Kreis Düren - Dürener Wallfahrtsorte mit einem positiven Heimatgefühl

Dürener Wallfahrtsorte mit einem positiven Heimatgefühl

Von: Sandra Kinkel
Letzte Aktualisierung:
Heimbachwallfahrt
Der Strohdecker Heinrich Fluitter aus Heimbach kaufte 1460 in Köln eine Figur Mariens, die ihren toten Sohn auf dem Schoß hält. Im Kermeter hat er eine Kapelle für diese Pieta gebaut. So ist die berühmte Heimbachwallfahrt entstanden. Foto: Archivbild
Heiliger Arnoldus
Der Heilige Arnoldus, der am 18.7.793 in Arnoldsweiler gestorben ist, galt als überaus barmherziger Mensch. Eine Legende erzählt, dass er Kaiser Karl den Großen um ein Stück Wald für die Bürger von Arnoldsweiler gebeten hat. Mit Hilfe einer List hat er ein besonders großes Stück bekommen, so dass die Menschen jagen und Holzhandel betreiben konnten. Foto: Archivbild
Heilige Anna
Die Heilige Anna war die Großmutter Jesu. Steinmetz Leonhard brachte 1501 eine Reliquie mit Teilen des Schädelknochens der Mutter Anna von Mainz nach Düren. Leonhard hatte im Mainzer Dom gearbeitet und keinen Lohn erhalten. Deshalb hat er das Annahaupt mitgenommen. Papst Julius II. entschied 1506, dass die Reliquie für immer in Düren bleiben darf. Foto: Archivbild

Kreis Düren. „Gesundheit für meinen Mann und für mich Geduld“, steht in dem dicken Heft, „Bitte gibt meiner Tochter viel Kraft für den Verlust ihres Mannes und meinen Enkeln für den Verlust des Papas“ und „Mach, dass unser Sohn gesund wieder nach Hause kommt“ sind andere Einträge. Das Heft liegt auf einem kleinen Tischchen gleich neben dem großen Schrein in der Dürener Annakirche.

In dem Schrein liegen die Reliquien der Heiligen Mutter Anna. Noch bis Sonntag, also während der Annaoktav, wird die prächtige Reliquie den Gläubigen jeden Tag präsentiert. Die Menschen kommen mit ihren Sorgen und Nöten zur Mutter Anna. Und die schreiben sie in das große Heft.

Spätestens seitdem Hape Kerkeling sich auf den Jakobsweg gemacht hat und über seine Erfahrungen einen Bestseller geschrieben hat, ist Pilgern im Trend. Lourdes, Fatima und Santiago de Compostela sind berühmte Wallfahrtsorte, aber auch im Kreis Düren wird gepilgert – und das nicht zu knapp.

Erst vor wenigen Wochen hat Thomas Tönneßen, Pastoralreferent im Büro der Regionaldekane, eine Liste mit allen Wallfahrtsorten im Kreis Düren zusammengestellt. „Es sind mehr als 20 Orte, zu denen gepilgert wird“, sagt Tönneßen. „Orte, an denen sich für viele Menschen ein positives Heimatgefühl festmachen lässt.“

Sicher sind die Wallfahrten zur Heiligen Anna in Düren und zum Heiligen Arnoldus in Arnoldsweiler sowie die zur Schmerzhaften Muttergottes in Heimbach mit Besucherzahlen im vierstelligen Bereich die größten im Dürener Land. Und auch die mit der längsten Tradition, die zumindest in Arnoldsweiler bis ins achte Jahrhundert zurückreicht. Tönneßen: „Aber allein in Titz gibt es mit Ralshoven, Rödingen und Ameln drei Orte, zu denen Menschen pilgern. Das ist doch bemerkenswert.“

Egal, ob man selbst gläubig sei oder nicht, ergänzt Tönneßen, müsse man einfach Respekt haben vor den vielen Menschen, die schon zu den Wallfahrtsorten gekommen seien. „Sie haben ihre Bitten vorgetragen und auch Dank gesagt. Irgendwie liegt an diesen Orten schon etwas sehr Spirituelles, etwas Besonderes in der Luft.“

Ähnlich formuliert das auch Regionaldekan Hans Doncks aus Heimbach: „Pilgern hat in der Region Düren eine außergewöhnlich große Tradition. Es ist schwer, dafür einen Grund zu finden, aber es ist schön, wenn Menschen sich auf den Weg machen, um ihren Glauben neu zu entdecken.“

Die Kirche, sagt Hans-Otto von Danwitz, Seelsorger in St. Anna, sei während der Oktav deutlich voller als sonst. „Vor allem in der Woche. Es kommen immer noch sehr viele Pilger aus den umliegenden Orten zu uns.“ Gleichwohl sei es für die meisten Menschen längst nicht mehr selbstverständlich, jeden Tag zur Annaoktav nach Düren zu kommen.

„Früher war das so“, sagt von Danwitz. „Und auch als ich in Düren angefangen habe, mussten wir während der Annaoktav immer noch viele Stühle bereithalten, damit alle Gläubigen einen Sitzplatz hatten.“ Heute sei es notwendig, gute Prediger zu gewinnen und viel Werbung zu machen. Von Danwitz: „Die Annaoktav ist längst kein Selbstläufer mehr.“

Annaoktav als Wirtschaftsfaktor

Aber vielleicht ein Wirtschaftsfaktor. Ohne Annaoktav würde es an der Rur jedenfalls keine Annakirmes geben. Und auch in Heimbach sorgen zur Wallfahrtszeit die Pilger für volle Cafés und Restaurants. „Der wirtschaftliche Aspekt von Wallfahrten“, sagt der Dürener Bürgermeister Paul Larue (CDU), „darf nicht unterschätzt werden.

Pilger wollen Andenken kaufen, essen und trinken und gerade in früheren Zeiten wollten sie auch ihr müdes Haupt irgendwo betten.“ Darüber hinaus hätten die Arnoldus- und die Annaoktav die Stadt Düren auch bekannt gemacht – regional und überregional. „Es sind schon sehr früh sehr viele Menschen in unsere Stadt gekommen und haben Düren und Arnoldsweiler ein Stück weit in die Welt getragen.“

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