstück ist in diesen Zügen nicht vorgesehen.

Am ersten Tag radelt er durch die Eifel, das Hohe Venn, die traumhaften Ardennen bis nach Luxemburg in die Jugendherberge. Es ist schon eine andere Welt. Am zweiten Tag geht es an Verdun vorbei, der „Knochenmühle“ des Ersten Weltkriegs, bis nach Saint Dizier an der Marne, wo mit einem kleinen Familienhotel das Tagesziel erreicht ist.

Mit einer Riesenportion Lasagne vom Vorabend im Bauch, beginnt die weiträumige Umgehung der Landesmetropole Paris. Straßen mit schlechtem Asphalt und klebrigem Teer nerven ihn. In den oft menschenleeren und brunnenlosen Dörfern will er seine Trinkflaschen füllen, doch selbst die Friedhöfe haben keinen Wasserhahn. Am Abend im „La Maison des Randanneurs“, einer Wallfahrerherberge, ist für 26 Euro mit Frühstück das dritte Nachtquartier erreicht.

Die 600-km-Marke ist jetzt überschritten. Alle Städte wie Bourges und Tours liegen fernab der einsamen Straße, die ihn zur zweiten Jugendherberge führt, aber ohne Abendessen. Schnarcher und Spätheimkehrer im Schlafraum verkürzen die Nachtruhe. Er startet bereits morgens um 7 Uhr. Das Frühstück für Autofahrer ist zwar ausreichend, aber auf dem Kalorien verschlingendem Rad stellen sich bald Mangelerscheinungen ein.

Heute ist ein besonders langer Tag, denn das Hotel in Pèrigueux muss erreicht werden. Limoges, die altrömische Stadt an der Vienne, liegt nach 190 km an der Strecke. Dauerregen setzt ein mit kurzen Unterbrechungen. Es wird der schwerste und längste Tag.

Die Ansicht der an der Dordogne gelegenen Stadt Périgueux mit der Kathedrale Kathedrale Saint-Front tröstet trotz strömenden Regens. 24 Euro für die Schlafstatt sind weniger als gedacht, das schmackhafte Abendessen kommt hinzu. Und Siegert weiß jetzt: Hier an diesem riesigen Fluss liegt Bordeaux, das Endziel.

Der sechste Tag ist von der Entfernung her erträglicher, jedoch nicht vom Wetter und der Geografie. Am Nachmittag hat er nach 160 km Bordeaux und ein Budget- Hotel erreicht. Zwei wohltuende Nächte kosten 79 Euro. Die Sehenswürdigkeiten empfindet der Krauthausener als „Lohn der ganzen Strapaze“. Und endlich scheint auch wieder die Sonne.

Bereits ab 7 Uhr strampelt er hin und zurück auf der Zusatzetappe 125 km herunter, der Weinstraße mit den herrlichsten, fast unbezahlbaren Weinen und seinen Chateaus: Medoc, Margaux, Lanessan, Pauillac und Lafit Rothschild. Am Nachmittag besichtigt Siegert die alte Pont de Piere, das Grand-Thèatre, den Place de la Bourse mit dem Schloß und ein Schlachtschiff an der Garonne.

Am achten Tag steigt der Krauthausener mit demontierten Rad und Minimalgepäck in den TGV nach Paris-Montparnasse ein. Der Wechsel mit einem Taxi für 25 Euro zum Gare du Nord ist nichts für schwache Nerven.

Und mit der Heimfahrt im Thalys geht für Siegert eine „herrliche unvergessene Woche“ zu Ende.

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