„Duo Bohemico“ brilliert im Haus der Stadt

Von: Bruno Elberfeld
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Authentisch und stimmig präsentierten Pavel und Anna Cuchal im Haus der Stadt ein brillantes Konzert. Foto: bel

Düren. Es gibt Veranstaltungen, bei denen alles stimmt. So jetzt beim Konzert der „Vereinigten Industrieverbände (VIV) Düren, Jülich, Euskirchen und Umgebung“. Das „Duo Bohemico“ Pavel Cuchal an der Gitarre und Anna Cuchal (Flöte) brachte alles auf die Bühne, was sich ein Publikum wünscht.

Eine hervorragende Technik, gepaart mit spürbarem Einfühlungsvermögen, eine Aura von Leichtigkeit und Ernsthaftigkeit in Harmonie, und ein blindes Verstehen.

Die Übergänge waren fließend, Brüche wurden meisterlich hervorgehoben. Beide Musiker schienen mit ihren Instrumenten verwachsen, traten in Dialoge, die wohltuend, dramatisch, tänzerisch, melancholisch, einmal lebhaft, dann wieder schleppend daherkamen.

Ungewöhnliche, teils schwierige Techniken auf der Gitarre, vorgetragen mit einer merklichen Unbeschwertheit, lebhafte Soli auf der meist dominierenden Querflöte mit gekonnten Brüchen in den Tönen begeisterten das Publikum, das mit durchdringendem Schlussapplaus zwei Zugaben ergatterte.

Zum Auftakt spielte das Duo die „Sonate G-Dur für Violine und Basso continuo“ von Johann Sebastian Bach (1685-1750). Arrangiert war das Werk für Flöte und Gitarre von Ferdinand Uhlmann. Beide Interpreten bedauerten, dass es zur Zeit Bachs noch keine Kompositionen gab, in der die Gitarre eine Rolle spielte. Das änderte sich mit dem italienischen Komponisten Mauro Giuliani (1781-1829).

Giuliani wurde seinerzeit auch als der „Mozart der Gitarre“ bezeichnet. Giuliani wich ab von der komplexen Polyphonie des Barock und schuf Werke mit mehr Transparenz. Francoise Bornes (1840-1920) „Fantasie brillante“ ist eine Folge bekannter Themen aus Georges Bizets (1838-1875) berühmter Oper Carmen. Ursprünglich für Flöte und Klavier geschrieben, verlangte es besonders vom Gitarristen nahezu akrobatische Bearbeitung seines Instruments.

Nach der Pause präsentierten Anna und Pavel Cuchal die Musik tschechischer Komponisten. Anna Cuchal sagte noch in der Mitte des Konzerts in gutem Deutsch mit charmantem Akzent: „Ich hoffe, Sie werden sich nach der zweiten Hälfte freuen, dass Sie hiergeblieben sind.“ Vielen Zuschauern entging nicht, dass die Beiden jetzt noch mehr in ihrem Element waren. In Stepan Raks „Böhmischen Märchen“ schufen die Melodien Bilder. Die Instrumente erzählten das Märchen von „Hänsel und Gretel“. Tänzerische Kinderschritte, furchtsames Schleichen in der Dunkelheit des Waldes, Schrecken rund um die Hexe – die Musiker malten mit Flöte und Gitarre ein spannendes Epos.

Ein Japan-Reiseführer

Mit Jiri Gemrots „Sapporiana“ entführten die Musiker die Menschen mit ungewohnten Klangstrukturen in den Fernen Osten. Es wurde japanisch mit Essen in einer Sushi-Bar, Wandern durch Gebirge und einen Park – kurzum: eine Musik als Japan-Reiseführer. Anna Cuchal bezeichnete den letzten Komponisten des regulären Programms, Robert Paul Delanoff, als ihren „speziellen Komponisten“, als ihr „Herzstück“.

Und wer vorher geglaubt hatte, es gäbe keine Steigerung in Sachen Interpretation, sah sich angenehm enttäuscht. Das „Duo Bohemico“ gewährte mit Delanoff Einblicke in eine geheimnisvolle Musik, vielleicht sogar in die slawische Seele.

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