Düren - DZ-Forum „Medizin hautnah“: Kampf gegen Multiresistenzen

DZ-Forum „Medizin hautnah“: Kampf gegen Multiresistenzen

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Die Händedesinfektion will gelernt sein: Barbara Feykens (AOK) und Redakteur Stephan Johnen (Mitte) wurden von Dr. Bernhard Heising, Stefan Horbach und Frank Rey (von links) eingewiesen. Foto: Gudrun Klinkhammer

Düren. Solch prominente Referenten waren beim DZ-Forum „Medizin hautnah“ wohl noch nie zu Gast. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) und NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) hatten eine gemeinsame Botschaft: den Kampf gegen sogenannte multiresistente Keime beziehungsweise die Entstehung von Antibiotika-Resistenzen.

Als eine „Bedrohung für die Menschheit“ schätzt auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Entwicklung ein, dass vielen Keimen nicht mehr mit den bisher bekannten und erprobten Antibiotika beigekommen werden kann.

Sehr ernstes Thema

Zugegeben, die beiden Spitzenpolitiker waren beim Forum unserer Zeitung, des Krankenhauses Düren und der AOK zum Thema „Krankenhaushygiene“ nicht persönlich anwesend. Dr. Bernhard Heising, der das Zentrum für Infektiologie und Krankenhaushygiene am Krankenhaus Düren leitet, hatte Statements der beiden Politiker als Videoclips in seinen Vortrag eingebaut.

Die etwas anderen „Grußbotschaften“ verdeutlichen aber eindrucksvoll, wie ernst dieses Thema ist. Nach Erhebungen der Bundesregierung erleiden etwa 500.000 Patienten pro Jahr eine Infektion aufgrund von multiresistenten Keimen, 10.000 bis 15.000 sterben im Zuge der Infektion.

„In der öffentlichen Debatte wird überwiegend über MRSA gesprochen. Gegen diese Keime können wir mittlerweile viele neue Medikamente einsetzen. Zunehmend Probleme bereiten uns Darmkeime“, warnte Bernhard Heising. Jeder Mensch trage eine „beinahe unvorstellbare Menge“ an Keimen in sich, von denen viele eine vitale Rolle für den Organismus spielten. Gefährlich werde es aber, wenn gewisse Darmkeime beispielsweise über die Hände oder Verunreinigungen in den Blutkreislauf gelangten. Eine ganz zentrale Rolle spiele in der Krankenhaushygiene daher die hygienische Desinfektion der Hände.

Hygienefachkraft Frank Rey ging in seinem Vortrag daher sehr anschaulich darauf ein, wie im Krankenhaus den Keimen der Kampf angesagt wird. „Durch einfaches Waschen wird die Keimlast um 50 Prozent reduziert“, erklärte er. Wird eine hygienische Händedesinfektion durchgeführt und danach nichts mehr angefasst, bleiben die Hände rund 15 Minuten keimfrei.

Bei allen Arbeitsabläufen im Krankenhaus sei geregelt, wann die Hände desinfiziert werden müssen. Stets vor und nach dem (Haut-)Kontakt mit einem Patienten, aber beizeiten auch nach speziellen Arbeitsschritten. „Wird eine Wunde versorgt, ein Verband gewechselt oder der Katheterbeutel entleert, müssen danach selbstverständlich direkt die Hände erneut desinfiziert werden“, erklärte Rey, der auch pflegenden Angehörigen Tipps zur richtigen Handhygiene gab. Besucher des Forums konnten zum Schluss selbst die hygienische Händedesinfektion üben – samt Kontrolle unter einer Schwarzlichtlampe.

Drittes Thema war der verantwortungsbewusste Einsatz von Antibiotika. Barbara Feykens von der AOK berichtete, dass im Jahr 2013 im Kreis Düren 40 Prozent aller AOK-Patienten ein Antibiotikum erhalten hatten. In Deutschland werden 85 Prozent ambulant verschrieben, 15 Prozent in Krankenhäusern. NRW belegt dabei deutschlandweit den Spitzenplatz. „Wir laufen Gefahr, dass Antibiotika ihre Wirkung verlieren“, mahnte Bernhard Heising vor einem allzu sorglosen Umgang.

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