DZ-Serie „Unsere Kleinen“: Zugezogen in Muldenau

Von: Sarah Maria Berners
Letzte Aktualisierung:
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Wenn der Raps blüht, bietet sich ein besonders schöner Blick auf Muldenau, den kleinsten Ortssteil der Stadt Nideggen. Bis es so weit ist, müssen sich die Spaziergänger aber noch etwas gedulden. Foto: smb

Muldenau. Die Wege, die nach Muldenau führen, sind sehr unterschiedlich. Nicht geografisch betrachtet. Da ist die Kreisstraße 47 der einzige Weg. Auf dieser Straße waren auch Alexandra Schröder und ihr Mann unterwegs, als sie vor einigen Jahren ein Grundstück für ihr gemeinsames Zuhause gesucht haben. Muldenau macht den Auftakt der neuen DZ-Serie, in der wir kleine Dörfer im Kreis Düren vorstellen.

„Wir wollten nicht in ein Neubaugebiet ziehen und haben eine Baulücke gesucht“, erklärt Alexandra Schröder, die mit einem sympathischen schwäbischen Dialekt spricht. „Der Ort und die Landschaft drum herum sind so schön idyllisch und ruhig. Die Blumenbeete und Gärten sind so liebevoll gepflegt. Hier zu sein, tut der Seele gut.“ Die 36-jährige Schwäbin und ihr Mann, der gebürtig aus Müddersheim kommt, haben sich gleich wohlgefühlt. Und sind geblieben.

Zum Bleiben hat sich Valentin Weber schon vor mehr als 50 Jahren entschieden, denn damals hat er seine Ehefrau, eine „Ureinwohnerin“ von Muldenau, kennengelernt. Karneval war das. „Da hab ich mich mit vier Freunden aus Roevenich ins Auto gesetzt – und wir sind von Dorf zu Dorf gefahren.“ Über die einzige Straße kamen sie nach Muldenau. „Da waren es nur noch drei“, sagt Valentin Weber lachend. Er blieb nicht lange der „Zugezogene“, wurde schnell zum Inventar und war 30 Jahre lang Ortsvorsteher in dem Dorf, das heute nur noch 153 Einwohner zählt.

Neugierig und hilfsbereit

Als Alexandra Schröder gerade heimisch geworden war, löste sie Valentin Weber, der bald 80 Jahre alt wird, ab. „Dass es für Zugezogene schwer ist, Anschluss zu finden, kann ich nicht sagen“, sagt Alexandra Schröder lachend. Als die Bagger zur Baustelle ausrückten, waren die Muldenauer natürlich neugierig. „Aber sie waren und sind auch stets sehr hilfsbereit.“ Das Geäst, das dem Bau weichen musste, wurde gleich für das Martinsfeuer genutzt. Den zwei Jahre alten David kennt im Dorf ohnehin jeder und sein Papa mimt mittlerweile den Sankt Martin. Viele Kinder gibt es in Muldenau aber nicht. Nur 13 Bewohner sind jünger als 16 Jahre.

Alexandra Schröder und Valentin Weber sind nicht die einzigen Zugezogenen im Ort. „Es gibt hier einige Menschen, die in Köln oder Bonn arbeiten, Muldenau aber als ruhigen und beschaulichen Wohnort sehr zu schätzen wissen“, betont Alexandra Schröder. „Die Lebens- und Wohnqualität ist hier sehr hoch.“ Im Dorf gibt es die Leute, die sich ins Geschehen einbringen und die, die „nur“ in Muldenau wohnen. „Beides ist gut“, sagt Alexandra Schröder.

Sehr engagiert sind zum Beispiel die Blumenfreunde, die sich eifrig um die Beete kümmern und damit einen wichtigen Beitrag zum Ortsbild leisten. Da ist die Kirmesgesellschaft, da sind die Maigesellen, da ist das Erntedank-Fest, da ist der Pfarrgemeinderat, der einmal im Monat zum Seniorennachmittag einlädt. In Muldenau gibt es noch vier Bauernhöfe, zwei davon im Nebenerwerb, und eine Plantage für Stiefmütterchen, die für ein buntes Bild sorgt, an dem sich die Spaziergänger erfreuen. Erfreuen können diese sich auch an Orchideenarten, die auf dem Biesberg wachsen.

„Infrastruktur kann ein Ort wie Muldenau nicht bieten“, sagt Valentin Weber. Wer in Muldenau lebt, der weiß, dass er zum Einkaufen bis Embken oder Nideggen fahren muss. Und auch wer in Sportvereinen aktiv sein möchte, kann dies nur in den Nachbarorten. Immerhin gibt es eine Busverbindung. Auch eine eigene Feuerwehr kann das kleine Dorf nicht mehr stemmen, daher haben sie sich mit den Ehrenamtlern aus Embken zusammengetan. Das alte Spritzenhäuschen dient als Lagerstätte.

Bei Kindern weit über die Grenzen von Muldenau beliebt, ist der Spielplatz an der Bürgerbegegnungsstätte, die die Muldenauer mit viel Engagement aufgebaut haben. Die topmodernen Spielgeräte werden oftmals von Kindern, die aus Embken oder Ginnick zu Fuß nach Muldenau kommen, genutzt. Und auch in der angrenzenden Begegnungsstätte ist oft was los. Dort werden Taufen und Hochzeiten, Kinderkommunionen und Grillfeste gefeiert.

Alte Gebäude bewahren

„Mich freut es, dass nur noch sehr wenige alte Gebäude leerstehen“, sagt Alexandra Schröder. „Für ein kleines Dorf ist es wichtig, dass die alte Substanz erhalten bleibt und entwickelt wird.“ Zum Glück gebe es immer wieder Menschen, die gerne in alten Gemäuern, teilweise in Hofkomplexen, wohnen und auch Geld in die Hand nehmen, um diese wieder in Schuss zu bringen.

Alte Gemäuer gibt es in dem Ort, der sich in eine kleine Senke schmiegt, zahlreiche. Sie prägen das Bild und wirken, als sei die Zeit stehen geblieben. Dieser Eindruck verstärkt sich beim Blick auf die Sonnenuhr am Kirchturm, die ihren Takt nie gefunden hat.

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