Dürens Leiter der Feuerwehr sieht Leistungsfähigkeit in Gefahr

Von: Stephan Johnen
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Dürens Wehrleiter Hans-Jürgen Pelzer forderte bei der Jahreshauptversammlung Investitionen in die Sicherheit der Bürger. Foto: Johnen

Düren. Dürens erster Feuerwehrmann brannte für seine Sache - und fand deutliche Worte bei der Jahreshauptversammlung: „Keiner der Beteiligten in Politik und Kämmerei hat den Mumm, laut und deutlich in der Öffentlichkeit zu sagen: Wir müssen sparen - und dafür nehmen wir auch eine Senkung der Sicherheitsstandards und eine höhere Gefährdung der Bevölkerung in Kauf.”

Wehrleiter Hans-Jürgen Pelzer nahm bei seiner Kritik an den jüngsten Debatten über die Anschaffung einer Ersatzdrehleiter und die Neuanschaffungen weiterer Fahrzeuge kein Blatt vor den Mund.

„Wir nähern uns DDR-Verhältnissen”, prangerte Pelzer die Entscheidungen an, „veraltete Technik zu reparieren” und damit das Budget für Neuanschaffungen „aufzuzehren”. „Die Bugwelle, die die Politik somit schafft, wird von Jahr zu Jahr höher”, warnte Pelzer. Es sei auch ein „starkes Stück”, dem zuständigen Amt „unseriöse Ausschreibungspraktiken” vorzuwerfen. „Es ist uns Wehrleuten egal, ob die Politik uns ein Fahrzeug namhafter Hersteller oder ein Billigfahrgestell vor die Tür stellt. Hauptsache, wir bekommen überhaupt eins”, sagte Pelzer, der zugleich fünf weitere Mannschaftstransportfahrzeuge anmahnte. Es sei unredlich, die Mittel der Wehr zu kürzen und dabei eine gleichbleibende Leistung einzufordern. Der Erreichungsgrad der Dürener Wehr, der derzeit vom Kreis geprüft werde, liege bei 40 Prozent bei einem kritischen Wohnungsbrand und 20 Prozent bei in Autos eingeklemmten Personen.

„Bei weniger als 80 Prozent kann im Regelfall nicht von einer ausreichend leistungsfähigen Wehr ausgegangen werden”, gab Pelzer zu bedenken. Er appellierte an die Politik, den Sanierungsstau zu beenden und in Fahrzeuge, Ausrüstung und in die Jugendfeuerwehr zu investieren. Viele Gerätehäuser seien zudem technisch und baulich überholt. Fehlende Toiletten für Frauen seien noch die geringsten Probleme. Pelzer sprach von defekten Toren, nicht fertiggestellten Böden und fehlenden Lüftungsanlagen. „Sind Sie sicher, dass Sie mit der von Ihnen praktizierten Nichtabhilfe der Problematik zu Wertschätzung, Ansehen und Motivation aller Wehrleute beitragen?”, richtete Pelzer eine Frage an die Politik. Bürgermeister Paul Larue nahm er dabei allerdings ausdrücklich aus der Kritik heraus.

„Ich bin bei Ihnen, dass die Vorgänge nicht angemessen waren”, ging Larue auf die Drehleiter-Problematik ein. Es sei für ihn eine neue Erfahrung gewesen, als einziger in Finanzausschuss und Rat „die Hand für die Feuerwehr zu heben”. Leichtfertige Kritik am Stadtrat dürfe aber nicht geübt werden. „Man darf dies nicht als Misstrauensvotum deuten”, sagte Larue.

Er gab zu bedenken, dass die „Kommunen finanziell überfordert sind” - und sich dennoch hundertprozentig um die Belange der Sicherheit kümmern wollen. „Es wird keine Absenkung der Schutzziele und Standards geben”, versicherte Larue mit Blick auf die Verabschiedung des Brandschutzbedarfsplans am Donnerstag. Weder bei der Personal- noch bei der Sachausstattung könne er DDR-Verhältnisse ausmachen. Die Dürener Politik habe die Belange der Feuerwehr und damit auch der Bürger stets im Blick, aber gewisse Sanierungsarbeiten und Anschaffungen müssten schon einmal geschoben werden. Es tue der Stadt nicht gut, „Dinge, die beide wichtig sind, gegeneinander auszuspielen”, ging Larue auf die Kritik der Wehr zum Thema Sanierungsstau ein.

Nachdem Kitas und Schulen in den vergangenen Jahren Priorität hatten, sollen im kommenden Jahr 300.000 Euro in die Gerätehäuser fließen. Auch der Erweiterungsbau der Hauptwache zeige, dass die Wehr einen hohen Stellenwert habe. „Wir müssen jeden Tag entscheiden, was wichtig ist und was wichtiger ist”, warb Larue angesichts vieler Sparzwänge um das Vertrauen der Wehr in die Politik.
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