Düren - DZ-Sommertour: Im Krankenhaus ist Kostenexplosion ein Unwort

DZ-Sommertour: Im Krankenhaus ist Kostenexplosion ein Unwort

Von: Jörg Abels
Letzte Aktualisierung:
Dr. Ursula Schleicher erklärt
Dr. Ursula Schleicher erklärte den DZ-Lesern in der Strahlentherapie im Keller des Krankenhauses die Funktionsweise eines Linearbeschleunigers. Ziel der Strahlentherapie ist die Zerstörung von Krebszellen durch gezielten Therapie mit Hochenergie-Röntgenstrahlen oder Elektronen.

Düren. Das Wort „Kostenexplosion” im Zusammenhang mit dem Gesundheitswesen kann Bernd Bolho nicht mehr hören. „Leistungsexplosion” ist aus Sicht des technischen Leiters des Krankenhauses Düren der weitaus passendere Begriff, verbunden mit der Frage, welche Leistungen der Patient haben und die Gesellschaft finanzieren will.

Was er im Detail meint, wurde den 20 Lesern, die am Mittwoch im Rahmen der DZ-Sommertour einen Blick hinter die Kulissen des größten Krankenhauses zwischen Köln und Aachen werfen durften, schon an der ersten Station der knapp dreistündigen Führung deutlich, die einmal quer durch das Haus führte.

In der Radiologie erklärte Facharzt Marc Szynaka die Unterschiede zwischen Computer- und Kernspintomographie, den auf Röntgenstrahlen basierenden Blick in den menschlichen Körper auf der einen, und den auf Magnetresonanz basierenden auf der anderen. Zu gerne hätten die DZ-Leser nicht nur den Computertomographen näher ins Visier genommen, sondern auch den erst vor wenigen Wochen in Betrieb genommenen Magnetresonanztomographen (MRT).

Doch an der geöffneten Tür zum MRT-Raum war mit Blick auf die Uhren, Magnetkarten und so manch anderem eisenhaltigen Gegenstand der Besuchergruppe Schluss. Das kontinuierliche Magnetfeld, das durch flüssiges, minus 269 Grad Celsius kaltes Helium erzeugt wird, kann nämlich nicht mal ebenso abgeschaltet werden. Ist das Edelgas erst einmal über ein spezielles Rohr entwichen und der MRT muss neu angefahren werden, „entstehen leicht Kosten von rund 40.000 Euro”, erklärte Bolho den überraschten Gästen. Als „Entschädigung” gab es dafür wenig später in der Strahlentherapie im Keller des Krankenhauses hinter bis zu 1,70 Meter dicken Betonwänden einen Blick auf den Linearbeschleuniger, der bei der gezielten Bekämpfung vom Tumorzellen im Körper des Patienten zum Einsatz kommt.

Bei der Führung durch das Krankenhaus stand aber nicht nur die hochmoderne Medizintechnik im Mittelpunkt. Bernd Bolho zeigte auch die Entwicklung der Patientenzimmer, „weg von der bekannten Krankenhausatmosphäre hin zu einer Hotelatmosphäre”, als wichtigem Teil der Genesung.

In der Chirurgie im 5. Stock galt die Aufmerksamkeit zunächst einem der noch nicht sanierten Dreibettzimmer, die noch den Charme des Baujahrs 1976 vermitteln, aber spätestens in 28 Monaten der Vergangenheit angehören. Dann ist auch die Sanierung des Ostflügels am Krankenhaus Düren abgeschlossen. Wie schon auf der Westseite des Bettenhauses wird die Fassade saniert, werden Bäder, Heizungen und Fußböden erneuert. Und Zimmer erhalten einen neuen Anstrich.

Am deutlichsten wird der Unterschied in den Nasszellen, wie die DZ-Leser wenig später sahen. Die bereits sanierten verfügen nicht mehr nur über Toilette und Waschbecken, sondern auch über ein Dusche. Und sie sind barrierefrei zugänglich. „Im Notfall können Ärzte und Schwestern viel einfacher helfen”, erklärte Bolho. Und natürlich durfte auch ein Blick in die neue Komfortstation im 9. Stock des Hauses nicht fehlen, auf der es Privatpatienten an kaum etwas mangelt.

Nach einem imposanten Blick über die Stadt und die Voreifel ging es gleich weiter in den Keller, wo derzeit die neue Niederspannungshauptverteilung installiert wird, in einer „Operation am offenen Herzen”, verdeutlichte Bolho mit Blick auf den uneingeschränkt weiterlaufenden Krankenhausbetrieb. Klar, dass die Frage nach dem Notfall nicht lange auf sich warten ließ.

Und so galt der letzte Blick der Notstromversorgung, die nach dem Ausfall des 16-Zylinder-Schiffsdiesels zurzeit über einen mobilen Generator sichergestellt wird. „Binnen 15 Sekunden nach einem Stromausfall muss der Notstrom wieder laufen”, erklärte Bernd Bolho, bevor er den DZ-Lesern mit einem abschließenden Vortrag die Möglichkeit gab, die vielen Eindrücke einzuordnen. Und dabei machte er noch einmal deutlich, dass bessere Technik, bessere Infrastruktur, aber auch eine bessere Atmosphäre nicht zum Nulltarif zu haben seien.
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