Dürens CDU-Chef: „Die AfD nicht von rechts überholen“

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„Es gibt keine einfachen Antworten auf komplexe Fragen“, kritisiert Thomas Floßdorf beispielsweise die bundesweite Polemik gegen Kanzlerin Angela Merkel. Er fordert eine thematische Auseinandersetzung mit der AfD innerhalb der CDU. Foto: imago/Karina Hessland
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Thomas Floßdorf ist Vorsitzender des CDU-Stadtverbands. Foto: Johnen

Düren. Die jüngsten Wahlen waren nicht gerade Erfolge für die CDU. Die Partei hat zum Teil massive Verluste erlitten, viele Wähler wandern zur Alternative für Deutschland (AfD) ab.

Dürens CDU-Parteivorsitzender Thomas Floßdorf spricht im Interview mit Stephan Johnen über eine aus Sicht des Politikers „längst überfällige inhaltliche Auseinandersetzung“ mit der AfD, über die Frage, warum Volksparteien offenbar zunehmend die Wähler abhanden kommen und warum sich Politik oft zu sehr mit sich selbst beschäftigt.

Vor zwei Jahren haben Sie ihre Partei davor gewarnt, die AfD als politische Eintagsfliege abzutun. Heute ist die CDU bei Wahlen größte Verliererin, viele Wähler wandern zur AfD ab. Haben Sie das befürchtet?

Floßdorf: Die Auseinandersetzung mit der AfD hat mit Angela Merkels Pressekonferenz in dieser Woche begonnen. Sie hätte früher beginnen sollen.

Teilen Sie die Meinung der AfD, dass Frau Merkel zurücktreten sollte?

Floßdorf: Das ist für mich Polemik. Angela Merkel hat Hervorragendes für unser Land geleistet. Ich wünsche mir, dass sie für eine weitere Kanzlerschaft zur Verfügung steht. Wir haben hervorragende Wirtschaftszahlen, die Arbeitslosigkeit war lange nicht mehr so niedrig, die Menschen haben kaum Grund zu klagen, trotzdem verlieren wir Wähler an die AfD.

Das widerspricht der gängigen Annahme, dass AfD-Wähler vor allem Wut- und Frustbürger sind?

Floßdorf: Die AfD ist vor allem eine Partei ohne erkennbare Inhalte und damit Auffangbecken für Wähler vieler Parteien. Ihre Erfolge zeigen aber auch, dass alles, was wir über Wahlverhalten gelernt haben, nicht mehr uneingeschränkt gilt: Lange hieß es, dass eine geringe Wahlbeteiligung und schlechte Rahmenbedingungen dazu führen, dass populistische und extremistische Parteien gestärkt werden. Die Beteiligung ist zuletzt aber sogar gestiegen.

Will heißen: Die AfD schöpft nicht nur bei den großen Parteien Wähler ab, sondern motiviert auch Nichtwähler, ihre Stimme abzugeben?

Floßdorf: Leider scheinen Wähler durch diese Wahl den etablierten Parteien einen Denkzettel verpassen zu wollen.

Wofür steht Ihrer Meinung nach die AfD in der Stadt Düren?

Floßdorf: Ich kenne keine inhaltliche Arbeit der AfD in Düren, ich erkenne vielmehr eine One-Man-Show.

Und dennoch haben Sie nach den jüngsten Wahlerfolgen Angst?

Floßdorf: Es ist in Parteien normal, dass Wahlen analysiert werden. Ich persönlich habe keine Angst vor der AfD, wir müssen und werden Inhalte entgegenstellen.

Geht alles weiter wie bisher? Auch wenn viele Bürger offenbar mit der Arbeit der etablierten Parteien unzufrieden sind?

Floßdorf: Die Entwicklung sollte uns zu denken geben. Wir müssen besser darin werden, unsere Arbeit zu erklären, damit wir das Vertrauen der Menschen zurückgewinnen. Mehr Bürgerbeteiligung ist ein guter Weg dazu.

Bei der Umgestaltung des Kaiserplatzes und des Heuss-Parks hätten sich Zehntausende Dürener einbringen können ...

Floßdorf: ... und getan haben es nur wenige. Ich verstehe, worauf Sie hinauswollen. Aber es stimmt auch, dass die Politik erkannt hat, dass sie den Bürger mehr einbeziehen muss. Dies tun wir beim Masterplanprozess. Die Sachverhalte zu erklären und Entscheidungen transparenter zu machen, wird dazu führen, dass die Akzeptanz von Maßnahmen steigt.

Ist diese Antwort nicht wieder ein Reflex von Politikern?

Floßdorf: Nein. Denn gerade bei Kommunalwahlen haben wir bereits gesehen, dass gute, parteilose Bürgermeisterkandidaten sehr große Chancen haben. Parteien erwecken offenbar den Eindruck, sich um sich selbst zu drehen und parteilose Kandidaten hätten daher das Wohl der Stadt besser im Blick. Wenn uns die Bürger nicht zutrauen, dass wir Politiker der Volksparteien uns für ihr Wohl einsetzen, erhalten wir die Quittung bei Wahlen.

Ich habe immer noch nicht verstanden, was Sie tun wollen, um beispielsweise die Volksparteien wieder näher ans Volk zu bringen.

Floßdorf: Natürlich ist das ein langer Weg, weil die Akzeptanz offensichtlich gelitten hat. Aber es ist nicht zu spät. Wir haben in Düren viel vorzuweisen. Wir haben beispielsweise in den vergangenen Jahren 30 Millionen Euro in die Schulen investiert, bauen massiv die Kitas aus. Diese guten Botschaften müssen wir transportieren.

Liegt die Zukunft in den Sozialen Netzwerken?

Floßdorf: Da bin ich eher skeptisch. Facebook ist sicher nicht der Weg zum Erfolg. Wenn wir dort eine gute Nachricht posten, können wir sichergehen, dass sie von zahlreichen Menschen zerredet wird. Komplizierte Zusammenhänge lassen sich im Internet kaum vermitteln. Wir müssen die Bürger eins zu eins mitnehmen.

Ihre zentrale Botschaft an die Wähler und die eigenen Leute?

Floßdorf: Die jüngsten Wahlergebnisse zeigen, dass sich neue, instabile politische Konstellationen entwickeln. Das haben wir mit der „Ampel plus“ in Düren schon gesehen. Ich sehe in diesen Veränderungen aber auch eine Chance: Nur große Volksparteien können in diesem Umfeld Stabilität bedeuten.

Was wäre der größte Fehler, den die CDU machen könnte?

Floßdorf: Wir dürfen nicht versuchen, die AfD von rechts zu überholen.

Hand aufs Herz, wann werden Sie in Düren dennoch näher an die AfD rücken, um sich für die Zukunft einen Koalitionspartner zu sichern?

Floßdorf: Solange ich Parteivorsitzender bin, wird das nie geschehen. Das ist kein Thema. Es sollte aber auch für alle anderen Parteien im Rat kein Thema sein, die AfD zum Steigbügelhalter zu machen.

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