Düren - „Durchdacht wie ein Werk von Bach“: Neues Buch zu Luther

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„Durchdacht wie ein Werk von Bach“: Neues Buch zu Luther

Von: Bruno Elberfeld
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Svenja Hauck, Isabel Drenckberg, Lisa Gatzweiler und Valerie Dück (v.l.) schauten zusammen mit Dr. Achim Jaeger (stehend) Tilman Röhrig über die Schulter. Foto: Bruno Elberfeld

Düren. „Und er ließ einen langen Furz: Weiche Satan“, flehte er (Dr. Martin Luther), „so fahre aus mir!“ Die jungen und älteren Besucher in der Stifteria (Mensa) des Stiftischen Gymnasiums konnten sich mehrheitlich nicht eines Lächelns erwehren. Schriftsteller Tilman Röhrig, der an diesem Abend aus seinem brandneuen Werk „Die Flügel der Freiheit“ las, hatte gut recherchiert.

Reformator Luther hatte dem „Volk aufs Maul geschaut“. Desgleichen tat es ihm etwa 500 Jahre später Röhrig nach, wenn er Luther akkurat zitierte. Von „Flatulenzen“ oder so genannten „Darmaufblähungen“, wie man die menschlich-tierische Befindlichkeiten des Körpers in gehobenen Talkshows nennt, keine Rede.

Tilman Röhrig stellt in seinem neuen Roman nicht nur Martin Luther, sondern auch viele seiner Zeitgenossen, Mitstreiter und erbitterte Gegner vor. Ein Gegner ist Thomas Müntzer, ein ehemaliger Anhänger Luthers, der sein Machtzentrum in Allstedt, unweit von Eisenach und Wittenberg, aufbaut. Da sind die Unterstützer Luthers, unter ihnen Maler und Zeichner Lucas Cranach d.Ä. (1472 – 1553), der in Wittenberg ausharrt, während Martin Luther inkognito und in Schutzhaft als Junker Jörg auf der Wartburg die Bibel ins Deutsche übersetzt.

Luther erreichen aus Wittenberg schlimme Nachrichten. Der Mob ist los und macht vor keinem und nichts halt. Thomas Müntzer (um 1490 – 1525), einer der geistigen Brandstifter des Aufruhrs, fordert die Wittenberger immer wieder zum Aufstand gegen die Obrigkeit auf. In dieser Not reist Junker Jörg nach Wittenberg und verwandelt sich wieder in Dr. Martin Luther. Nach acht Predigten an acht folgenden Tagen, so hat es Tilman Röhrig in den Schriften gefunden, kehrt in die Stadt, in der der Reformator am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen an Kirchentüren angebracht hat, Ruhe ein. Thomas Müntzer bekämpft Luther weiter von Allstedt aus.

Tilman Röhrig fesselte seine Hörer, unter ihnen viele Schüler. Röhrigs Sprache ist lebendig, wählt die genaue Beschreibung und das passende Wort. Ein Gast in der Stifteria beschrieb es so: „Tilman Röhrig scheut nicht davor zurück, den heutigen Mainstream in der Sprache zu ignorieren und den Weg einer guten und treffenden Wortwahl und Sätzen zu formulieren, die melodisch und durchdacht sind wie ein Bachwerk.“

Unzahl von Briefen

Eine Besucherin fragte im Anschluss an die Lesung in der Gesprächsrunde, wie der Schriftsteller es fertigbringe, im Text und bei der Lesung den Figuren und der jeweiligen Situation Herr zu werden. „Ich habe nicht nur Geschichtsbücher, sondern eine Unzahl von Briefen und anderen Schriften gelesen“, antwortete Röhrig, „so konnte ich mich in die Akteure und ihre Situationen hineinversetzen.“

Dabei half dem Schriftsteller eindeutig, dass er, so weist es seine Biografie aus, nach dem Abitur eine Schauspielausbildung genossen hat. Erkennbar war dies an der fantastisch-akzentuierten Sprache, an einer Mimik und Gestik, die die Protagonisten des Romans im Raum aufleben ließ.

Tilman Röhrig hat sich in „Die Flügel der Freiheit“ an den Daten und Fakten orientiert. Sie bilden das Gerüst des Werks. Das alleine aber wäre langweilig gewesen. So fügt er als Fleisch zwischenmenschliche Beziehungen ein, die so durchaus geschehen sein könnten. Ins Auge fallend das Liebesglück zwischen Barthel, dem Gesellen Lucas Cranachs, und seiner Liebsten Dorothea. Da scheut sich der Schriftsteller auch nicht, intensive Liebesbegegnungen bildhaft zu schildern und die liebende Dorothea nach intensivem Techtelmechtel von ihrem Barthel als „meine Imkerin“ bezeichnen zu lassen.

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