Düren - „Echtleben”: Katja Kullmann liest im Komm-Zentrum

„Echtleben”: Katja Kullmann liest im Komm-Zentrum

Von: Bruno Elberfeld
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Die Buchautorin Katja Kullmann
Die Buchautorin Katja Kullmann las zum Auftakt der „Lila Salongespräche” im voll besetzten Komm-Zentrum aus ihrem neuen Buch „Echtleben”. Foto: Elberfeld

Düren. Bescheiden, zierlich, mit großen Augen, die neugierig auf die Welt blicken, kommt sie daher, die Buchautorin Katja Kullmann, die schon vor zehn Jahren mit ihrem Bestseller „Generation Ally” die Fachwelt auf sich aufmerksam machte und 2003 für dieses Buch den Deutschen Bücherpreis für das beste Sachbuch ergatterte.

Zum Auftakt der „Lila Salongespräche”, die nach dem Muster vergangener Jahrhunderte vom Dürener Frauenbüro mit dem Komm wiederbelebt werden sollen, las Katja Kullmann vor ausverkauftem Haus im Komm aus ihrem neuen Werk „Echtleben” mit dem Untertitel „Warum es heute so kompliziert ist, eine Haltung zu haben”.

Als Journalistin gewohnt, Dinge und Situationen kritisch aus der Distanz zu betrachten und zu werten, wagt die Schriftstellerin in „Echtleben” einen Blick auf ihr eigenes Leben. Die junge Frau war voller Mut, wollte die Welt zumindest ein Stück verbessern, wollte positive Spuren hinterlassen durch das Wort, den Satz, ganze Texte. Wie die meisten gut ausgebildeten Menschen wollte sie nach einer guten Ausbildung zur Journalistin ein emanzipiertes Leben führen, offen für alles und alle. Karriere und Geld sollten dabei nur eine untergeordnete Rolle spielen. Doch es kam anders. Ohne reichen Mann, ohne begüterte Eltern an der Seite musste Katja Kullmann kämpfen, kämpfen wie viele andere in einem Job, in dem Kreativität gefragt ist. Nach der ersten Enttäuschung wirft sie einen Blick auf die Nachbarn in Berlin und sieht zahllose Kreative, die von ihrer Arbeit nicht leben können: Schauspieler, Schriftsteller, Journalisten, Künstler aller Couleur. „Wenn sie nicht von Freunden oder Eltern unterstützt werden”, verrät die Wahlhamburgerin, die viele Jahre in der Hauptstadt gelebt hat, „können sie nicht existieren.” Viele der schönen, kleinen Boutiquen in der Stadt, viele Galerien könnten nur deshalb täglich öffnen, weil Gönner dahinter steckten, die das ermöglichten, sagte die Autorin.

Gespannt hören die Gäste zu, in der Überzahl Frauen, als Kullmann witzig, ironisch, manchmal biestig, immer aber mit dem treffenden Wort ihre Begegnung mit Hans-Olaf Henkel anlässlich einer Fernsehtalkschau beschreibt. Betroffen sind die Hörerinnen von der Erzählung, in der die Autorin ihre Erlebnisse innerhalb und außerhalb einer Arbeitsagentur schildert. Hartz IV ist für sie ein hartes Brot. Kullmann ist froh, als ein bekanntes Magazin bei ihr anfragt. Sie kündigt jedoch die lukrative Stelle nach gut einem Jahr, weil ihr Geist und ihre Seele sich nicht weiter verkaufen wollen. Sie will Menschen nicht in ihrem Job auszugrenzen, weil der Verlag die Gewinne maximieren möchte.

Katja Kullmann schreibt in einer Sprache, die die Menschen schmunzeln lässt. Ironie, Witz, humorvolle Wortkombinationen, Wortneuschöpfungen und das angenehme Staccato eines fließenden Satzbaus, begleitet von einer lebendigen Mimik und Gestik, dies alles ließen an diesem Abend die erste Lesung der „Lila Salongespräche” zu einem beeindruckenden Erlebnis werden.
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