Niederzier - DZ-Leserreise: Im größten Braunkohleabbau Deutschlands

DZ-Leserreise: Im größten Braunkohleabbau Deutschlands

Von: Anne Wildermann
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Exklusive Führung: Daniel Sutter erklärt den 20 Lesern der Dürener Zeitung, welche Förderkraft ein Schaufelradbagger im Tagebau Hambach hat. Im Kohlebunker laufen die Maschinen zum Großteil automatisch. Von der Aussichtsplattform kann man bis zu den Kraftwerken blicken. Der Nachteil, warum mit dieser Braunkohle nicht weltweit gehandelt wird: Der Wasseranteil ist zu groß. Foto: Abels/Wildermann
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Exklusive Führung: Daniel Sutter erklärt den 20 Lesern der Dürener Zeitung, welche Förderkraft ein Schaufelradbagger im Tagebau Hambach hat. Im Kohlebunker laufen die Maschinen zum Großteil automatisch. Von der Aussichtsplattform kann man bis zu den Kraftwerken blicken. Der Nachteil, warum mit dieser Braunkohle nicht weltweit gehandelt wird: Der Wasseranteil ist zu groß. Foto: Abels/Wildermann
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Exklusive Führung: Daniel Sutter erklärt den 20 Lesern der Dürener Zeitung, welche Förderkraft ein Schaufelradbagger im Tagebau Hambach hat. Im Kohlebunker laufen die Maschinen zum Großteil automatisch. Von der Aussichtsplattform kann man bis zu den Kraftwerken blicken. Der Nachteil, warum mit dieser Braunkohle nicht weltweit gehandelt wird: Der Wasseranteil ist zu groß. Foto: Abels/Wildermann

Niederzier. Der gelbe Lkw fährt rüttelnd über die staubigen Wege, die sich in langen Serpentinen über das Gelände ziehen. Vorbei an Sand- und Kiesbergen, die weiß und senfgelb changieren und an Englands zerklüftete Felsküsten erinnern. Die 20 Leser der Dürener Zeitung werden im Rahmen der Sommertour in dem Transporter mächtig durchgeschüttelt und suchen vor und neben ihren Sitzen Halt.

Den Blick aber weiterhin starr aus den kleinen Fenstern gerichtet auf den Tagebau Hambach, den RWE Power seit 1978 betreibt. Bergbauingenieur Daniel Sutter (30) begleitet die Teilnehmer am gestrigen Dienstag für ein paar Stunden durch das Gebiet und erklärt ihnen den Weg vom Abbau der Braunkohle bis hin zur Lagerung im Bunker. „Wenn wir gleich am Bagger aussteigen, bitte setzen Sie die grünen Helme auf. Und ganz wichtig: Schieben Sie die Schutzbrille, die am Helm integriert ist, auf Ihre Nasen herunter“, sagt er durch das Mikrofon.

Kurz darauf hält der Lkw an und die Gruppe steigt aus. Neben der Helmpflicht müssen auch orangefarbene Warnwesten getragen werden. Sutter, der eine lange Arbeiterlatzhose trägt, geht voran. Er leuchtet wie ein greller Feuerfunke in der braun, fast tiefschwarzen Umgebung auf. Die Luft ist trocken und bei jedem Schritt wirbelt feiner, brauner Staub auf.

Wie ein mächtiger und schmutziger Koloss steht der Bagger 289 inmitten der Kohle und surrt vor sich hin. Die Bänder ruhen und auch die haushohe Schaufel steht still. „Schade,“ sagt daraufhin Sutter. „Ich hätte Ihnen gerne gezeigt, wie die Kohle abgetragen wird“, ergänzt er und stellt sich vor die Leser, die ihre Hälse recken, um den Schaufelradbagger in Gänze zu erblicken.

100 Meter ist der Bagger hoch

Normalerweise ist der Tagebau Hambach für Besucher tabu. Der Grund für die Baggerpause: Eine technische Störung. „Deshalb stehen hier auch so viele weiße Autos rum“, erklärt Sutter und zeigt auf einen Geländewagen. An die 13.500 Tonnen wiegt Bagger 289. Er ist knapp 100 Meter hoch und 220 Meter lang. Plötzlich scheinen sich die Größendimensionen zu verschieben und man fühlt sich wie eine Ameise.

Nur vier bis fünf Arbeiter sind auf dem alten Gefährt tätig, das tatsächlich aus den Anfangsjahren dieses Abbaugebietes stammt. Alle zwei Stunden wechselt der Baggerführer, der in einer kleinen, nahezu unscheinbaren Kabine sitzt. „Diese Arbeit ist sehr anstrengend und bedarf viel Konzentration“, erklärt Sutter. „Damit die nicht nachlässt, müssen die Arbeiter ausgetauscht werden.“ An leistungsstarken Tagen buddelt Bagger 289 etwa 240.000 Tonnen Kohle aus. Von dort geht es auf Förderbänder zum Kohlebunker und weiter mit der Hambachbahn, die 28 Kilometer lang ist, zu den Kraftwerken und Veredelungsbetrieben auf der Ville im Osten des Tagebaus.

Sutter bückt sich und fischt mit seinen Händen nach großen Stücken Kohle. Kaum zu glauben, dass dieses fossile Brennmaterial an die 15 Millionen Jahre alt ist. „In Garzweiler haben Arbeiter mal einen Mammutbaum gefunden und sogar das Grab eines Fürsten aus dem Mittelalter. Mit einigen Grabbeilagen“, erzählt Sutter und klopft die Kohlestücke aneinander. Sie klingen hohl und erinnern an ungeformte Briketts, die im Sommer gerne in den Holzkohlegrill geworden werden. „Aber diese Kohle kann nicht dafür genutzt werden. Sie enthält zu viel Wasser“ sagt Sutter. Das sei auch ein Grund, warum dieses Material nicht auf dem Weltmarkt gehandelt werde.

Für ein kleines Andenken dieses Ausfluges reicht es alle Male und ein Teilnehmer lässt ein kleines Stückchen in seiner braune Ledertasche verschwinden.

Mit staubbedeckten Schuhen, und einem leichten Kratzen im Hals, geht es zurück in den Lkw. Bevor die Tour vorbei ist, will Sutter den Besuchern noch den Kohlebunker zeigen. Auf dem Weg dorthin, versucht er den Teilnehmern zu erklären, dass der Ausbau von Erneuerbaren Energien gut sei, „aber es ist immer noch nicht klar, wie der Strom aus diesen Quellen umfassend gespeichert werden kann.“ Das ist der Moment, in dem auf die Kohle zurückgriffen wird. „Man muss alles ganzheitlich betrachten und wer noch nie hier war und sich ein Bild von dem Tagebau gemacht hat, der kann sich nicht hinstellen und sagen, dass von heute auf morgen alles dichtgemacht werden soll“, betont Sutter. Die Besucher nicken und stimmen dem Ingenieur mit einem leisen „Richtig“ bei.

Auch Elfriede Schnock (70) aus Gürzenich und flüstert leise: „Dennoch gibt es bestimmt umweltfreundlichere Methoden, um Energie zu gewinnen und ins Netz einzuspeisen.“ Aber schlimmer als der Eingriff in die Natur, ist für sie die Umsiedlung von Dörfern und die traurigen Gesichter der Leute.

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