„Dürener Talk“: Pointierte und hintersinnige Gespräche

Von: Christoph Hahn
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„Dürener Talk“ auf Schloss Burgau: Unter anderem wurden Ideen für einen Imagefilm für Düren gesammelt. Der Dialekt der „Eingeborenen“ sollte nicht fehlen. Foto: Hahn

Niederau. Vorstandsmitglieder von Sparkassen und Moderatoren von Gesprächsrunden haben zumindest eines gemeinsam: Ohne eine gehörige Portion Selbstbewusstsein können sie ihren Beruf gar nicht ausüben. Professor Herbert Schmidt demonstrierte diese Charaktereigenschaft schon zu Beginn des ersten „Dürener Talks“ im Rahmen der Kulturtage, die der Lions-Club Marcodurum aus Düren noch bis zum Sonntag auf Schloss Burgau im Stadtteil Niederau veranstaltet.

Schmidt und sein Co-Moderator Jürgen Roßkamp hatten jedenfalls in der guten Stube der Kreisstadt eine Reihe von illustren Gästen zum Dialog in ungezwungener Atmosphäre um sich versammelt. Neben Bernd Hahne, dem Chef des Stadtmuseums, traten der in Lendersdorf lebende Sternekoch Herbert Brockel („Husarenquartier“, Lechenich), der Filmregisseur Wolfgang Dinslage, ehemals unter dem Künstlernamen „Jean-Marie“ erster Torwart beim FC Niederau sowie der Wirtschaftsjournalist und Kommunikationstrainer Ulrich Stockheim miteinander in einen Dialog.

Pointiert und hintersinnig knüpften die zwei Moderatoren immer wieder Fäden zwischen den vier Persönlichkeiten auf dem Podium. So wurde Bernd Hahne von Herbert Schmidt mit der Doppel-Frage konfrontiert: „Was fasziniert sie so an der Geschichte, was können wir aus der Geschichte mitnehmen?“ Teil 1 beantworte der Grafiker und Museumsmann mit einem nonchalanten „Das weiß ich auch nicht so genau“, Teil 2 dafür umso präziser: „Jeder hat die Möglichkeit, die Umstände, die uns umgeben, zu beeinflussen“, erklärte Hahne und rief dabei zugleich seine Mitbürger zur aktiven politischen Teilhabe auf.

„Davon kann man nicht leben“

Politisch wirkte vieles an diesem Abend – und das, was so wirkte und gemeint war, sprengte meist den Rahmen jeder möglichen Form von Kader- und Fraktionsdisziplin. So fordert etwa Ulrich Stockheim seine Zuhörer und die Gestalter in den Parlamenten auf, die „wirklich dringenden Probleme“ zu erkennen und sich ihnen zu stellen. Und Regisseur Dinslage, der vor seinen Erfolgen auf staatliche Unterstützung angewiesen war, sagte trocken: „Hartz IV? Davon kann man nicht leben!“

„Dürener Talk“: Das war mehr als ein amüsantes Plauderstündchen in nettem Ambiente und eben solcher Gesellschaft – das war mehr eine Ideenwerkstatt vor gebannt und fasziniert zuhörendem Publikum. So sammelten Herbert Schmidt und Jürgen Roßkamp bei ihren Gästen Idee für einen Imagefilm über Düren und ernteten dabei sehr verschiedene, teils zuwiderlaufende Ideen. So sprach sich der bodenständige Gemütsmensch und ehemals praktizierende Karnevalist Hahne (zum Beispiel als „Huusmeester“ bei den Skunk-Sitzungen) dafür aus, den Dialekt und den Witz der „Eingeborenen“ in einen solchen Film einfließen zu lassen. Mit dem Platt konnte sich Ulrich Stockheim, der sein Leben zwischen Düren-Birgel und New York mit dem Satz „Man muss über die Wall Street spazieren und im Burgauer Wald Kastanien sammeln können“ umriss, nicht anfreunden, sondern plädierte vor allem dafür, bei der Weiterentwicklung der Kreisstadt vor allem auf eines zu setzen: „Wir brauchen Leidenschaft und Engagement.“ Derweil gab Herbert Brockel dem Ort der Veranstaltung gute Chancen als Schauplatz der Spitzengastronomie, denn: „Der Gast würde es hergeben.“

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