Durchzechte Nächte einer Musikerlegende

Von: Julian Loevenich
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Heinz Küppers liest Keith Richards, die „Forty Licks“ spielen Songs der Rolling Stones. Foto: jul

Düren. Die Stimme beruhigt. Mit ihrem monoton brummenden Bass rüttelt sie durch die Boxen hindurch am Körper, schürt somit die volle Aufmerksamkeit. Gehören tut sie jenem Mann, der mit seinem langen, grauen, zerzausten Haar auf der Bühne der Dürener Kulturfabrik „Endart“ Platz genommen hat: Heinz Küppers.

Er scheint ein wenig zu versinken in dem mit einem roten Tuch überworfenen Ohrensessel. In seiner Hand hält er knappe 800 Seiten, umhüllt von einem Mantel mit vier großen Lettern, die „Life“ ergeben.

Es ist eine deutschlandweite Premiere, dass sich jemand in der Öffentlichkeit hinsetzen und aus dieser Papieransammlung lesen darf, aus der Autobiografie des Rolling-Stones-Lead-Gitarristen Keith Richards. Und es ist beachtenswert, dass diese Premiere in der Endart stattfand mit der Coverband „Forty Licks“.

„Sie sehen dieses Buch in Bibelform“, hält Küppers das Werk in Richtung Publikum. Die Leute sind zahlreich erschienen, entspannen an Sitzgruppen mit Tischen. Die Endart ist voll. Und so beginnt Küppers zu lesen.

Bescheidenes Werk

Chronologisch liest er die Lebensstationen des Keith Richards ab, schildert die Kriegsjahre, die Schulzeit, die ersten musikalischen Schritte mit dem Großvater mütterlicherseits, berichtet vom familiären Verhältnis. Für Rolling Stones-Fan ist das keine Offenbarung, die sich ihnen da auftut. Auch ist es literarisch betrachtet ein eher bescheiden daher kommendes Werk.

Doch durch Küppers erscheint das alles in neuem Gewand. Seine Stimme knurrt wie die der von Drogen zermürbten Musikerlegende, man meint zu fantasieren, die durchzechten Nächte zu spüren.

Die Lebendigkeit

In einigen Momenten löst sich Heinz Küppers von den Seiten. Dann schaut er hoch und kommentiert Geschriebenes in einem trockenen Ton, der es versteht, durch Witz Lebendigkeit einzuhauchen und Verkrampftheit aufzusprengen.

Das gelingt auch den sieben Musikern von „Forty Licks“. Sie sind die Würze, die man beim bloßen Erwerb des Buches nicht erhält. Im Wechselspiel mit Küppers bringen sie fein gespielte Coverversionen der Stones-Songs und heben die ganze Veranstaltung auf ein authentisches Niveau. Das hat Charme, das hat Wirkung, das gefällt.

Dazu erstrahlen über der Band Projektionen, die zeigen Richards mal als Baby, dann als pubertierenden Sprössling mit Segelohren und Topffrisur.

Die gesamte Mischung verschmilzt zu einer herausragenden Veranstaltung, die für die Zukunft nach einem ruft: Fortsetzung.

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