DZ-Sommertour: Im gekühlten Keller lagern die Schätze

Von: Anne Wildermann
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Museumsleiterin Renate Goldmann führte durch die aktuelle Ausstellung „Artists‘ Painters“ des Hoesch-Museums. Registrarin Tina Roßbroich zeigte Werke aus dem 18. und 19. Jahrhundert, die im Depot lagern und eine Karteikarte zu einem Werk von Zürcher. Foto: Wildermann
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Museumsleiterin Renate Goldmann führte durch die aktuelle Ausstellung „Artists‘ Painters“ des Hoesch-Museums. Registrarin Tina Roßbroich zeigte Werke aus dem 18. und 19. Jahrhundert, die im Depot lagern und eine Karteikarte zu einem Werk von Zürcher. Foto: Wildermann
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Museumsleiterin Renate Goldmann führte durch die aktuelle Ausstellung „Artists‘ Painters“ des Hoesch-Museums. Registrarin Tina Roßbroich zeigte Werke aus dem 18. und 19. Jahrhundert, die im Depot lagern und eine Karteikarte zu einem Werk von Zürcher. Foto: Wildermann

Düren. Der türkische Schmuckhändler ist ein kleines Problemkind. Deshalb hängt das Gemälde von August Macke (1887-1914) auch an einer Gitterwand im Depot des Dürener Leopold-Hoesch-Museums und nicht in der Ausstellung.

„Ich verleihe das Bild nur sehr ungern, weil es sehr empfindlich ist“, sagt Tina Roßbroich, Kunsthistorikerin und Registrarin. Sie führt die 20-köpfige Gruppe, die am Freitag im Rahmen der letzten Etappe der DZ-Sommertour das Museumsdepot erkundet, in den angenehm gekühlten Kellerraum, vorbei an hohen Regalen.

Roßbroich ist dafür verantwortlich, welche Werke an andere Häuser verliehen werden. Und kümmert sich um solche, die in Düren ausgestellt werden. Aber auch für die Inventarisierung der Exponate ist sie zuständig.

Insgesamt lagern in den Depots, auch in dem, das sich außerhalb des Museums befindet, etwa 18 000 Kunstgegenstände. Darunter fallen Gemälde, Skulpturen, spezielle und wertvolle Kunstbücher und Kleinkunst wie Zinnsoldaten, die in einer Holzkiste aufbewahrt werden.

Während der türkische Schmuckhändler neben Bildern von Oskar Kokoschka (1886-1980), Lovis Corinth (1858-1925) und Walter Dexel (1890-1973) hängt und darauf wartet, eventuell noch mal auf Ausleih-Reise zu gehen, wird momentan ein Selbstporträt des Malers Otto Dix (1891-1969) in Mexiko von den dortigen Museumsbesuchern gefeiert. Sein Zuhause ist das Hoesch-Museum. „Auf großen Plakaten wird mit dem Bild sogar geworben“, sagt Roßbroich.

Damit die Bilder nicht nur lichtgeschützt sind, sondern auch in einem Raum gelagert werden, der eine konstante Temperatur hat, gibt es im Depot eine Klimaanlage. „Hier sind es immer 18 Grad. Und im Raum nebenan, dort, wo wir Grafiken auf Papier und die Wasserzeichensammlungen aufbewahren, sind es 20 Grad“, erklärt die Kunsthistorikerin.

Allerdings ist die Luft dort sehr trocken. „Nicht gerade gut für den Teint. Da bildet sich nach einiger Zeit schon mal die ein oder andere Falte im Gesicht“, sagt sie und lacht.

Neben den Gitterwänden für die Gemälde stehen große und weiße Transportkisten. In diese werden die wertvollen Exponate gepackt und gehen dann auf Reise. Teilweise begleitet Roßbroich die Leihgaben auch und hilft im jeweiligen Museum beim Aufhängen.

Selbst in den Kisten ist die Temperatur konstant. „Wir verleihen an kein Museum, das keine Klimaanlage hat“, betont Roßbroich. Schließlich sei die Kunst, die angefragt werde, von einer sehr hohen Qualität und wertvoll.

Momentan haben auch einige Kunstgegenständige aus Papier im Depot ihren Platz gefunden. Allerdings nur übergangsweise, solange das Papiermuseum umgebaut und erweitert wird. Darunter eine Giraffe und ein Kleid. „Aber auch kulturhistorische Exponate zur Papiergeschichte bewahren wir hier unten auf“, erklärt Roßbroich und führt in einen weiteren Raum.

Dort steht ein Kollege von ihr an einem Metallschrank und durchforstet Karteikarten. Roßbroich holt eine solches Papier aus dem Schrank und zeigt es. Beschrieben wird eine Kreidezeichnung des Künstlers Frederik Willem Zürcher (1835-1894). Unbekannt sind Datum und wem die Zeichnung vorher gehörte. „Gerade der Aspekt, dass wir nicht wissen, wem Werke früher gehörten, kann zu Problemen führen. Es ist sehr wichtig, die Herkunft eines Bildes lückenlos nachzuverfolgen. Stichwort: Raubkunst“, sagt Roßbroich.

Früher haben Galerien, Museen und Sammler keinen Wert darauf gelegt, zu wissen, woher Kunstgegenstände kamen. Diese Wissenschaft heißt „Provenienz“ und beschreibt die Besitzverhältnisse von Kunstgegenständen auf dem Markt. Aber auch solche, die in Archiven und Depots lagern. „Mit Raubkunst hatten wir noch nichts zu tun“, sagt Roßbroich.

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