Durch Schloss Burgau schleicht sich der Grottenolm

Von: Bruno Elberfeld
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Präsident Kurt Matejit lässt sein Buchexemplar von Andreas Drouve signieren. Foto: bel

Niederau. Autor Andreas Drouve wurde im Kreißsaal des städtischen Krankenhauses Düren geboren. Zurzeit ist er mit seiner Familie in der spanischen Stadt Pamplona beheimatet, in der Stadt, wo Jahr für Jahr Stiere in den Straßen hinter mutigen Menschen hersetzen.

„Für die Inhalte des Buchs fühle ich mich nicht verantwortlich“, stellt der Schriftsteller und gelernte Journalist klar. Den wahren Namen des Ich-Erzählers werde er nicht verraten, obwohl er ihn persönlich gut kenne.

Soweit die humorvolle Einführung des promovierten Germanisten in seine Schrift „Den Letzten beißt der Grottenolm“.

Der Grottenolm ist ein europäischer Schwanzlurch. Als Larve lebt diese Spezies in Höhlengewässern. Als Titelgeber des neuen Buches ist der das Symbol für die ländliche Region, in die der Protagonist des Buches versetzt wird.

Der Ich-Erzähler, seiner Profession nach Journalist, noch ohne große Meriten, wird zur Strafe in die Provinzredaktion nach Bürweiler geschickt. Der Name des Lokalblattes: „Bürweiler Blitz“, ein Name, der schon vieles ahnen lässt.

Andreas Drouve erzählt in seinem Buch 44 lustige Episoden, die sich so oder so ähnlich vielleicht auch in anderen Redaktionen abspielen könnten. Der Einstieg in die Bürweiler Redaktion bedeutet für den Protagonisten ein Rückfall in vergangene Zeiten. Der Vorgänger, nach Aussagen der Kollegen wohlbeleibt, hatte nach dem Genuss eines „Sieben-Gang-Fischbuffets“ das Zeitliche gesegnet. Er starb an einer „Makrelen-Fett-Vergiftung“.

In der Redaktion wird der Neue am ersten Arbeitstag mit „Wir sind das einzige Irrenhaus der Welt, das täglich eine Zeitung produziert“ empfangen. Jedoch – so der herrschende Tenor in den Räumen mit veralteten Computern und Scannern – „manchmal braucht es Chaos, damit Kreativität entstehen kann“.

Eine Sekretärin gibt es nicht. Die Redakteure sind Allrounder. „Was haben wir für morgen auf der Pfanne?“ – diese Frage gehört zum täglichen Ritus. Denn der „Bürweiler Blitz muss einschlagen!“ heißt die Devise. Gängige Serien zu den passenden Jahrestagen heißen: Tag des Baumes wird zu „Ich glaub‘, ich steh‘ im Wald.“ Der Valentinstag wir mit dem Satz „Da war mal ein Kribbeln im Bauch“ geadelt. Bei „Du kannst mir mal den Rücken runterrutschen“ weiß jeder in der Redaktion und in Bürweiler, dass es um den Tag des Rückens geht.

Die Leser freuen sich, dass ihre Beiträge in Wort und Bild in der Zeitung erscheinen. Wenn es saure Gurken regnen soll, bringen die Bürweiler zum Thema passend Obst und Gemüse. Diese Mitbringsel werden unter den fadenscheinigsten Vorwänden in der Redaktion gehalten, um die Menschen vor „möglichen Strahlungen beim Scanvorgang“ zu bewahren. Überbackene Zucchini eignen sich nämlich auch für Journalistenmägen. Serien über seltsame Selbsthilfegruppen sind beim Bürweiler Blitz der Renner. Selbsthilfegruppen nach übermäßiger Betätigung der Handorgel, die Zahl der Arthrosegruppen wächst ständig. Und der Blitz ist vor Ort.

Unheimlich wichtig, so berichtet der strafversetzte Journalist, seien die Ehrungen im Sitzungssaal des Rathauses. Ganz in Schwarz gekleidet, hält der „Worthülsenmultiplikator“, im zivilen Leben Landrat, Reden auf Menschen, deren Verdienste bis dato nicht bemerkt worden waren. Nicht weniger wichtig sind die Berichte über die Bühnenhighlights des Jahres.

„Blaues Blut und Linsensuppe“, in Mundart von der örtlichen Laienspielgruppe präsentiert − ein einziges Missverständnis. Die Vernissage von gescannten Hähnchen in 125 Positionen und die nachfolgende Installation der Hähnchenknochen könnte eine Kritik an Massentierhaltung sein.

Andreas Drouve stellte ein Buch vor, das zum „Handbuch für Journalisten“ werden könnte, humorvoll und witzig, nicht immer ganz ernst gemeint.

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