„DZ vor Ort“: Bahnhofsumfeld soll sich zügig verändern

Von: Thorsten Pracht
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Stellten sich den Fragen der DZ-Redakteure Stephan Johnen (r.) und Jörg Abels (l.): die Fraktionsvorsitzenden Stefan Weschke (CDU), Henner Schmidt (SPD), Verena Schloemer (Grüne) und Hubert Cremer (FDP). Foto: Berners

Düren. Die grobe Richtung ist vorgegeben. Mit dem Masterplan Innenstadt haben die Parteien vor der Wahl eine Steilvorlage erhalten, die Entwicklung Dürens weiter zu skizzieren. Klar, dass die Fraktionsvorsitzenden Stefan Weschke (CDU), Henner Schmidt (SPD), Verena Schloemer (Grüne) und Hubert Cremer (FDP) bei unserem Forum „DZ vor Ort“ im Papst-Johannes-Haus betonten, dass die auf dem Papier erdachten Schritte jetzt auch gegangen werden sollen.

Nur, wie groß diese Schritte sein sollen, darüber gibt es unterschiedliche Ansichten. Für die Schublade sei der Masterplan jedenfalls nicht erstellt worden, versicherten die vier Podiumsgäste den DZ-Redakteuren Jörg Abels und Stephan Johnen. Man wolle „kraftvoll beginnen, die ersten Dinge umzusetzen“, stellte Weschke in Aussicht. Wobei im Lager der Christdemokraten vor dem Umsetzen stets das sorgsame Abwägen und Planen steht.

Beispiel Parkplatz Schützenstraße, der sich im Besitz der Stadt befindet: Während Schloemer die schnelle Umgestaltung in einen Park forderte, ohne auf eine Lösung für den benachbarten Privatparkplatz zu warten, bewertet Weschke die juristische Ausgangslage ob des zweiten Grundstückseigentümers und diverse Wegerechte als schwierig. Zudem: „Das ist wertvolles Land. Man sollte schauen, ob man hier nicht etwas Städtebauliches gestalten kann“, warf der Christdemokrat ein. „Man kann nicht immer auf die große Lösung warten. In den vergangenen 15 Jahren ist in Düren viel liegengeblieben. Es ist wichtig, mit etwas anzufangen, damit die Bürger eine Entwicklung sehen“, entgegnete die Grünen-Politikerin.

Eine Kerbe, in die in Sachen Innenstadtentwicklung auch Schmidt schlug: „Wir könnten in dem Prozess schon weiter sein.“ Während die SPD sich im ehemaligen Sparkassengebäude am Markt eine Einkaufsmeile vorstellen könnte („Wir halten das für ein Highlight, das man im Herzen Dürens realisieren könnte“), kommt Weschke diese Idee ein zu spät. „Dann hätten wir den Rathausumbau ganz anders angehen müssen.“

Cremer lenkte das Augenmerk auf das Bahnhofsumfeld. „Wenn wir Tourismus-Stadt sein wollen, dürfen wir diesen Bereich nicht vernachlässigen“, schlussfolgerte der Liberale. SPD und CDU wollen die Josef-Schregel-Straße wieder als Hauptachse etablieren. „Keine zusammenhängende Stadtentwicklung“ monierte Schmidt, der dennoch Möglichkeiten sieht, auch „schwierige Areale zu beplanen“. Sehr konkret ist hier die CDU. Das ehemalige Bahnamt abreißen, dazu zwei, drei weitere Gebäude. „Das wollen wir sehr schnell angehen“, sagte Weschke.

Apropos schwieriges Areal: Keine Diskussionsrunde ohne die Stadthalle. „Bitte nicht noch ein Supermarkt“, flehte Schloemer und erntete Applaus des Publikums. „Was wurden wir im Stadtrat schon mit unsäglichen Plänen überzogen“, ließ sie das Dilemma Revue passieren. Wohnbebauung, womöglich eine Gastronomie, eine Veranstaltungshalle für 300 Personen – das sind die Gedanken der Grünen für das Filetstück im Zentrum.

„Niemand will ein Hotel bauen“

„Und man sollte sich endlich vom Plan eines Hotels verabschieden, weil niemand dort ein Hotel bauen will“, schloss Schloemer. Dagegen sprach Stefan Weschke von der mündlichen Zusage einer Hotelkette – „wenn die juristischen Probleme gelöst sind“. Zumindest „einen Schuss Realitätssinn“ forderte Schmidt ein. Es sei klar, dass die Lösung der vertrackten Ausgangslage die Stadt etwas kosten werde.

Die Kombination aus Pflegeeinrichtung, Hotel und exklusivem Wohnen würde der Stadt zwar gut tun, sei aber wirtschaftlich nicht darzustellen. „Quersubvention“ lautet die Lösung der Sozialdemokraten. Wenn ein Investor die Kröte an der Stadthalle schlucke, dann müsse ihm an anderer Stelle der Stadt eine Praline hingelegt werden, damit er dort Geld verdienen könne. Ob das der Brustlöser für die unendliche Geschichte sein kann, bleibt abzuwarten. Cremer ist skeptisch: „Das sind alles Luftschlösser“, wetterte der FDP-Chef. Wer beim Pferderennen starten wolle, der solle nicht nur einen Sattel mitbringen, sondern auch einen ordentlichen Gaul.

Während der politische Farbkasten in Düren zuletzt bunte Mischungen parat hatte, treffen sich die alten Partner Schwarz und Gelb bei der Schulpolitik wieder. „Da sind wir nah bei der CDU“, räumte Cremer ein. Gymnasien erhalten, eventuell eine zusätzliche Gesamtschule, bloß keine Sekundarschule, so lautet der Dreisatz der FDP.

Bis zu zwei dieser Sekundarschulen hält dagegen die SPD für denkbar, wahlweise eine dritte Gesamtschule. „Wenn wir in die Verantwortung kommen, werden wir einen Schulentwicklungsplan für die Stadt Düren in Auftrag geben“, kündigte Schmidt ein. Einen solchen gibt es bislang nur für den Kreis Düren. Für die Grünen ist die dritte Gesamtschule notwendig. „Wir sollten nicht zusehen, wie eine Schule von sich aus stirbt, sondern gestalterisch eingreifen“, empfahl Verena Schloemer.

„Schaun mer mal“

Der Gedanke, welches der fünf Gymnasien in einer zusätzlichen Schule aufgehen könnte, verbietet sich dagegen für Weschke. „Ich sehe keines unserer Gymnasien gefährdet“, erklärte der CDU-Fraktionschef. In seine Empfehlung, die nächsten Jahre abzuwarten, schloss er auch die beiden Förderschulen mit ein.

„Alles, was neue Löcher in den Haushalt reißt, werden wir nicht machen“, gab Stefan Weschke die Generalmaxime der CDU aus. Welche Kompromissbereitschaft nach dem 25. Mai gefragt sein wird, entscheiden die Wähler. „Eine alleinregierende Partei ist nicht gut für Düren“, gab Cremer am Ende zu bedenken. Während Henner Schmidt sich nur wünschte, dass „die Politik der letzten 15 Jahre sich ändert“, entdeckte Stefan Weschke den Kaiser in sich. „Schaun mer mal.“ Angemerkt

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