Düren - Dürens ältestes familiengeführtes Geschäft schließt

Dürens ältestes familiengeführtes Geschäft schließt

Von: Sandra Kinkel
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Erster Firmensitz war an der Bonner Straße, ... Foto: Gottschalk
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... später gab es das Geschäft am Markt in Düren. Foto: Gottschalk
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Georg Fischborn hat den Familienbetrieb Gottschalk von seinem Großvater übernommen. Am Samstag schließt der Betrieb nach 116 Jahren. Foto: Kinkel

Düren. Es ist ohne Zweifel eines der ältesten familiengeführten Einzelhandelsgeschäfte in Düren: Gottschalk an der Zehnthofstraße. 1901 hat Carl Gottschalk den Laden, damals noch an der Bonner Straße, gegründet. Handarbeitswaren und hochwertige Mode waren bis heute immer im Angebot.

Am Samstag schließt Carl Gottschalks Enkel Georg Fischborn nach 116 Jahren den Betrieb. „Natürlich gibt es eine gehörige Portion Wehmut“, sagt der 70-Jährige, „aber ich denke auch mit großer Freude und Dankbarkeit zurück – vor allem an meine vielen Stammkunden.“ Selbst gemachten Likör, selbst gestrickte Socken, Hufeisen, „Danke“-Karten: Viele von Fischborns Stammkunden haben sich mit einem kleinen Geschenk bei ihm bedankt. „Für mich ist das eine Form von echter Wertschätzung“, sagt er. „Und das freut mich sehr.“

Die Firma Gottschalk ist das, was man im besten Sinne einen Familienbetrieb nennen kann. Carl Gottschalk hat das Geschäft an der Bonner Straße von 1901 bis 1934 geführt, danach ist der Laden an den Marktplatz in Düren gezogen. 1944, mitten im Zweiten Weltkrieg, wurde der Verkauf eingestellt. „Aber nur für drei Jahre“, erzählt Georg Fischborn. „1947 haben meine Mutter und meine Tante den Laden an der Josef-Schregel-Straße schon wieder aufgemacht.“ 1959 erfolgte der Umzug an die Zehnthofstraße, zehn Jahre später ist Georg Fischborn in den Familienbetrieb eingetreten.

Für ihn war immer klar, dass er eines Tages das Unternehmen weiterführen würde. Er hat in Aachen eine Ausbildung im Einzelhandel absolviert, anschließend seinen Betriebswirt gemacht. „Bei uns ging es immer um das Geschäft“, erzählt er. „Und das meine ich überhaupt nicht negativ. Ich bin mit unserem Betrieb groß geworden und wollte auch dort arbeiten. Diese Aufgabe hat mir immer Spaß gemacht.“

Enger Kundenkontakt

Plötzlich klingelt die Ladentür an diesem grauen Dezembermorgen, eine junge Frau kommt herein. Sie interessiert sich für die bestickten Decken und Kissen. Die Frau spricht Englisch, für Georg Fischborn ist das kein Problem. „Schauen Sie sich um“, sagt er. „Wenn Sie Hilfe brauchen, bin ich für Sie da.“ Freundlichkeit, gute und ehrliche Beratung, auch einmal ein persönliches Wort mit den Kunden – das war immer Fischborns Maxime, das hat ihm immer viel Freude gemacht.

Dass der zweifache Vater und dreifache Großvater jetzt seinen Betrieb schließt, ist in erster Linie seinem Alter geschuldet, aber auch der Tatsache, dass es wirtschaftlich schwieriger wird. „Die Nachfrage an Handarbeitswaren“, sagt Georg Fischborn, „ist kaum noch vorhanden. Und was Kleidung angeht, ist mein Eindruck, dass immer weniger Menschen wirklich Wert auf gute Qualität legen.“

Immer häufiger, ergänzt der Geschäftsmann, würden Textilien beim Discounter verkauft, anstatt im Fachgeschäft würden immer mehr Menschen Kleidung im Internet bestellen. „Wir erleben einen echten Verhaltens- und Strukturwandel im Bereich des Handels“, sagt Georg Fischborn. „Und ich glaube, dass Städte in der Größenordnung wie Düren da nur schwer gegen ankommen.“ Auch deswegen habe er seinen Söhnen immer davon abgeraten, ihr persönliches Glück im Einzelhandel zu suchen.

Fischborn ist überzeugt, dass es über kurz oder lang gelingen muss, für Gewerbeflächen, die nicht mehr vermietet werden können, eine andere Verwendung zu finden. „Wo immer es geht, sollten leerstehende Geschäftsräume zu Wohnungen umgebaut werden, damit die Innenstädte nicht aussterben.“ Sein eigenes Ladenlokal lässt sich kaum in attraktiven Wohnraum verwandeln, deswegen sucht Georg Fischborn nach einem Nachmieter. „Es hat auch schon vereinzelte Angebote gegeben“, sagt er. „Aber nur für wenige Monate. Das war nicht das, was ich wollte.“

Bei aller Wehmut und Dankbarkeit freut Fischborn sich auch auf seinen Ruhestand, auf mehr Zeit für die Familie und seine Hobbys. Georg Fischborn ist großer Volleyball-Fan, kaum ein Heimspiel der SWD Powervolleys, das er verpasst. Vor allem freut er sich aber auch weiter über die vielen Begegnungen mit den Menschen in seiner Stadt Düren. „Diese Menschen bedeuten für mich Heimat“, sagt er. „Und das ist etwas, das immer so bleibt.“

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